Ultralauf

Premiere vom Ballonlauf ein Erfolg trotz nasser Füße

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Die Stimmung auf der Strecke war gut. Es ging schließlich ums Ankommen und nicht um schnelle Zeiten.

Bönen – „Einer der besten Läufe, die ich je erlebt habe! Tolle Menschen, tolle Orga, tolle Medaillen – TOLLER Lauf!“, schrieb Florian Oberstelehn vom Team H.U.L.K. aus Arnsberg. „Ein mega Dankeschön, Jan-Phillip, für dieses unvergessliche Lauf-Erlebnis und die riesige Orga...“, freute sich Katharina Drews aus Soest via Facebook, „Danke, dass Du meinen ersten Ultra zu so einem Erlebnis hast werden lassen...!“

Jan-Philipp Struck konnte wahrlich zufrieden sein mit seinem ersten Ballon-Ultralauf, den er am Samstag ausgerichtet hatte. Positives Feedback erfuhr der Bönener schon während des langen Tages in der Halle der Ermelingschule, die der Ausgangspunkt war, ganz direkt von den Teilnehmern. Und eben aus dem Netz.

Der Tag begann für die aus halb Deutschland angereisten Ultrasportler mit dem Briefing um 10 Uhr zum 20-km-Lauf. Struck erklärte vor jedem der acht Rennen die Markierungen und eventuell kritische Stellen. Bei den 5 Kilometern musste die Brücke im Sandbachtal überklettert, bei der 15-km-Distanz die Leitplanken der Fröndenberger Straße übersprungen werden. Abenteuerlich, aber genau darauf war das Gros der Läufer auch aus. „Überraschend Cross“, befand der Deiringser Christof Marquardt nach dem ersten Zieleinlauf. Der Deutsche Meister im Sechs-Stunden-Lauf war einer von sechs Männern und einer Frau, die am Sonntagmorgen 100 km in den Beinen hatten. Marquardt benötigte neun Stunden und zehn Minuten. Die Zeit war allerdings Nebensache, die Maximaldistanz das Ziel.

Auf dem Weg hatte Jan-Philipp Struck Markierungen hinterlassen. Denn es ging auch querfeldein.

Mit Darts und Wikingerschach gegen die Müdigkeit

Struck selbst lief ebenfalls durch (zehn Stunden) und zum Auftakt gleich in den Bewerbach. Nasse Socken zum Wechseln, zwischendurch duschen – alles kein Problem. Struck hatte Pausen zwischen den Rennen eingeplant, in denen ein gut bestücktes Büffet bereitstand. Eine Dartscheibe war aufgehangen worden, und Wikingerschach diente ebenfalls dazu, wach zu bleiben. Schließlich war der letzte Start für 2 Uhr eingeplant: 20 Kilometer durch die Nacht. „Einige werden sich zwischendurch sicher auch auf die Matten hauen“, so Struck. Der Start beim folgenden Rennen war nicht zwingend.

Ballon Ultralauf Bönen Lenningsen

Martin Munk und Manuel Sinner (beide Lauffreunde Bönen) liefen zum Beispiel „nur“ die 20 Kilometer am Morgen. „Abenteuer, Trail lauf ich ja öfter“, meinte Sinner anschließend zur Strecke: „Aber das war ja komplett offroad.“ Er lobte „Pfadfinder Martin“, der einen alternativen Übergang über den Bewerbach gefunden hatte. Dafür verpassten beide den Verpflegungspunkt durch die neue Strecke.

Ein Teilnehmer läuft falsch herum

Vermisst wurde im Ziel jedoch niemand. „Einer ist zwar einen Teil verkehrt herum gelaufen“, erfuhr Struck, kam aber trotzdem an. Vor unerwarteten Schwierigkeiten standen die Teilnehmer allerdings beim 10-km-Lauf. Aufmerksame Nachbarn hatten das Flatterband im Naturschutzgebiet Sandbachtal nicht als Markierung, sondern als Müll angesehen und entfernt. Struck nahm auf die nächste Runde Sprühfarbe mit, um die Richtung neu vorzugeben.

Die Ermelinghalle war mit Ballons geschmückt und bot gemütliche Plätzchen für Ruhepausen.

Viele hatten aber sowieso die GPS-Daten aufs Mobilgerät runtergeladen. Uwe Rotte, mit Wohnmobil am Abend zuvor aus Aurich angereist, nutzte eine Navi-App mit Ton zur Orientierung in fremden Gelände. Der 59-Jährige hatte den Lauf beim Internetportal „RaceResult“ entdeckt. „Ich fand das Konzept interessant und es war eine lange Strecke.“ Ein wichtiges Kriterium für ihn, denn er läuft nur ab Marathon aufwärts. Das letzte Rennen ließ er aber aus. Die 80 Kilometer reichten ihm für dieses Wochenende. Zumal die Kurse im Dunkeln Zeit kosteten. Marquardt und Struck, die immer vorneweg liefen, brauchten beispielsweise für die Abschlussrunde eine Dreiviertelstunde länger als tagsüber. Nur Heiko Münster aus Herbern ist wohl eher die Nachteule. Er lief nach Einbruch der Dunkelheit schneller als am Tag.

Struck denkt über einen 100-Meilen-Lauf nach

Struck selbst war nach dem ersten Aufräumen am Sonntagmorgen fix und fertig. Am Samstag hatte sein Tag mit letzten Markierungsarbeiten um 4 Uhr in der Früh begonnen. Auch die Zeit davor waren anspruchsvoll gewesen. „Ich hab ihn die Woche nicht gesehen“, erklärte Freundin Franziska Schmohr. Sie kümmerte sich gemeinsam mit ihren Brüdern Julian und Christopher um die teils weit angereisten Gäste.

Ein Ballon schwebte unter der Decke der Ermelinghalle. Optisch effektiver waren jedoch diejenigen, die zahlreich den Boden der Sportstätte schmückten und dem Namen der Veranstaltung alle Ehre machten. Weil bei seinem ersten Test im Herbst 2018 die damals ausgeguckte Route der klassischen Skizze eines Ballons ähnelte, kam Struck auf den Namen. „Das war aber wirklich ganz klein mit nur 13 Teilnehmern bei meinen Großeltern im Garten“, blickt er zurück. Eine Fortsetzung fände die gute Idee sicher, verspricht er nun. Und er denkt an eine XXL-Variante im Sommer mit einem 100-Meilen-Lauf.

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