Wegen Plakataktionen gegen Leipzig

DFB-Kontrollausschuss fordert Sperre der Dortmunder Südtribüne

Die Südtribüne hatte bei der Partie gegen RB Leipzig mit Spruchbändern für Erregen gesorgt - und könnte dafür nun eine Strafe vom DFB erhalten.
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Die Südtribüne hatte bei der Partie gegen RB Leipzig mit Spruchbändern für Erregen gesorgt - und könnte dafür nun eine Strafe vom DFB erhalten.

Dortmund - Nach dem Plakat-Eklat beim Bundesliga-Heimspiel gegen RB Leipzig hat der DFB-Kontrollausschuss als Strafe gegen Borussia Dortmund die Sperre der kompletten Südtribüne für ein Spiel gefordert.

Auf Gnade kann der BVB kaum hoffen - die Stellungnahme der sportlichen Strafverfolger war an Deutlichkeit nicht zu überbieten.

"Eine derartige Verunglimpfung und Diffamierung von einzelnen Personen und Vereinen durch Transparente und Schmähgesänge ist nicht hinnehmbar und muss konsequent sanktioniert werden", sagte Anton Nachreiner, Vorsitzender des Kontrollausschusses, mit Blick auf die zahlreichen beleidigenden Plakate und Banner vor allem auf der Südtribüne.

"Dasselbe gilt auch für den Einsatz von Pyrotechnik", sagte Nachreiner weiter: "In beiden Punkten gab es gravierendes Fehlverhalten von Teilen der Dortmunder Zuschauer, das ein massiveres Eingreifen der DFB-Organe erfordert." Die Borussia reagierte zurückhaltend: "Der BVB wird diesen Antrag sorgfältig - auch vor dem Hintergrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse - prüfen."

Sperre könnte bereits am 18. Februar umgesetzt werden

Sollte die Sanktion schnell rechtskräftig werden, indem der BVB dem Strafantrag zustimmt, würde die Sperre bereits am 18. Februar im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg greifen. Eine Schließung der Tribüne und die damit verbundene massenhafte "Aussperrung" von Kartenbesitzern dürfte eine organisatorische Herkules-Aufgabe werden.

Die "Süd" ist mit 25.000 Zuschauern die größte Stehplatztribüne in Europa und das Herz - wenngleich angesichts der jüngsten Vorkommnisse offenbar nicht das Hirn - der Dortmunder Fanszene. Die Schließung wäre ein schwerer Schlag gegen den BVB, der auf ein Drittel seiner gewohnten Anhänger-Schar im Stadion verzichten müsste. Die ebenfalls beantragten 100.000 Euro Geldstrafe sind für den BVB eher zu verkraften.

Sperre bezieht sich lediglich auf Plakat-Aktionen der Südtribüne

Spielraum, den Antrag des Kontrollausschusses zu kippen, hätte das DFB-Sportgericht kaum: Wegen Zuschauerausschreitungen spielte der BVB zuletzt unter besonderer Beobachtung. Am 8. Juli 2016 war vom DFB-Sportgericht ein Teilausschluss für den Unterrang der Südtribüne auf Bewährung ausgesetzt worden. Offen blieb zunächst, ob die Dortmunder überhaupt vor das Sportgericht ziehen. Die beantragte Strafe bezieht sich derweil ausdrücklich nicht auf die schweren Krawalle im Umfeld des Stadions, bei denen mehrere Leipziger Fans und Polizisten verletzt wurden. "Hier liegt die alleinige Zuständigkeit bei den staatlichen Stellen", teilte der DFB mit.

Zuvor hatte sich der BVB einsichtig gezeigt und in den vergangenen Tagen versucht, die Wogen zu glätten, die Klub-Spitze hatte sich am Donnerstag mit ihren Leipziger Pendents zum Krisengipfel getroffen. "Keine sportliche und emotionale Rivalität rechtfertige die verbalen Verunglimpfungen und persönlich beleidigenden Transparente gegen Leipziger Offizielle sowie die gewalttätigen Attacken auf RBL-Fans", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Borussia und RB.

Schmelzer: „Wir Spieler waren und sind sehr entsetzt“

BVB-Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke baten bei Leipzig-Vorstand Oliver Mintzlaff und Sportdirektor Ralf Rangnick um Entschuldigung für die Vorkommnisse, als gemeinsames Ziel gaben sie die "Versachlichung der Beziehungen auf Führungsebene" aus. Bereits im Rahmen des Pokalspiels am Mittwochabend in Dortmund gegen Hertha BSC hatte der BVB auf Wiedergutmachung gesetzt. 

Kapitän Marcel Schmelzer verlas per Video vor dem Anpfiff eine offizielle Entschuldigung: "Wir Spieler waren und sind sehr entsetzt, was passiert ist", hieß es da. Auf der Südtribüne hielten die Fans Plakate mit dem Slogan "Gegen Gewalt" hoch.

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SID

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