Weidenfellers Traum: Komplettes Finale spielen

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DORTMUND - Für Roman Weidenfeller sind einige Wünsche in Erfüllung gegangen - nur einer nicht. Der Nationaltorhüter bestritt noch kein Pokalfinale über die komplette Spielzeit.

Ein Traum von Roman Weidenfeller geht im Sommer in Erfüllung: Der spätberufene 33-Jährige wird bei der Fußball-WM in Brasilien sein erstes großes Turnier mit dem Nationalteam bestreiten. Mit Borussia Dortmund holte er Meisterschaft und Double, dennoch hat seine Karriere eine kleinen Makel. Am Samstag (20.00 Uhr/Sky und ARD) gegen Bayern München möchte Weidenfeller im dritten Anlauf das erste Pokalfinale über die komplette Spielzeit erleben.

Einmal verletzt auf der Tribüne, einmal verletzt ausgeschieden - so die Bilanz von Weidenfellers bisherigen zwei Endspielen 2008 und 2012. "Diesmal wird es klappen", ist sich der Routinier sicher. Dass es zum dritten Mal gegen die Bayern geht, will er als schlechtes Omen nicht gelten lassen. Der Keeper erinnert sich ungern an den 12. Mai 2008, sein erstes Pokal-Endspiel, als er nicht einmal auf der Ersatzbank sitzen konnte. Machtlos und ohnmächtig habe er sich gefühlt. Damals hatte sich Weidenfeller im Abschlusstraining für das Punktspiel in München einen Teilabriss des Innenbandes im rechten Knie zugezogen. Zwischen den Pfosten im Olympiastadion stand Reservist Marc-Andre Ziegler. Die Bayern gewannen in der Verlängerung durch den Siegtreffer von Luca Toni mit 2:1.

Am Samstag folgt nun das dritte Pokal-Endspiel in sechs Jahren für die Borussia und Weidenfeller. Wieder gehen dem Vizekapitän die Bilder vom 12. Mai 2012 durch den Kopf. Bereits in der achten Minute war es zu einer folgenschweren Begegnung mit Mario Gomez gekommen. Mit vollem Risiko warf sich Weidenfeller dem Bayern-Torjäger entgegen - und musste nach 34 Minuten mit einer schmerzhaften Rippenprellung gegen Mitchell Langerak ausgewechselt werden.

Mit Blaulicht und Martinshorn ging es in die Charite. Dort war die behandelnde Ärztin offenbar kein Fußball-Fan. "Ich musste erst einmal klar machen, wie wichtig es für mich ist, rechtzeitig zurück zu sein und eine Hand an den Pott zu kriegen. Sie hat das erst gar nicht verstanden", schilderte Weidenfeller. Als Bundespräsident Joachim Gauck und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nach dem spektakulären 5:2-Erfolg die Siegerehrung vorbereiteten, erschien der BVB-Torhüter plötzlich im Stadion und sprang aufs Podest. Der Schmerz war für kurze Zeit vergessen - und Weidenfeller hatte am Ende sogar beide Hände am "Pott".

So soll es auch am Samstag sein. Möglicherweise wird Weidenfeller die Partie sogar als Kapitän beenden, sollte Sebastian Kehl nicht zum Einsatz kommen. Möglicherweise wird er anschließend die 5,7 Kilogramm schwere Trophäe sogar als erster Borusse in den Nachthimmel von Berlin stemmen. Und das möglichst nach einem Zu-Null-Sieg über die Bayern, denn im laufenden Wettbewerb kassierte der BVB noch keinen Gegentreffer.

Weidenfeller stand allerdings erst ab dem Viertelfinale im Tor. Beim Double-Gewinn 2012 kassierten die Westfalen ihr erstes Gegentor erst im Finale durch einen Foulelfmeter von Arjen Robben (25.) zum zwischenzeitlichen 1:1. Zu diesem Zeitpunkt hütete Weidenfeller noch das Gehäuse. Ein Gegentor würde der gebürtige Pfälzer erneut gern in Kauf nehmen, wenn er nur den Schlusspfiff auf dem Platz und den anschließenden Konfettiregen für den Sieger im Olympiastadion erleben dürfte. - SID

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