Streit in Dänemark

Darum reist Delaney nicht zur Nationalmannschaft

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Thomas Delaney ist nicht mit der dänischen Nationalmannschaft verreist.

Die dänische Fußball-Nationalmannschaft muss zum Auftakt der Nations League gegen Wales wohl mit einem Rumpfteam antreten – auch Thomas Delaney fehlt. Das sind die Gründe.

Kopenhagen - Dänemarks Fußball befindet sich etwas mehr als zwei Monate nach dem überzeugenden und dramatisch zu Ende gegangenen WM-Turnier in Russland vor einer Zerreißprobe. Vor dem Auftakt in die Nations League steht der nationale Verband DBU ohne Mannschaft da. Auch BVB-Neuzugang Thomas Delaney ist nicht mitgereist. Das Spiel gegen Wales am Sonntag sowie bereits das Länderspiel am Mittwoch in der Slowakei drohen zur Farce zu verkommen.

Grund für die Situation sind kommerzielle Streitigkeiten zwischen den Nationalspielern um Mittelfeldstar Christian Eriksen auf der einen Seite sowie dem Verband auf der anderen. Die Spieler weigern sich demnach, eine neue Vereinbarung mit dem Verband zu unterschreiben. Knackpunkt sind die Werbeverträge und der finanzielle Erlös daraus. Zuletzt hatten die Verhandlungen mit der Spielergewerkschaft keinen Abschluss gefunden.

"Bedauerliche Situation"

Aufgrund der fehlenden Vereinbarung stehen weder die Spieler, noch das Trainerteam um Chefcoach Age Hareide und den Ex-Stuttgarter Jon Dahl Tomasson zur Verfügung. "Es ist eine bedauerliche Situation für das Team, die Fans und den gesamten dänischen Fußball", teilte DBU-Geschäftsführer Claus Bretton-Meyer mit.

Den schwarzen Peter schiebt Bretton-Meyer den Spielern zu. "Wir hatten gehofft, die Spieler würden zusagen, wenn wir ihnen dieselbe Gage bezahlen, einen Bonus, die Versicherung und zudem bessere Bedingungen bei den Flügen, im Bereich der Ernährung und der Behandlung bieten. Nun müssen wir schauen, dass wir für die zwei Spiele die bestmöglichen Spieler finden", sagte er.

Profis wehren sich

Gegen diese Darstellung wehren sich die Profis aber entschieden. "Die DBU erzählt eine Geschichte, in der wir als gierig erscheinen und so, als hätten wir nichts anderes als unseren Geldbeutel im Sinn", sagte Tottenham-Profi Eriksen dem Ekstrabladet. Dänemarks Kapitän Simon Kjaer ergänzte: "Wir spüren, dass die DBU uns wütend machen will. Sie wollen es so hinstellen, als wollten wir Spieler nicht international spielen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall."

Für den Verband ist diese Situation nicht neu. Bereits im vergangenen Oktober hatte das Frauenteam ein WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden ebenfalls aufgrund von Vertragsproblemen boykottiert. Die europäische Fußball-Union UEFA verzichtete damals darauf, die Däninnen aus dem Wettbewerb auszuschließen. Stattdessen verhängte der europäische Dachverband eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro.

Klare Warnungen

Schon damals aber ging diese Strafe mit einer klaren Warnung an den dänischen Verband einher. Sollte innerhalb der nächsten vier Jahre ein weiteres Spiel abgesagt werden, drohe der Ausschluss aus den UEFA-Wettbewerben. Laut UEFA gelte diese Sanktion ausdrücklich auch für das Slowakei-Spiel.

Entsprechend groß ist der Druck auf die Verbandsspitze der DBU, für die beiden anstehenden Spiele eine Mannschaft aufzutreiben. In Medien wird bereits über den Einsatz von Amateurspielern diskutiert, die im sportlichen Wettbewerb jedoch chancenlos wären.

Horrorszenario

Bretton-Meyer zeichnet im Falle des Scheiterns ein Horrorszenario für den dänischen Fußball: "Wenn die Spiele nicht ausgetragen werden, müssen wir eine Strafe in Millionenhöhe zahlen, beide Nationalteams werden ausgeschlossen - und der dänische Fußball wird in vielen Bereichen zurück in die Steinzeit versetzt."

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