BVB in Marbella

BVB-Flügelflitzer Sancho: "Ich bin bereit, Geschichte zu schreiben"

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Glücklich und zufrieden ist er, Jadon Sancho, bei Borussia Dortmund.

Jadon Sancho ist einer der Überflieger des Herbstmeisters Borussia Dortmund. Von Hochmut ist nach der überragenden Hinserie beim 18-Jährigen aber nichts zu spüren.

Marbella – Rolf Peter Knigge alias Tony Holiday sang 1977 „Tanze Samba mit mir“. Über die Qualität des Werkes lässt sich streiten. Über eines aber nicht: Die technische Hochbegabung von Jadon Sancho. Was das mit Knigges Samba zu tun hat? Spätestens seit dieser Saison ist der junge Engländer der Vortänzer im Dortmunder Ensemble. Übersteiger statt Samba – in den entscheidenden Momenten tanzt er die Gegner regelrecht aus.

Wenig verwunderlich, was ihm da am meisten an seinem Spiel gefällt. „Dribbling“, sagt der 18-Jährige. Er strahlt. „Das habe ich noch als Straßenfußballer gelernt, als ich jünger war. Das Talent hatte ich schon immer“, so Sancho. Er ist besser darin als andere. Schneller. Es scheint, als sei die Phrase „jemanden auf dem Bierdeckel austanzen“ für ihn erfunden. Doch von Arroganz keine Spur. „Ich behandle jeden Gegner mit Respekt“, sagt der britische Wirbelwind. Da mag die Samba noch so atemberaubend gewesen sein.

Von London nach Dortmund

Dabei ist Talent natürlich die eine Sache. Die andere Sache ist die: Was macht ein Spieler mit dem Format eines Jadon Sanchos damit? Er entschied sich für den Weg über den Ärmelkanal. Raus aus seiner Heimatstadt London, rein in die Ruhrmetropole Dortmund. Ein großer Schritt. „Es ist nicht so einfach, nach Deutschland zu kommen. Die Leute meinen das vielleicht, weil es bei mir so gut läuft. Aber du brauchst eine gute Mentalität. Du musst viel opfern – Familie, Freunde, dein Zuhause. Das ist hart“, erklärt Sancho.

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Auch mit der Sprache klappt es noch nicht so gut. Er lernt deutsch, findet aber auch wenig Zeit dazu. Doch Sancho wäre nicht Sancho, würde er es nicht ehrgeizig versuchen. „Im Sommer probiere ich, ein Interview auf deutsch zu geben“, sagt er in seinem kauderwelschen London-Akzent, das so manchen Schul-Englisch sprechenden Reporter verzweifeln lässt. „Es war ein großer Schritt für mich, nach Deutschland zu kommen – aber ich bin zufrieden“, fasst er selbst zusammen.

Dribbler und Vollstrecker: Jadon Sancho.

Beim BVB bekam und bekommt das Insel-Talent viele Einsatzzeiten. Aus einem unsicheren Jungen wurde ein selbstbewusster Fußballer. „Als ich das erste Mal im Stadion stand, war ich richtig nervös“, gesteht er. Mittlerweile ist er gereift, auch sein Spiel an sich. „Jetzt bin ich wesentlich ruhiger und entspannter. Dortmund hat mir da viel geholfen“, so Sancho.

Quo vadis, Jadon?

Ruhiger und entspannter ist Tony Holiday in seinem Schlager hingegen nicht geworden, er sang weiter: „Liebe, Liebe, Liebelei, morgen ist sie vielleicht vorbei.“

Ist das so? Ist die Samba bald vorbei? Wenn es nach dem Protagonisten geht noch nicht. „Ich möchte einfach Fußball spielen. Ich bin glücklich genau jetzt“, sagt Sancho und schließt einen Wechsel zunächst aus. Er bleibt der Bundesliga also erhalten, weiß um den Unterschied zu anderen Ligen. „Deutscher Fußball ist aggressiver und schneller. Ich habe zwar noch nie in der Premier League gespielt, aber das ist so mein Eindruck aus dem Jugendfußball. Die Bundesliga ist sehr intensiv“, sagt er.

Zur Eile treibt ihn keiner. Dortmund ist ein großer Klub. Auch für andere Topadressen bleibt Zeit. „Ich will weiter hart arbeiten und hoffe auf viele Chancen, mich der Welt zu zeigen“, sagt er. Sancho ist Jahrgang 2000. Als der BVB die Erfolge wie den Champions-League-Titel einfuhr, war er noch gar nicht geboren. Er will so etwas auch erleben. “Wenn wir verlieren, verspüre ich einen Druck, weil ich die Fans nicht enttäuschen will. Augsburg war so ein Moment. Da habe ich den Druck gespürt und wir haben bis zum Ende gekämpft“, sagt er. Und: „Ich bin froh, Teil von Borussia Dortmund zu sein – und bereit, Geschichte zu schreiben.“ Damit das gelingt, muss er weitermachen: Tanze Samba die ganze Saison.

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