Analyse vor BVB vs. FCB

Der Liga-Gipfel ist Umbruch gegen Zusammenbruch

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In Dortmund scheint die Mischung zu stimmen: Jadon Sancho (von links), Paco Alcácer und Marco Reus verstehen sich prächtig in der BVB-Offensive. Die Bayern-Altstars wir Franck Ribery (rechts) tun sich hingegen schwer in dieser Saison.

Der radikalere Neuanfang funktioniert bei Borussia Dortmund derzeit besser als die Light-Version beim FC Bayern. Aber warum? Eine Analyse.

Dortmund - Aus der „Abteilung Attacke“ ist plötzlich die „Abteilung Außenseiter“ geworden. „Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund“, sagte Uli Hoeneß, der sonst für forsche Töne bekannte Präsident des FC Bayern, vor dem Liga-Gipfel am Samstag zwischen dem BVB und den Münchnern (18.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker).

Auch wenn das Ganze ein Psycho-Trick des 66-Jährige sein mag: Tatsächlich ist die Ausgangslage eine andere. Denn während die Borussia bislang oft ein Feuerwerk ablieferte, dümpelte der FCB eher zu seinen Siegen. Eine Analyse.

Trainer

In Dortmund wie auch in München ist ein Umbruch eingeleitet worden – auch auf der Trainerbank. Der BVB bekam mit dem erfahrenen Lucien Favre seinen Wunschkandidaten.

Der 61-Jährige gilt zwar als schwierig, arbeitete bei all seinen Stationen aber erfolgreich, vor allem in der jeweiligen Anfangsphase. Bei seiner Vorstellung mahnte der Schweizer genauso wie die Verantwortlichen um BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc zur Geduld, da sie auch die Mannschaft auf vielen Positionen veränderten.

Doch Favre scheint dafür der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Er macht die jungen Spieler besser und schaft es, dass trotz des großen Kaders keiner – zumindest öffentlich – murrt. Seine erste Niederlage als Coach der Schwarz-Gelben kassierte er erst jüngst in seinem 16. Pflichtspiel (0:2 bei Atlético Madrid).

Durchaus überraschend trat derweil Niko Kovac im Sommer das schwere Erbe von Jupp Heynckes beim Rekordmeister an. Bis heute begleitet den Kroaten die Frage: Ist der 47-Jährige einem Verein wie dem FC Bayern gewachsen?

Ab jetzt hat Favre das Kommando: Bilder des ersten Trainings als BVB-Coach

Nach rund vier Monaten hat Kovac mächtig zu kämpfen. Die Münchner Probleme: ein zu kleiner und in die Jahre gekommener Kader, dazu Spieler, die sich mehr und mehr vom Trainer abwenden sollen. Dem FCB-Trainer wird vorgeworfen, kein passendes Offensivkonzept für sein Star-Aufgebot zu haben. Klar ist: Eine spielerische Weiterentwicklung ist nicht zu erkennen, von einer Handschrift ist (noch) keine Spur.

Führungsriege

Jahrelang hatten Watze und Zorc das alleinige Sagen beim BVB, nun hat sich der Klub mit Matthias Sammer als externen Berater sowie Sebastian Kehl als Leiter der Lizenzspielerabteilung breiter aufgestellt.

Das Quartett soll sich täglich (auch) in einer Whatsapp-Gruppe austauschen. Vor allem die Installation des 38-jährigen Kehl trägt Früchte – und zwar nicht nur als Bindeglied zwischen Mannschaft und Bossen. Er hat schon jetzt großen Anteil daran, dass das „Dortmund-Gefühl“ wieder eingekehrt ist – mit Regeln und anderen simplen Maßnahmen, die die Integration ins Teamgefüge fördern.

In München haben Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das alleinige Sagen. Das ist – mit Unterbrechung durch Hoeneß’ Haftstrafe – seit vielen Jahren so. Frischer Wind? Fehlanzeige. Mit Hasan Salihamidzic wurde ein loyaler Sportdirektor installiert. Einen Querdenker holten sie sich bewusst nicht ins Boot.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic (links) gibt Bayerns Trainer Niko Kovac wohl nicht die gewünschte Unterstützung.

Diese Entwicklung gipfelte in der legendären Pressekonferenz, in der Hoeneß und Rummenigge zu einer einmaligen Medienschelte ausholten. Immerhin: Nach dem Champions-League-Spiel gegen Athen erneuerte Hoeneß sein Versprechen, Trainer Kovac „bis aufs Blut“ verteidigen zu wollen.

Vor allem von Salihamidzic wünscht sich Kovac mehr Unterstützung. Das fängt nach Informationen unserer Partnerzeitung tz damit an, dass der Sportdirektor das Handy-Verbot im Kabinentrakt strenger kontrollieren soll.

Spieler

Die Truppe des BVB ist sehr jung, das jüngste Durchschnittsalter hatte sie mit 23,5 Jahren (beim 4:3 gegen Augsburg). Doch Favre hat ein Händchen für Talente. Die Gala-Auftritte von Jadon Sancho oder Jacob Bruun Larsen lassen grüßen. Auch, wenn Stars wie Mario Götze in dem großen Kader mal länger außen vor sind, lassen sie sich nicht beirren. Vielmehr blühte der 26-Jährige wieder auf – in der ungeliebten Rolle als zentraler Stürmer.

Bilder

Mit einem Altersdurchschnitt von über 27 Jahren hat der FC Bayern den ältesten Kader der Bundesliga. Ein klares Indiz dafür, dass der von Hoeneß zitierte Umbruch noch nicht stattgefunden hat. Jüngere Spieler wie Niklas Süle (23), Joshua Kimmich (23), Leon Goretzka (23) und Serge Gnabry (23) sind ein Anfang.

Doch die Bosse verpassten es im Sommer, sich von Altlasten wie Franck Ribery (35) und Arjen Robben (34), der das Abschlusstraining am Freitag wegen einer Knie-Blockade verpasste, zu trennen.

Durch die teils späten Verkäufe von Juan Bernat (zu Paris Saint-Germain), Sebastian Rudy (Schalke 04) und Arturo Vidal (FC Barcelona) schrumpfte der Kader. Kommen Verletzte wie aktuell Kingsley Coman, Corentin Tolisso und Thiago hinzu, gehen Kovac schnell die Alternativen aus.

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