Klopps größte Herausforderung seiner Karriere

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Jürgen Klopp

DORTMUND - BVB-Trainer Jürgen Klopp steht vor der größten Herausforderung seiner Karriere. Die Rückschläge der letzten Wochen und die Verletzungsmisere haben bei Borussia Dortmund auch mental Spuren hinterlassen.

Die Verletzungsmisere reißt nicht ab, Borussia Dortmund hat die Schmerzgrenze erreicht und muss sie am Mittwoch noch einmal überschreiten. Die Rückschläge der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen - nicht nur physische. Trainer Jürgen Klopp ist mehr denn je als Psychologe gefordert und steht beim deutschen Fußball-Vizemeister vor der wohl größten Herausforderung seiner Karriere.

Die personelle Situation ist dramatisch. Wieder einmal ruhten am Sonntag alle Hoffnungen auf Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun. Doch die Diagnosen waren ernüchternd: Auch Sven Bender (Innenbanddehnung mit Einblutungen am Sprunggelenk) wird den Borussen im entscheidenden Gruppenspiel der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ZDF) bei Olympique Marseille fehlen. Bei Nuri Sahin (Außenband-Teilriss) ist ein Einsatz zumindest nicht ausgeschlossen.

Damit stehen dem BVB in einem der wichtigsten Spiele der Saison Bender, Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan nicht zur Verfügung, allesamt deutsche Nationalspieler. Außerdem fehlt Neven Subotic. Zumindest drei Akteure der etatmäßigen Vierer-Abwehrkette und die komplette "Doppel-Sechs" (Bender und Sahin) sind außer Gefecht. Ein Aderlass, der kaum zu kompensieren ist. "Not macht erfinderisch", sagte Klopp mit ernster Miene nach der folgenschweren 0:1-Niederlage gegen Bayer Leverkusen, mit der die Westfalen den Anschluss an das Spitzenduo der Bundesliga verloren und ihre Ansprüche zurückschrauben mussten.

Doch so angespannt war die Gemütslage seit Klopps Amtsantritt 2008 noch nie, und das ausgerechnet vor dem Showdown in Marseille. Denn nur ein Sieg verhilft dem Finalisten der vergangenen Saison zum Sprung ins Achtelfinale.

Der Druck auf den BVB-Coach und die Rumpfmannschaft ist riesengroß. "Ich bin überzeugt davon, dass Jürgen Klopp seine Mannschaft nochmals richtig einstellt und richtige Lösungen finden wird. Dass man eine ganze Abwehr ersetzen muss, so viele Leistungsträger, das ist eine schwierige Entscheidung: Wen nehme ich jetzt, wem gebe ich das Vertrauen? Dortmund mit seiner Klasse, seiner Mentalität und diesem Trainer wird das packen", sagte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, der den BVB zum Champions-League-Triumph 1997 geführt hatte.

Dortmunds Präsident Reinhard Rauball appelliert an den Charakter der Mannschaft, den sie in den vergangenen Jahren mehrfach eindrucksvoll bewiesen hat. "Man kann fallen, aber entscheidend ist, dass wir wieder aufstehen. Wir werden jetzt nicht in Panik verfallen", wurde der 66-Jährige im kicker zitiert. Doch auch beim Daueroptimisten Rauball waren die Sorgenfalten am Wochenende nicht zu übersehen. Seit dem 0:1 im Heimspiel der Königsklasse gegen den FC Arsenal befindet sich der BVB auf Schlingerkurs. Es folgten drei Niederlagen in den vergangenen vier Liga-Spielen.

Das zwischenzeitliche 3:1 gegen den SSC Neapel brachte nicht die erhoffte Stabilität. Die ständigen Blessuren und Umstellungen im Team hinterließen Spuren. Gegen Leverkusen ließ der BVB jegliche Wucht vermissen, es fehlte an Tempo und somit an Unberechenbarkeit, deren Ursprung im Mittelfeld liegt. Dass sich die Schwarz-Gelben gegen Leverkusen im heimischen Stadion kaum hochkarätige Chancen erspielten und erstmals seit vier Jahren zwei Heimspiele in Folge verloren, dabei erstmals seit 2007 sogar ohne Torerfolg blieben, gab zu denken. Dennoch hoffen die BVB-Fans in Marseille auf eine Trotzreaktion von Klopps letzten Mohikanern. - sid

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