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TVG Flierich-Lenningsen fährt durchs virtuelle Watopia

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Von: Markus Liesegang

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„Off Season – Kick Off“: Die Radgruppe des TVG fuhr zum Saisonabschluss ein Indoor-Rennen.
„Off Season – Kick Off“: Die Radgruppe des TVG fuhr zum Saisonabschluss ein Indoor-Rennen. © Liesegang

Zum Saisonabschluss gab es jetzt ein Rad-Rennen durch das virtuelle Watopia beim TVG Flierich-Lenningsen. Neun Stunden im Sattel folgten beim ersten „Off Season – Kick Off“ wie die Zweiradgruppe des TVG Flierich-Lenningsen ihre Veranstaltung betitelt hatte. Im Vordergrund stand für alle Teilnehmer der Spaß am Radeln in der Gruppe.

Bönen - Mit einem Konfettiregen startete Lutz Sudhaus am Samstag das Radrennen durch das virtuelle Watopia. Neun Stunden im Sattel folgten beim ersten „Off Season – Kick Off“ wie die Zweiradgruppe des TVG Flierich-Lenningsen ihren Saisonabschluss betitelt hatte. Der Gründer der Rennradgruppe des Vereins, Manuel Sinner, trat schließlich die meisten Kilometer auf dem Rollentrainer zusammen. Sein Tacho stand um Mitternacht auf 222 Kilometern.

Im Vordergrund der Veranstaltung stand allerdings der Spaß am Radeln in der Gruppe. Erst in diesem Sommer hatten sich die Rennradler nach der langen Coronapause wieder gemeinsam auf die Piste begeben. Andi Juric hatte die Gruppe vor Monaten wiederbelebt.

Truppe wird im Winter am Leben gehalten

Die Saison draußen ist gelaufen. Zum einen wegen des miesen Wetters und dann, weil es abends, wenn die Sportler Zeit für ihr Hobby haben, dunkel ist. „Und so können wir die Truppe im Winter am Leben erhalten“, beschrieb Sinner den Vorteil des Trainings mit dem Programm Zwift. „Wir sitzen alle im Keller, fahren aber trotzdem irgendwie miteinander, wenn auch nur auf dem Bildschirm.“

Zum Saisonabschluss waren die Rennradler aber noch einmal räumlich vereint. Die Lenningser Sinner und Marcus Voß, die die Trainer über ihre Firma Tailwind Brands vertreiben, hatten einige Geräte zur Verfügung gestellt und richteten sie vor Ort mit einem Zwift-Account ein.

Für das Wintertraining gut geeignet

Für den TVG-Vorsitzenden Nils Böckmann war das virtuelle Rennen Neuland. „Ich bin früher, bevor ich Vater wurde, schon in der Gruppe mitgefahren“, erzählte er nach den ersten Kilometern. „Jetzt könnte ich aber wegen der Kinder erst nach 20 Uhr. Ich denke, um im Winter zu fahren, ist dieses Programm gut geeignet“, erklärte er. Im Frühjahr, der Neustart der Rennradgruppe ist nach den Osterferien, will Böckmann aber lieber wieder die Natur erleben. „Aber so ein Abomodell für die Zwischenzeit, das Manuel ja anbietet, ist schon interessant.“ Böckmann fuhr am Samstag nicht alleine, sondern im Team mit Torben Siegert und Malte Bennemann.

Nach dem Start zeigte der Bildschirm von André Krämer eine Landschaft, die an eine Wüste erinnerte. „André halt gleich mal an, damit wir uns sammeln können“, erkannte Sinner derweil, dass die Fahrer beim Warmfahren doch eine unterschiedliche Trittfrequenz und Wattzahl erreichten. Der Nordbögger im Trikot des Charity-Events Movember (WA berichtete) tat wie geheißen. Plötzlich füllte sich Krämers Flachbildschirm, er fand sich in einem Pulk von Radlern wieder: Das Programm verbindet schließlich Fahrer weltweit, die das Rennen Watopia gleichzeitig bei sich zuhause fahren.

„Ich habe meinen Fernseher mitgebracht, weil mir Smartphone und Laptop zu klein sind“, erklärte Krämer den Luxus jenseits seines Lenkers. Die Mitfahrer nutzten hingegen Tablet oder Smartphone. Der ordentliche Bildschirm war übrigens nicht die einzige Annehmlichkeit des Nordböggers. Er hatte zudem einen Ventilator dabei. Der Fahrtwind eines Rennens in der realen Welt fehlte vielen in der Ermelinghalle.

Anstrengende Bergaufpassage

Die Anstrengung bei einer Bergaufpassage war dagegen real – Krämers Nachbarin Jasmin Ebert in der Halle zeigte nach fünf Kilometern eine gesunde Gesichtsfarbe. Teamkollegin Anna Sudhaus trocknete ihr den Schweiß. Die Freundin von Juric stellte das Rennrad des Teams an diesem Tag. „Ich habe kein eigenes, fahre aber gerne Rad und als Anna fragte, habe ich zugesagt. Es ist schon ‘ne coole Sache.“

Eine Taktik hatten die beiden nicht. „Wir lösen uns wann immer ab und machen sicher auch mal gemeinsam Pause.“ Der Verein stellte dafür Essen und Getränke.

Mit Ehrgeiz dabei

Krämer nutzt den Rollentrainer regelmäßig wie auch Juric. Der fährt zwar erst seit zwei Jahren Rennrad, ist aber mit Überzeugung und einem gewissen Ehrgeiz unterwegs. „Ein Rollentrainer plus das Programm ist extrem gut, gezielt zu trainieren“, spricht er über seine Erfahrungen in der Off-Season. „Man merkt, dass es was gebracht hat, wenn man dann wieder draußen aufs Rad steigt, dieses Wintertrainingsloch lässt sich so vermeiden.“

Wie die Mädchengruppe nutzten die Nordbögger Theo Funke und Jan-Niklas Bothe Rolle und Zwift das erste Mal. „Es ist schon anders als draußen“, so die beiden Rennradler. „Und gefühlt anstrengender, weil eben der Fahrtwind fehlt“, erklärte Bothe. „Ich will so drei Stunden schaffen“, gab Funke ein Ziel vor. „Aber vor allem wollen wir Spaß in der Gruppe haben.“

Den hatte er wohl: 105 km standen abschließend bei ihm auf dem Tacho, ein Fahrradwandhalter der Bönener Firma Parax hängt demnächst in seiner Wohnung. Bothe beendete den Tag nach 63 km.

Auf Sinner folgten in der Gesamtwertung Juric mit 205 km und Krämer mit 203. Da die beiden Erstplatzierten verzichteten nahm er den ersten Preis, ein komplettes Radoutfit, mit nach Hause. Für Steffen Brüggemann haben sich die 100 km ebenfalls gelohnt. Er trägt Outdoor zukünftig eine neue hochwertige Radbrille, die Vereinsmitglied Sebastian Schlieper zur Verfügung stellte.

„Nicht alle sind die ganze Zeit gefahren“, sprach Juric abschließend von einer erfolgreichen Premiere, „die meisten sind aber vor Ort geblieben und haben unterstützt.“

Neugierig waren einige Mitglieder der Fliericher Trekkinggruppe. Sie hatte Juric eingeladen, mitzufahren. Helmut Bennemann und Co. beließen es aber beim Gucken und Anfeuern.

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