"Dass wir in Dortmund rocken": So ist die Stimmung in Gladbach

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"Frohe Weihnachten" werden die Gladbacher so oder so haben. Ob ein Sieg gegen Dortmund klappt oder nicht, die Hinrunde ist den Fohlen schon gelungen.

Borussia Dortmund spielt eine überragende Saison, ebenso Borussia Mönchengladbach. Unser BVB-Reporter hat die Fohlen einen Tag vor dem Kracher besucht und die Stimmung eingefangen.

Mönchengladbach – Tauben im Gras. Wolfgang Koeppens Roman aus dem Jahr 1951 zeichnet eine Verkettung vieler, einzelner Ereignisse. Ähnlich, wie es bei Borussia Mönchengladbach zurzeit der Fall ist. Viele, einzelne Ereignisse miteinander verwoben. Die Verlängerung mit Dieter Hecking als Chefcoach, die Umstellung des Systems, Umbrüche im Kader – von Erfolg gekrönt. Am Freitag wartet um 20.30 Uhr ein weiteres Ereignis: Spitzenspiel bei Tabellenführer Borussia Dortmund, Erster gegen Zweiter.

Tauben im Gras ist nicht nur ein Romantitel, in Gladbach sind sie auch profane Wirklichkeit. Gut zwei Dutzend der blaugrauen Vögel hocken und gurren an der Einfahrt zum Parkplatz am Borussia-Park auf einem Stück Wiese, picken im Gras. Es ist wenig los an diesem bewölkten Donnerstag. 13 Uhr, Pressekonferenz. 

Laues Treiben

Im benachbarten Fanshop kaufen ein paar Anhänger noch Weihnachtsgeschenke. Es wirkt friedlich, fast schon glückselig, dieses laue Treiben rund um die Heimspielstätte der Fohlen. „Die Stimmung ist top“, ruft der gut gelaunte Ordner Jörg Heschel von der anderen Seite des Absperrgitters. Kein Wunder, ist man doch Zweiter in der Liga. „Was am Ende dabei rumkommt, wird man sehen. Hauptsache oben mitspielen“, so Heschel.

Der Live-Ticker zum Spitzenspiel

Vor dem Spitzenspiel auswärts in Dortmund gibt man sich genügsam. Punkte-Shoppen ist in der Liga zwar angesagt in der Hinrunde (33), die Gladbacher frönen aber nicht so ganz dem weihnachtlichen Konsumwahn. „Aus meiner Sicht ist es so, dass wir nie ergebnisorientiert denken. Seit dem ersten Spieltag geht es mir darum, dass wir unsere Leistung auf den Platz bringen und auch eine gewisse Attraktivität auf dem Platz haben wollen“, sagt etwa Trainer Hecking auf Nachfrage dieser Redaktion.

Gladbacher-Genügsamkeit

Etwas anders sieht es da schon im Fanshop aus. Gladbach-Anhänger Sebastian Plum hat kurz vor Heiligabend noch mal zugeschlagen, trägt eine gut gefüllte grün-schwarze Plastiktüte am Handgelenk. Er wird sein Team auch nach Dortmund begleiten. Ob da das nächste Weihnachtsgeschenk wartet? „Die Euphorie ist da – man kann hoffen, da was zu holen“, sagt er. Aber auch er hat die Gladbacher Genügsamkeit verinnerlicht: „Champions-League-Quali am Ende der Saison reicht.“

Experteneinschätzung

Rückenwind bekommt seine Einschätzung der Lage durch den Gladbach-Experten Oliver Mucha vom Sportinformationsdienst. „Die taktischen Veränderungen, die Dieter Hecking im Sommer vollzogen hat, haben sich bewährt. Die Offensivkraft hat deutlich zugenommen, ohne die defensive Stabilität dabei zu vernachlässigen", so der Sportjournalist, der seit etwa zehn Jahren über die Fohlen berichtet, "Auch wenn Gladbach eine schwarze Serie von sechs Niederlagen in Folge gegen Dortmund aufweist und einige Ausfälle verkraften muss, ist man nicht chancenlos“.

Maßgeblich am Gladbacher Erfolg beteiligt: Alassane Pléa.

Champions League ist also drin, oben kann man mitmischen. Und während Plum vielleicht im Kopf schon die erste Auswärtstour in der Königsklasse im Kopf hat, steht Nancy Pikusch an der großen Flock-Maschine. Trikots hängen an der Wand. Wer besonders beliebt sei, will unser Reporter wissen. „Plea“, kommt prompt die Antwort. Alassane Plea ist maßgeblich am Gladbacher Erfolg beteiligt. Er ist, wenn man so will, eine weitere Taube im Gras, ein weiteres Ereignis, das mit dem großen Ganzen zusammenhängt. Die Fans spüren das. Zwölf Scorerpunkte in 16 Ligaspielen sprechen für den französischen Stürmer. Das ist gut, aber auch nicht außergewöhnlich – und hier setzt wieder Hecking an. „Wir müssen nichts Außergewöhnliches schaffen. Wir müssen einfach nur konsequent unseren Weg weiter gehen und nicht nach links oder rechts schauen“, so der 54-Jährige. „Wir haben intern einen sehr realistischen Blick auf die Situation“, sagt der Fohlen-Coach.

Drei Punkte für Hecking

Doch dann ist da doch noch etwas mehr. Die Gladbacher Genügsamkeit bricht kurzzeitig. Geben sich die Tauben im Gras an der Einfahrt zum Parkplatz noch mit ein paar Nüssen im Stile Aschenbrödels zufrieden, will der BMG-Trainer dann doch mehr: drei Punkte für Hecking.

„Dass die Fans und alle drumherum, die auch über die Borussia berichten, – übrigens die einzige Borussia, habe ich mir sagen lassen – das ist doch ganz normal, dass die euphorisch sind und dass die nach Dortmund fahren in der Hoffnung, dass wir das da rocken“, so Hecking, der durch die Blume die Nummer eins seines Wunschzettels verrät: „Es gibt nichts Schöneres, als wenn wir am Freitag mit 10 000 Gladbach-Fans in Dortmund feiern würden, wenn wir das Spiel gewinnen. Aus Fan-Sicht spreche ich doch jedem aus dem Herzen. Ich wäre dann auch euphorisch, wenn wir das gewinnen würden und wäre dann auch froh, das erstmal Urlaub ist – weil dann könnte ich mich wieder erden.“

Doch auch, wenn es mit dem Sieg in Dortmund nicht klappen sollte: Die Tauben im Gras werden an der Einfahrt weiter vor sich hingurren und Dieter Hecking wird weiter die geglückte Hinrunde genießen: „Es ist mir egal, ob wir sechs, drei oder neun Punkte hinter Dortmund sind. Uns treibt momentan die Begeisterung unserer Art Fußball zu spielen an – daran werden wir festhalten.“

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