Abschied vom BVB: Wie Wunderkind Pulisic die Unbekümmertheit verlor

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Christian Pulisic verlässt den BVB im Sommer Richtung London zum FC Chelsea.

Für Christian Pulisic ist das Duell des BVB gegen Düsseldorf das letzte Heimspiel für Borussia Dortmund. Er wurde schnell das Soccer-Wunderkind, das dann jedoch seine Leichtigkeit verlor.

Dortmund – Es war ein beeindruckender Auftritt. Als Christian Pulisic im jüngsten Auswärtsspiel des BVB bei Werder Bremen (2:2) nach sechs Minuten zum Spurt über den halben Platz ansetzte, die Abwehr der Gastgeber überlief und zum 1:0 für den BV Borussia Dortmund traf, blitzte nach langer Zeit einmal wieder auf, warum der FC Chelsea schon im vergangenen Winter die Bereitschaft erklärte, 64 Millionen Euro für den US-Boy zu überweisen. Für einen Stürmer, der in der Lage ist, mit hohem Tempo den Ball zu führen, dabei auch den Mut und Egoismus besitzt, das direkte Duell mit verrückten Dribblings zu suchen.

Viel zu selten hat der 20-Jährige diese Eigenschaften, die ihn so stark gemacht haben, in der Rückrunde auf den Platz gebracht. Seit dem Transfer zum Premiere-League-Klub und dem direkt folgenden Ausleihgeschäft, mit dem er die Saison noch in Dortmund zu Ende spielen darf, ist dem Stürmer die Unbekümmertheit, mit der er in der Bundesliga im BVB-Trikot für Aufsehen sorgte, offenbar abhanden gekommen.

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In den USA zum Fußballer des Jahres gewählt

Deswegen wurde er von Coach Lucien Favre nicht mehr allzu oft berücksichtigt, kam in der laufenden Runde lediglich zu 18 Einsätzen. Das sah in den Jahren zuvor grundlegend anders aus. Pulisic, der am 30. Januar 2016 beim 2:0 gegen den FC Ingolstadt mit 17 unter Trainer Thomas Tuchel sein Erstliga-Debüt feierte, hat in drei Jahren stolze 150 Pflichtspiele für die Schwarz-Gelben absolviert, dabei 32 Treffer erzielt.

Schon mit 15 Jahren kam der am 18. September 1998 in Hershey/Pennsylvania geborene Pulisic, der auch die kroatische Staatsbürgerschaft besitzt, nach Dortmund und zog in das Jugendhaus des BVB ein. Kein leichter Schritt für einen Schüler, doch er hatte beim BVB gute Begleiter.

Einer davon war sein damaliger Coach Hannes Wolf, aktuell Trainer beim Zweitligisten Hamburger SV, der oft auch sehr streng mit ihm umging, wofür ihm Pulisic heute noch dankbar ist. Zweimal wurde der Stürmer mit der U17 und U19 der Borussia Deutscher Meister, debütierte schon mit 17 Jahren, sechs Monaten und zwölf Tagen unter Jürgen Klinsmann in der Nationalmannschaft der USA. 2017 wurde er zum Fußballer des Jahres in seinem Heimatland gewählt.

Pulisic: "Ich lebe meinen eigenen Traum"

Was ihn alles wenig beeindruckte. „Ich will nicht das amerikanische Soccer-Wunderkind sein. Ich will nicht den Traum einer ganzen Nation erleben – ich lebe meinen eigenen Traum“, beteuerte der Jung-Profi. Und den erfüllt er sich jetzt mit seinem Wechsel in die Premier League. „Ich hatte großartige fünf Jahre in Deutschland. Es war eine tolle Zeit. Und ich bin sehr denkbar dafür“, erklärte Pulisic, als der Transfer im Winter perfekt war. „Ich freue mich auf den Wechsel. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt für mich ist.“

Dass ein Verein wie der FC Chelsea ihn unbedingt haben wollte, erfüllt ihn mit Stolz. Schließlich schreckte die Londoner auch die von den Dortmundern geforderte Ablösesumme in Höhe von 64 Millionen Euro nicht ab. „Dass sie das gemacht haben und mich so sehr wollen, muss wohl bedeuten, dass sie mich mögen – jedenfalls ein kleines bisschen“, erklärte der Angreifer im Interview mit dem Fernsehsender ESPN.

Starke Konkurrenz bei Chelsea

Leicht wird es für ihn sicherlich nicht werden, angesichts der starken Konkurrenz an der berühmten Stamford Bridge auch die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. „In jedem Training, in jedem Spiel, wenn ich die Möglichkeit bekomme, muss ich die Chance ergreifen und beweisen, dass ich es verdient habe, mit dieser Mannschaft auf dem Platz zu stehen und zu spielen“, beteuerte Pulisic. Allein dafür will er jeden Tag kämpfen.

Eine gute Einstellung. Doch zunächst will er sich am Samstag im Heimspiel gegen Düsseldorf (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) von den Fans auf der Südtribüne verabschieden. Wenn es Favre zulässt, natürlich auf dem Platz. Und am liebsten mit so einem beeindruckenden Auftritt wie vor einer Woche in Bremen.

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