Nach der 0:3-Niederlage

Jürgen Klopp fehlen nach dem 0:3 die Argumente

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Kollektiver Frust: Der BVB steht nach der Pleite in Madrid vor dem Aus in der Champions League.

DORTMUND - So richtig gute Argumente hatte Jürgen Klopp, Trainer des BV Borussia Dortmund, nach der 0:3 (0:2)-Hinspielniederlage im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid nicht, um zumindest ein wenig Optimismus für das zweite Aufeinandertreffen am kommenden Dienstag zu verbreiten. „Unsere Situation gibt es nicht her, Kampfansagen zu verbreiten und zu erklären, wir hauen Madrid 4:0 weg.“

Von Peter Schwennecker

Doch so ganz aufgeben wollte der BVB-Fußball-Lehrer trotz der deutlichen Dominanz der Königlichen aber nicht: „Nach allem, was man über Wahrscheinlichkeit sagen kann, ist Real im Halbfinale. Dennoch müssen sie zu uns kommen und noch einmal Fußball spielen.“

Auch andere Dortmunder besaßen große Probleme, ihren Frust im Estadio Santiago Bernabeu zu überwinden. So stapfte Innenverteidiger Mats Hummels sichtlich angefressen mit dem Schlusspfiff direkt in die Kabine, derweil sich alle anderen Borussen freundlich vom übermächtigen Konkurrenten und von den 3500 mitgereisten Fans verabschiedeten. Während Hummels danach jeden Kommentar verweigerte, nahm Roman Weidenfeller kein Blatt vor den Mund. „Wenn man in Madrid bestehen will, dann muss man mit mehr Selbstvertrauen und viel mutiger auftreten, als wir es getan haben“, erklärte der Schlussmann und lieferte die Begründung, warum das nicht funktionierte, gleich mit: „Viele unserer jungen Spieler sind es einfach nicht gewohnt, alle drei Tage auf so einem Level zu spielen.“

Für Klopp war das frühe 0:1 nach nur 174 Sekunden durch Gareth Bale die Ursache für die Verunsicherung. „Wenn man ein so schnelles Tor kassiert, dann hat man einfach kein gutes Gefühl mehr. Danach waren wir einfach nicht kompakt.“ Die Folge waren die weiteren Treffer durch Isco (27.) und Cristiano Ronaldo (71.), denen jeweils individuelle Fehler voraus gingen. „Diese Tore haben wir praktisch selbst vorbereitet“, meinte Klopp, der sich allerdings noch mehr darüber ärgerte, dass seine Mannschaft die zahlreichen Möglichkeiten nach Kontern nicht nutzte. „Das wir drei kassieren, ist sicherlich blöd, doch man kann den einen oder anderen Ball selbst mal rein machen. Dann würde die Situation für uns sicher besser aussehen.“ Dieser Meinung war auch Mittelfeldakteur Nuri Sahin: „Wir hätten hier sicher etwas mitnehmen können, doch ist unser Plan nicht aufgegangen.“

Angesichts der langen Verletztenliste fehlte der Borussia in Madrid eindeutig die Qualität, um mit Real auf Augenhöhe zu sein. Zugleich war die Partie ein deutliches Zeichen dafür, dass ein Robert Lewandowski, der am Saisonende nach München wechselt, aus den eigenen Reihen nicht zu ersetzen sein wird. Pierre-Emerick Aubameyang war als einzige Spitze überfordert. Auffallend, dass der Gabuner offenbar Probleme mit den Laufwegen besaß und nicht so richtig wusste, wann und wie er sich bewegen sollte. Immerhin nahm Marco Reus nach etwas schwächerer erster Hälfte im zweiten Durchgang Fahrt auf und stellte die Real-Abwehr vor Probleme.

Torhüter Weidenfeller kehrte mit einer Verletzung zurück

Nach der Rückkehr aus Madrid war am Donnerstagnachmittag im Trainingszentrum Brackel erst einmal nur Regeneration angesagt. Torhüter Weidenfeller kehrte mit einer Verletzung zurück, weil ihn Marco Reus bei einer Rettungsaktion gegen den Unterarm trat. „Wir hoffen, dass nichts kaputt ist“, sagte Klopp. „Die Sache ist nur sehr schmerzhaft. Mal sehen, wie wir damit umgehen.“ Denn ab Freitag bereitet sich der BVB intensiv auf die Spitzenbegegnung der Bundesliga gegen den Verfolger VfL Wolfsburg am Samstag (18.30 Uhr) vor. „Für uns ein sehr wichtiges Spiel, weil wir im Kampf um die direkte Qualifikation für die Champions League einen Konkurrenten auf Distanz halten können“, erklärte der Trainer. Und der setzte für das Wochenende vor allem auf eine Karte: „Der Wille und die Bereitschaft muss da sein, noch einmal alles heraus zu holen.“

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