15. Bundesliga-Spieltag

Kommentar nach Video-Ärger in Mainz: Auf diese Art gibt der Schiedsrichter die Spielleitung aus der Hand

Schiedsrichter Benjamin Cortus.
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Schiedsrichter Benjamin Cortus.

Beim Auswärtsspiel des BVB in Mainz sorgt der Video-Schiedsrichter für Diskussionen. Mit dieser Art des Video-Beweis schwächt sich der Referee selbst. Ein Kommentar.

  • Beim Sieg des BVB gegen Mainz sorgte der Video-Beweis für Aufsehen.
  • Ein klares Handspieler der Mainzer wurde nicht geahndet.
  • So gibt der Schiedsrichter die Spielleitung aus der Hand - ein Kommentar.

Kommentar

Benjamin Cortus dürfte sich nicht allzu sehr über den Dortmunder Sieg in Mainz geärgert haben. Immerhin entging der Unparteiische so dem ganz großen Sturm der Entrüstung. Nicht auszudenken, welches Ausmaß die Handspiel-Diskussion genommen hätte, wäre der BVB nicht siegreich vom Rasen gegangen.

Trotzdem: Komplett vergessen wollte das Dortmunder Lager nicht, was sich in der 15. Minute abgespielt hatte. Eine Hereingabe von Marco Reus hatte der Mainzer St. Juste zunächst mit der linken Hand berührt, um den Ball dann mit beiden Armen an sich heranzuziehen. Man wollte meinen: Mehr Handelfmeter geht nicht. Was der Video-Assistent, mit dem Cortus Rücksprache hielt, anders sah.

Sportdirektor Michael Zorc vermutete eine „schwarze Mattscheibe“ im Kölner Keller. Tatsächlich sind Entscheidungen wie diese dem Fußball-Fan nicht mehr zu erklären. Was ist Stützhand, was ist Schutzhand? Welche Rolle spielt die Absicht? In welcher Höhe ist das Handspiel strafbar? Haben Sie noch den Durchblick? Die Unparteiischen selbst – und das ist ihnen kaum zu verübeln – haben ihn immer häufiger nicht mehr.

Was nicht nachzuvollziehen ist: Wieso gibt Cortus die Spielleitung aus der Hand? Wieso schaut er sich die Szene nicht selbst am Bildschirm an? So ist der Video-Assistent Ober-Schiedsrichter statt technische Unterstützung. Das wird die Position des Unparteiischen auf dem Rasen sicher nicht stärken.

Von Benedikt Ophaus

Ärger um Video-Beweis nach Mainzer Handspiel - Reus berichtet von kurioser Aussage des Schiedsrichters

Mainz - Es waren 15 Minuten gespielt, als nahezu alle mit einem Elfmeterpfiff für den BVB rechneten. Die Szene: Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus brachte die Kugel von links in den Strafraum. Der Mainzer Jeremiah St. Juste klärte per Grätsche, bekam den Ball dabei aus kurzer Distanz klar an den vom Körper ausgestreckten linken Unterarm.

Klare Sache? Von wegen! Schiedsrichter Benjamin Cortus ließ das Dortmunder Gastspiel in Mainz zunächst weiterspielen, aber VAR in Köln schaltete sich ein. Die Entscheidung nach der Überprüfung: Es ging tatschlich mit Einwurf weiter. Ohne Hinweis, dass der Haupt-Referee auf dem Platz sich die Szene doch noch einmal anschauen solle. Kein Strafstoß für den BVB!

Fan-Wut über den Video-Beweis beim Gastspiel des BVB in Mainz

Laut Regelwerk eigentlich ein klares Vergehen. Warum keiner der Schiedsrichter eingriff und auch der Video-Beweis seinen eigentlichen Zweck nicht erfüllte, wissen wie wohl nur exklusiv.

Am Ende fiel das Ganze nicht großartig ins Gewicht, der BVB siegte klar mit 4:0. Dennoch wunderten sich die Beteiligten über diese Szene.

BVB fertigt Mainz 05 ab

"Das ist ein Elfmeter, sind wir mal ganz ehrlich", erklärte Reus den dem Abpfiff am Sky-Mikro. Der Schiedsrichter habe ihm mitgeteilt, dass Köln es kontrolliert hätte. "Er hat mir gesagt, dass es Handspiel war, aber er gab ihn nicht. Daher habe ich mich gewundert. Wenn es hier anders für uns läuft, gäbe es da eine große Diskussion. Wenn es Handspiel ist, dann ist es Handspiel. Daher weiß ich nicht, was das Theater soll."

Vermutlich kam die Regel zum Einsatz, dass sich der fallende - in diesem Fall grätschende Spieler - abstützen darf. Berührt der Arm dabei den Ball, handelt es sich dabei nicht um Handspiel, heißt es. Das bedeute aber nicht, dass der Spieler die Kugel beim Fallen aktiv wegboxen darf.

"Das erste ist zwar die Stützhand, aber dann geht die andere Hand zum Ball. Er hat den Ball ja fast im Stile eines Torwarts weggefaustet", meinte Sky-Experte Didi Hamann, der ebenfalls auf Elfmeter entschieden hätte.

Fans wüten über den VAR

Unmittelbar nach der Szene war der Ärger der Fan-Gemeinde in den sozialen Netzwerken groß. "20 Minuten und der DFB hat endgültig bewiesen, unfähig zu sein, den Videobeweis in einer auch nur halbwegs erträglichen Form umzusetzen", schrieb etwa Userin "@Regendelfin": "Würde ein StartUp eine Leistung bringen, wie die Videoschiedsrichter bei #M05BVB, wäre der Laden vor der ersten Weihnachtsfeier wieder dicht." Sogar ein Bayern-Anhänger - so steht es im Twitter-Profil - hatte Verständnis für den Ärger der Dortmunder Anhänger. So schrieb "@Paxter_Redwyne": "Diesmal kann ich die Aufregung der Lüdenscheider sogar verstehen. Wenn das kein strafbares Handspiel war, können wir mit dem Fußball wirklich aufhören. Der VAR war da wohl eben auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein holen."

Nutzer "@dk_Ruhr" nahm es mit einer gehörigen Portion Galgenhumor und schrieb: "Der Kölner Keller kann sich die Spielszenen gar nicht angucken. Die können sich nämlich nicht bei #SkyGo einloggen."

Kurioserweise blieb es nicht die einzige stritte Szene, wenn auch die klarste, bei der Cortus und sein Team auf Elfer entscheiden hätten müssen. Auch nach 21 Minuten hätten die Mainzer sich nicht über einen Strafstoß gegen sich beschweren können, als Reus klar gehalten worden war. Dazu wurde Thorgan Hazard nach 40 Minuten klar von Moussa Niakhaté am Fuß getroffen, aber die Pfeife des Unparteiischen blieb erneut stumm.

 mg

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