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Vom Lampenfieber überwältigt: Stefanie Krampe und ihr Debüt auf der Ringermatte

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Von: Boris Baur

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„Richtig Lust auf den Kampf“ hatte Stefanie Krampe, doch als es losging, war sie zu blockiert.
„Richtig Lust auf den Kampf“ hatte Stefanie Krampe, doch als es losging, war sie zu blockiert. © Markus Liesegang

Viermal stand Stefanie Krampe in dieser Saison für die Bezirksliga-Ringer der TuS Bönen bereits auf der Matte, zu einem richtigen Kampf kam es dabei nicht. Am Samstag hat es in der Begegnung mit dem KSV Witten III endlich geklappt, dann stand der Bönenerin die eigene Nervosität im Weg. „Ich hatte total Lampenfieber“, sagte die 34-Jährige und ärgerte sich über sich selbst.

Bönen – Gegen die deutlich jüngere Emily Kramarczyk verlor sie beide Kämpfe, zunächst nach genau einer Minute auf Schultern, dann nach 2:43 Minuten technisch unterlegen mit 0:16, weil die Wittenerin einen Griff nach dem anderen landete. „Ich habe ja nur ein bisschen hin und her gerangelt, habe nur mit Muskelkraft dagegen gedrückt und mich nicht getraut, einmal zu ziehen“, beschreibt Krampe die Auftritte aus ihrer Sicht. Dass sie nicht ihr Leistungsvermögen abrief, hatte auch Trainer Marvin Manz gesehen: „Sie hat ein bisschen Lehrgeld bezahlt. Die Situation war einfach neu für sie, und dann hat sie sich etwas selbst unter Druck gesetzt“, hob er den Unterschied zwischen Training und Wettkampf vor rund 40 Zuschauern hervor.

Es war allerdings auch nicht einfach für Krampe. Schließlich war sie erstmals in einem Mannschaftskampf im Einsatz. Dabei blickt sie durchaus auf Ring-Erfahrung zurück, denn die Sportart lernte sie von klein auf in der Jugend der TuS. Rund zehn Jahre war sie aktiv, sammelte fleißig Siege und Medaillen auf Kreis-, Westfalen- und Landesmeisterschaften. Mit 14 verlor sie mit der Pubertät dann die Lust.

Erstmals in dieser Saison ringen Frauen in der Mannschaft mit

Als der Ringerverband nun für die anstehende Saison beschloss, dass Frauen auch bei den Mannschaftskämpfen, die sonst nur den Männern vorbehalten waren, antreten sollen, fragten die Bönener, ob sie nicht Lust hätte. Sohn Elias hatte sie da schon fürs Training angemeldet, nachdem sie mit ihrer Familie nach vielen Jahren in Frankfurt wieder in die Heimat zurückgekehrt war.

Bei fünf von bislang sieben Saisonkämpfen war Krampe nun dabei. Bei den ersten drei Auftritten stellte der Gegner keine Ringerin, beim KSV Kirchlinde II eine Woche vor der Begegnung gegen Witten gab Leni Seelig vor der ersten Aktion auf. Doch nachdem die Bönenerin den Hinkampf in Witten verpasst hatte, kam es nun zum Duell, dass auch für Kramarczyk das erste richtige war. „Ich hatte total Bock drauf. Ich habe mich gefreut auf die Gegnerin und hatte richtig Lust auf den Kampf“, beschreibt Krampe ihre Gefühle, bevor es losging.

Ein Blackout und keine Erinnerung mehr

Doch als es ernst wurde, machte irgendwas in ihrem Kopf klick. „Am Anfang waren kaum Leute da, aber dann ist es voll geworden“, sagt sie. Dazu die Atmosphäre in der Goethehalle mit dem Spotlight auf die Matte. Sie habe das Gefühl gehabt, alle würden nur auf sie schauen. Dazu sei es der einzige Frauenkampf gewesen. „Ich stand im Mittelpunkt. Das kenne ich ja gar nicht.“ Die Folge: „Ich hatte einen Blackout und keine Erinnerung mehr, ich habe auch die Trainer nicht gehört, und die Mannschaftskollegen, die mich angefeuert haben.“ In Kirchlinde sei das anders gewesen, in der kleinen, dunklen Halle habe sie sich wohler gefühlt, erklärt Krampe.

Es wirkt schon kurios, dass eine gestandene Frau und dreifache Mutter sich so aus dem Konzept bringen lässt. Doch Krampe hat eine Erklärung: Sie kenne das Ganze ja gar nicht. Als sie in der Jugend gerungen habe, waren da nur Eltern und Großeltern als Zuschauer. Danach habe sie im Gegensatz zu den Jungs, die „lückenlos“ zu den Erwachsenen übergingen, aufgehört und erst 20 Jahre später wieder angefangen.

Debüt mit den Teamkollegen aufarbeiten

Ihre Nervosität will sie nun aufarbeiten. „Wir werden das beim Training zusammen reflektieren. Wir werden im Team darüber sprechen“, sagt Krampe, will sie sich von den Kollegen Tipps holen. Schließlich mache ihr das Ringen weiter Spaß.

„Es hat uns gefreut, dass sie ihre erste Wettkampf-Erfahrung gesammelt hat“, meinte Manz trotz der Niederlage: „Die Erfahrungen sind wichtig, um das Stück für Stück besser umzusetzen.“ Am Samstag könnte es zum Duell mit der früheren Bönenerin Fabienne Manz kommen, das in der Hinrunde ausgefallen war, weil die TuS-Athletin privat verhindert war. Krampe macht sich allerdings wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie, auch in Hinblick auf ihre Kinder, die sie nicht mehr unbedingt in die Halle mitnehmen möchte, Gedanken, wie es weitergeht.

Auswirkungen auf das Ergebnis hatte der Blackout übrigens nicht. In dieser Saison wird ein zustande gekommener Kampf bei den Frauen mit 2:2 gewertet, erst nächstes Jahr gibt es Mannschaftspunkte wie bei den Männern. In Kirchlinde waren die 4:0 Zähler, die Krampe kampflos für ihr Antreten holte, sogar mitentscheidend für den 32:29-Sieg der Bönener.

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