Viel Spaß und Verständigung mit Händen und Füßen

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Leitete das gemeinsame Training mit Flüchtlingen (rechts Vadet und Izet Redjepow): Dennis Gehrke-Müller.

Bönen - Große Hilfsbereitschaft können Flüchtlinge aus Krisengebieten, ob solchen in denen Bürgerkrieg herrscht oder solchen, wo Menschen einer Volksgruppe keine Chancen haben hierzulande momentan erwarten. Es sind nicht nur Privatleute und karitative Organisationen, die helfen, dass sich Syrer, Afrikaner und Roma hier zurechtfinden. Diverse Bönener Sportvereine bieten die Möglichkeit mitzutrainieren.

„Es klappt sehr gut, die Jungs sind hilfsbereit und nett“, sagt Thomas Seepe, Fußballobmann des VfK Nordbögge. Er holte eine Gruppe Flüchtlinge am Dienstagabend an ihren Unterkünften am Billy-Montigny-Platz und am Nordkamp ab. Nach dem Umziehen reihten die sich in den ganz normalen Trainingsbetrieb der Nordbögger Reserve ein. Warmmachen, einige Sprintübungen und Schusstraining stand auf dem Programm von Coach Dennis Gehrke-Müller. Also alles ganz normal wie jeden Dienstagabend auf dem Kunstrasen an der Nordbögger Feuerwache? Nicht ganz, denn Kommandos und Erklärungen erfolgen vielsprachig. Dem „Go!“ als Signal zum Spurt bis zur Mittelinie folgt ein „Gut, Super, Klasse!“ bei den Schussversuchen. Das Sprachproblem, dass vor allem die Neuankömmlinge betrifft, existiert beim Fußball offensichtlich nicht.

„Einige sprechen auch Englisch“, weiß Seepe. „Es geht also mit der Verständigung – auch wenn sie meins manchmal nicht verstehen“, schmunzelt er, „aber es geht immer irgendwie mit Hilfe von Händen und Füßen.“ Dass der Umgang auf dem Platz ein einfacher ist, liegt am Sport an sich. Fußball ist überall populär, die Regeln einfach, die Trainingsmethoden offensichtlich gleich. Das bestätigt Izet Redjepow. „Die Bedingungen sind hier natürlich viel besser“, sagt der Roma aus Mazedonien halb auf Deutsch, halb auf Englisch. „Es ist alles viel größer und besser.“ Mit den Händen deutet er die Platzverhältnisse in seiner Heimat, die eines „Ackers“, an. In Mazedonien habe er schon Fußball gespielt, sagt der 39-Jährige. In einer regionalen Liga. „Aber ich muss mich konditionell verbessern“, blickt er auf seine sportliche Zukunft beim VfK. Vorstellen könne er es sich schon, in einer Mannschaft zu spielen. „Das dauert aber, weil es schwierig ist, einen Spielerpass zu bekommen“, erklärt Nordbögges Jugendleiter Dirk Brandt, Der Weg führt über DFB und FIFA.

Die Flüchtlinge, an diesem Abend sind es acht, darunter auch Redjepows 16-jähriger Sohn Vadet, haben trotzdem Spaß am Sport. „Man erkennt, dass einige schon mal Fußball gespielt haben“, verleugnet Seepe auch nicht das Interesse des Vereins an neuen Spielern. Erst einmal ginge es aber ganz klar um Hilfe für die Flüchtlinge, sich hierzulande zurechtzufinden.

Positiv sieht auch Fachbereichsleiterin Barbara Potthoff die spontane, schnelle Hilfe. „Es gibt doch nichts Besseres als die Integration über den Sport“, lobt sie die Initiative der Vereine. Allerdings gäbe es auch ein Haftungsproblem, wenn die Flüchtlinge nicht als Mitglied über den Verein versichert wären. Wie eine solche Mitgliedschaft kostenneutral gestaltet werden kann, soll unter anderem Thema eines Runden Tisches zum Thema Flüchtlinge sein, der am kommenden Dienstag um 18 Uhr im Rathaus stattfindet. Eingeladen ist jeder, der helfen will. Interessenten – auch andere Sportvereine sind darunter – sollten sich aber aus „logistischen Gründen“ formlos per E-Mail vorher bei nicole.wessel@boenen.de anmelden.

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