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Strzalkas emotionaler Abschied von der Matte

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Von: Markus Liesegang

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Zum Abschluss seiner Karriere ging Marc Strzalka noch einmal für seinen Jugendverein TuS Bönen auf die Matte.
Zum Abschluss seiner Karriere ging Marc Strzalka noch einmal für seinen Jugendverein TuS Bönen auf die Matte. © Markus Liesegang

Es war ein sehr emotionaler Abschied von der Matte, den Marc Strzalka im letzten Heimkampf der Saison gegen Heros Dortmund erlebte. Ehefrau Nadine hatte einen Bus organisiert, der 30 Fans und die beiden Ex-Trainer Uwe Möller und Klaus Behnke aus Werries zur Goethehalle karrte. Der Bönener hatte schließlich 14 Jahre das Trikot des KSV getragen, siegte in dieser Saison als Gastringer für seinen Ausbildungsverein, die TuS Bönen.

Bönen – Zudem hatte TuS-Trainer Marvin Manz Strzalkas Sohn Conner (13) zu einem Freundschaftskampf überredet. „Es war sein erster im Rahmen des Seniorenkampfes und mein letzter“, erklärt der stolze Vater, immer noch sehr berührt. Strzalka wird künftig als Trainer bei der TuS weitermachen. „Conner überlasse ich in der Regel aber seinem Onkel (Sebastian Strzalka) oder Marvin“, geht er einem möglichen Vater-Sohn-Konflikt aus dem Weg.

Ringen bedeutet dem Bönener viel. Kein Wunder, immerhin fing Strzalka vor 29 Jahren als Sechsjähriger damit an. Damals hießen die Trainer auch Manz mit Nachnamen. „Heinz, Claudia und Uwe“, erinnert sich der 35-Jährige. Nach 29 Jahren ist für ihn nun Schluss mit dem aktiven Sport. „Ich bin 2015 mit dem Motorrad gestürzt, habe mir das Schulterblatt gebrochen und bin wegen bleibender Schmerzen 2017 noch einmal operiert worden“, blickt er zurück. Strzalka ist Landschaftsgärtner, auf körperliche Fitness also angewiesen. „Aus beruflichen, aber auch familiären Gründen habe ich letztlich auch aufgehört. Ich musste viele Diskussionen in der Familie führen, um die letzten drei Kämpfe, oder besser zwei wegen Corona, auf der Matte stehen zu können.“

Makellose Bilanz zum Abschluss

Immerhin ist ihm der Abschied sportlich außerordentlich gut gelungen. Der Bönener gewann alle Kämpfe in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm. 23 Kilo hatte er in diesem Frühjahr abgespeckt. „Ich hab mich nicht wohlgefühlt mit meinen 96 kg Anfang des Jahres, habe das Laufen angefangen. Marvin hat mich dann gefragt, ob ich nicht in die 75-kg-Klasse einsteigen wolle.“ Eine weise Entscheidung: Neffe Matthäus Strzalka, neben Sergej Didrich der Dritte mit diesem Kampfgewicht, fiel mit einem Fingerbruch lange aus.

Dass die Bezirksliga nicht seine Klasse ist, will Strzalka trotz seiner hervorragenden Bilanz nicht sagen. „Nein. Ich habe ja von meiner Erfahrung profitiert. Die jungen Ringer, gegen die ich angetreten bin, sind den Kampf ungestüm angegangen. Die schalten den Kopf aus und wollen eben zerstören.“ Alle neun Kämpfe hat er gewonnen, davon sieben vor der Zeit. Mit 42 war er der fleißigste Punktesammler der TuS in diesem Jahr.

2004 trennten sich die Wege

Strzalka ist Freistilspezialist – und dies immer gewesen. Seinen Heimatverein verließ er nach 13 Jahren 2004 Richtung Kirchlinde. „Ich habe mir in Bönen keine Aufstiegschancen ausgerechnet“, blickt er zurück. Trainer Ingo Manz zog damals Masih Kul vor. Nach einem Jahr in der zweiten Mannschaft der TuS unter Manfred Schreiber wechselte er innerhalb der Landesliga nach Kirchlinde. Gerungen hat er dort wenig, er kugelte sich gleich die Schulter aus. Die längste Zeit verbrachte Strzalka folglich beim KSV Werries, dem alten Rivalen der Bönener.

 Davor war er lange Zeit für den KSV Werries aktiv. Im rechten Bild aus dem Jahr 2007 bei einem Kampf gegen die TuS und Sergej Didrich.
Marc Strzalka (oben) war lange Zeit für den KSV Werries aktiv. Trat dabei auch wie hier im Jahr 2007 bei einem Kampf gegen die TuS und Sergej Didrich an. © Markus Liesegang

Jetzt führt der Weg als Trainer zurück zur TuS, dem Verein werde, den er damals im Groll verließ. Nicht unbedingt, um seine Söhne, auch der zehnjährige Sam trainiert in Bönen, zu pushen. „Nein. Ich will zumindest versuchen, die Werte wie Respekt und Fairplay wieder zurückzuholen. Die Jugend ist so weit weg davon, die gehen wie gesagt oft auf die Matte, um den Gegner zu zerstören. Nicht, um in fairem Wettkampf Punkte zu machen. Die Aggressivität ist anders als früher. Ich werde den Trend, glaube ich, nicht umkehren können, will aber mithelfen, dass bei der TuS der sportliche Gedanke mehr Gewicht bekommt.“

Auch Verlieren will gelernt sein

Er kenne aus seiner Jugend noch Disziplin beim Training. „Wenn Heinz Manz Ruhe verlangt hat, dann war es ruhig. Sonst hieß es: Zugucken oder Straftraining. Heute ist das schwer umzusetzen, weil die Jugendlichen so sensibel sind.“ Er wolle, dass sich die Ringer auch mal mit stärkeren Trainingspartnern messen. „Aber dann heißt es: Nee, gegen den verliere ich doch sowieso. Der Ehrgeiz fehlt, daran zu arbeiten, den zu schlagen.“

Strzalka will andererseits aber auch seine Erfahrung weiter einbringen. „Ich weiß schließlich, in welcher Situation welcher Griff angesagt ist. Und ich kann den Jungs auch vermitteln, wie sie darauf reagieren müssen, wenn der gegnerische Trainer Angriffe anweist.“ Und, sagt er, wenn man keine Chance auf den Sieg habe, solle man wenigstens mit Verstand verlieren. Es ist ihm ein besonderes Anliegen.

Conner und Sam Strzalka (nicht auf dem Bild) setzen die Ringer-Tradition der Familie um Vater Marc fort.
Conner und Sam Strzalka (nicht auf dem Bild) setzen die Ringer-Tradition der Familie um Vater Marc fort. © Markus Liesegang

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