Uwe Manz erlebt als Kampfrichter im Ringen in Tokio seine dritten Olympischen Spiele

Uwe Manz in Tokio: Bei der Goldmedaille mitgefiebert

Im Zeichen der Ringe: Der Bönener Uwe Manz genießt trotz aller Corona-Einschränkungen seine Zeit als Kampfrichter bei den Olympischen Spielen.
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Im Zeichen der Ringe: Der Bönener Uwe Manz genießt trotz aller Corona-Einschränkungen seine Zeit als Kampfrichter bei den Olympischen Spielen.

Zum dritten Mal ist Uwe Manz als Kampfrichter bei Olympischen Spielen. Nach London 2012 und Rio de Janeiro 2016 entscheidet er nun auf den Matten von Tokio über die Leistungen der besten Ringer der Welt. Wegen der Corona-Pandemie ist aber alles eingeschränkter als sonst. Der 57-Jährige von der TuS Bönen genießt die Tage in Japan dennoch. Hier berichtet er über seine Unterbringung, die Hitze von Tokio sowie den Gänsehautmoment beim Goldmedaillengewinn von Aline Rotter-Focken.

Die Ankunft

Nach der Landung in Tokio dauerte das Einreiseprozedere für Manz und seine beiden deutschen Kollegen Jeffrey Spiegel und Antoni Silvestri, Kampftrichterchef des Weltverbandes, zweieinhalb Stunden. „Das war relativ schnell“, meinte der Bönener lapidar. Am 28. Juli war er von Frankfurt aus losgeflogen. Zu diesem Zeitpunkt waren viele der Sportler, Trainer und Funktionäre bereits in Japan, was die Kontrollen am Flughafen zügiger machte. Schon vor dem Abflug musste Manz regelmäßig Fiebermessen, vor dem Einchecken einen von den japanischen Behörden anerkannten negativen Test vorweisen. Bei der Ankunft auf dem Narita International Airport war erneut ein PCR-Schnelltest fällig, den er seitdem auch jeden Morgen ablegen muss.

Neben den normalen Passformalitäten musste er den Kontrolleuren zudem die Apps vorzeigen, mit denen sein Gesundheitszustand und Aufenthaltsort überprüft wird. Auch musste er bestätigen, dass er die Corona-Regeln im Land befolgen wird. Als alles erledigt war, „war mein Gepäck schon längst vom Band“, meinte Manz. Da war das Warten auf den Shuttlebus, der das Trio ins Hotel auf der anderen Seite der Stadt brachte, auch kein großes Hindernis mehr.

Die Unterkunft

Mit vielen anderen Kampfrichtern, auch aus dem Taekwondo und Fechten, ist Manz in einem Hotel ganz in der Nähe der Wettkampfstätte der Ringer untergebracht. „Das sind nur drei Minuten Fußweg, vier Minuten vielleicht“, freut sich er über kurze Wege. „Das kann auch anders gehen, bei einer WM waren es auch mal 40 Minuten mit dem Bus.“ Im Hotel sind auch japanische Touristen untergebracht. Wirklichen Kontakt mit den Einheimischen gibt es allerdings zum Bedauern des Böneners mit Manz nicht: „Ich schotte mich auch selber ab und bleibe im Hotelzimmer, wenn ich nicht in der Halle bin. Wir dürfen nichts und wir machen nichts.“ Keinesfalls möchte er wegen eines Coronaverdachts, oder weil er sich nicht ans Protokoll gehalten hat, aus dem Kampfrichterpool fliegen. Die Regeln für die Spiele und in Japan generell sind streng.

Der Schutz vor der Pandemie klappe aus Manz’ Sicht in der Olympia-Blase aber „hervorragend“. Auf der anderen Seite bleibt für ihn jedoch der olympische Geist, den er in London und Rio so genossen hat, auf der Strecke. Auf die Japaner lässt der Bönener dagegen nichts kommen. „Das sind sehr gute Gastgeber, sehr freundlich. Und wenn mal was ist, sind sie sofort da. Das ist perfekt.“

Die Temperaturen

In der Berichterstattung über die Olympische Spiele ist immer wieder von der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit die Rede, die den Athleten zu schaffen macht. Manz kann das bestätigen: „Es ist tierisch heiß und so drückend. Sobald man nach draußen geht, fängt man sofort an zu schwitzen. Auch ich, der sonst wenig schwitzt. Da geht sofort die Post ab.“ Der Bönener hat allerdings Glück, denn da die Ringer in einer umgebauten Messehalle kämpfen, bewegt er sich meist nur in klimatisierten Räumen. Da sei es aushaltbar, auch für die Sportler. „Aber Leichtathlet möchte ich nicht sein.“

Die Einsätze

Bis zum Gespräch am Dienstagmorgen deutscher Zeit, also zwischen dem Briefing am frühen Abend und kurz vor den danach beginnenden Viertelfinals in Tokio, hatte Manz elf Kämpfe geleitet. Damit ist er bei 40 bei Olympia eingesetzten Kampfrichtern zufrieden. Nur ein Finalkampf fehlte ihm zu dem Zeitpunkt noch.

Die Unparteiischen erhalten die Information, welches Duell sie leiten werden, übrigens sehr kurzfristig. Auf einem Monitor im Wartebereich sind immer die nächsten drei Kämpfe aufgeführt. Ist einer vorbei, rückt der nächste nach. Etwa 20 Minuten Vorbereitungszeit bleiben letztlich. „Das reicht aber“, so Manz.

Die Goldmedaille

Nach ihrer Goldmedaille am Montag ist die Krefelderin Aline Rotter-Focken in aller Munde. Manz war direkt vor Ort dabei und bekam eine Gänsehaut. „Das ist unglaublich. Das war die erste Frauen-Medaille für Deutschland im Ringen, und die war vergoldet. Ich bin jetzt noch beeindruckt“, geriet der Bönener selbst tags darauf ins Schwärmen. Rotter-Focken kennt er, seit sie als Zwölfjährige erste Kämpfe auf Landesebene gerungen hat. Knapp 20 Jahre ist das her. Bei der EM und WM sind die Richter im Gegensatz zu Olympia auch Teil des Teams. „Da fiebert man dann jetzt auch mit und jubeln innerlich“, sagt Manz: „Danach ist man wieder im Modus rot-blau und weiter geht´s“, kann der internationale erfahrene Schiedsrichter direkt wieder auf Neutralität umschalten.

In der mit Ausnahme von Sportlern und Offiziellen leeren Halle kann der Bönener mit seinen Kollegen die Kämpfe in einem separaten Bereich verfolgen, die Finals sogar auf der dann freien, angrenzenden Matte. Ein besonderer Moment war für den 57-Jährige auch die Medaillenzeremonie, als die deutsche Hymne erklang und die Fahne emporgezogen wurde. „Wir haben dafür nicht viele Möglichkeiten. Aber ich bin textsicher“, unterstreicht Manz die Seltenheit eines deutschen Sieges.

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