BVB in Marbella

BVB-Stürmer Alcácer: "Bei Borussia Dortmund ist es leicht, Tore zu schießen"

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BVB-Stürmer Paco Alcácer fühlt sich wohl bei Borussia Dortmund.

Paco Alcácer ist Dortmunds Wunderwaffe im Sturm, bisweilen plagen ihn aber wieder muskuläre Probleme – nun hat er sich dazu und einigen anderen Dingen geäußert.

Marbella – Auf dem Platz ist er ein eiskalter Vollstrecker. Die tobenden Massen, der Rasen unter seinen Schuhen, das Leder am Fuß – es gibt ihm Sicherheit. Er braucht das. "Er spürt den Fußball", sagt sein Trainer Lucien Favre über ihn. Dann ist da noch eine andere Seite. Paco Alcácer wirkt schüchtern, nachdenklich, demütig in der Medienrunde im Trainingslager in Marbella – und doch verrät er viel.

Kurz Haare, voller Bart, dunkle Augen: Alcácer blickt hoch durch die Menge der stehenden Journalisten, die auf der Terrasse des Mannschaftshotels Gran Meliá Don Pepe gerade seinen Teamkameraden Mario Götze vor der Kamera interviewen. Sein Blick huscht hin und her. Nicht gehetzt, er will den Fokus vermeiden. Das ist nicht seine Welt.

Neben Götze, abseits der Kameras, nimmt der Spanier platz, sein Dolmetscher sitzt neben ihm. Um sie herum etwas mehr als ein halbes Dutzend weiterer Journalisten. Und dann geht es auch schon schnell in medias res. Die erste Frage zielt auf seinen Gesundheitszustand ab. "Mein Ziel ist es, zum Rückrundenstart dabei zu sein. Aber wenn man Probleme hat, muss man vorsichtig sein, damit es nicht noch schlimmer wird", sagt der 25-Jährige.

Kein Draufgänger

Immer wieder werfen ihn muskuläre Probleme zurück in dieser Saison. "Wenn man über zwei Jahre nicht gespielt hat, braucht es Zeit, bis man wieder reinkommt – das geht nur Schritt für Schritt", sagt er. Fast schon entschuldigend. Dabei knibbelt er mit der rechten Hand an seinem linken Ringfinger. Angst, Paco? Nein, das ist es nicht. Dafür ist er Profi genug. Er kennt das Spiel auf großer Bühne. Sein Verhalten offenbart viel mehr. Der eiskalte Stürmer mit dem zielsicheren Lupfer und dem großartigen Gefühl im Fuß ist kein Draufgänger. Er mag es nicht, im Mittelpunkt  zu stehen.

In dieser Art und Weise zumindest. Spielerisch sieht das schon wieder anderes aus. Alcácer lebt für den Fußball. Schwere Zeiten als Bankwärmer beim großen FC Barcelona liegen hinter ihm. Zeiten, die ihm noch weniger gefallen haben, als die Medienrunde und der Rummel um seine Person. "Die Situation bei Barcelona war nicht so, wie ich sie mir erhofft hatte. Deswegen habe ich auch die Entscheidung getroffen, zum BVB zu gehen – das ist ein großer Klub", erklärt er.

Ohne Pelz und Goldkette

Und die Fans dort lieben ihn. Vielleicht auch, weil er gerade so wenig auf den Rummel gibt. "Das ist normal, wenn ein Stürmer kommt und so viele Tore schießt und arbeitet. Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass das so schnell geht. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich von Anfang an bekommen habe. Ich habe mich von Anfang an wirklich richtig wohl gefühlt in der Mannschaft", sagt er.  Alcácer ist bodenständig, benötigt keinen Pelzmantel samt Goldkette, um auf sich aufmerksam zu machen. Er überzeugt durch Leistung – auf dem Platz. Dort, wo er sich wohl fühlt.

Auf dem Platz fühlt sich Paco Alcácer wohl.

Apropos Pelzmantel. Ob ihm die Kälte etwas ausmache? Die Frage gefällt dem Stürmer. Er lacht. "Ich habe eher Respekt vor der deutschen Sprache – gegen die Kälte in Deutschland kann man sich warme Sachen anziehen", sagt er.

Nach der Winterpause will er dann auch wieder voll angreifen, wetterunabhängig. "Ich hoffe, dass wir uns so weiterentwickeln, wie wir es bisher gemacht haben", sagt der beste Joker in der Bundesliga. Wie viele Tore er noch obendraufpackt? "Ich möchte keine Ziffer nennen. Man will natürlich so viele Tore wie möglich schießen. Ich darf mich da aber nicht reinsteigern – am Ende zählt der Erfolg der Mannschaft", kommt als Antwort. Da ist er wieder: Der Demütige, der das Kollektiv über das Individuum, über sich, stellt. "Hier bei Borussia Dortmund ist es leicht, Tore zu schießen, wenn man so hochqualifizierte Spieler neben sich hat, die einen mit Pässen füttern", sagt er. 

Kein Shootingstar

Alcácer weiß: Er ist auf seine Mitspieler angewiesen. Er ist kein Shootingstar im Mittelpunkt. "Ich bin einfach froh, wenn ich ein Tor schieße: Einfach aufgrund der Tatsache, dass man damit der Mannschaft hilft. Fußball ist ein Mannschaftsspiel und wenn ich ein Tor mache, ist es für alle gut", meint der Stürmer, für den der BVB ungefähr 25 Millionen Euro im Sommer an die Katalanen bezahlte. Alcácer: "Der Kauf war für mich sehr positiv. Das zeigt mir, dass der Klub mir vertraut und auf mich setzt." 

Der Spanier braucht diese Gewissheit, braucht ein solides Umfeld. Klar, Führungsspieler wie Kapitän Marco Reus helfen da. "Marco hat auch einen Anteil an der Qualität meines Spiels. Wir haben einfach auf dem Platz ein gutes Zusammenspiel, er ist ein fantastischer Spieler und wir verstehen uns auch zwischenmenschlich gut", so Alcácer. Der Spanier ist schnell angekommen in der Fußballstadt Dortmund.

2019 will er wieder angreifen, auch mal öfter über die vollen 90 Minuten gehen. Das mag er. Im Medientrubel reichen da weniger Einsatzzeiten. Gute zwanzig Minute sind rum. "Gracias. Adios." Alcácer steht auf, wirkt kurz wieder etwas lockerer, muss dann aber auch noch vor die Kameras – und freut sich wohl drauf, wenn er bald wieder das machen kann, was ihm am meisten Spaß macht: Fußball spielen, Tore schießen.

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