Grundsätzliche Zustimmung zur Gelbsperre – aber...

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Nach fünf Gelbe Karten werden auch Amateurspieler künftig für eine Partie gesperrt.

BÖNEN - Der Westfälische Fußball- und Leichtathletikverband (WFLV) zieht im Kampf um die Fairness auf den Amateurplätzen die Zügel an. Nachdem im Vorjahr die Sperre nach eine Gelb-Rote Karte eingeführt wurde, muss ein Spieler in der kommenden Saison auch bei fünf gelben Karten einmal zuschauen. Auf den Bönener Plätzen wird das mit gemischten Gefühlen betrachtet.

„Grundsätzlich ist das gar nicht so schlecht, wenn es bei uns im Bereich den Profis annähert wird“, sagt beispielsweise Thorsten Müller, der Trainer des TVG Flierich-Lenningsen: „Eine Gelbe Karte ist ein Verstoß, der bei Wiederholung auch geahndet werden soll.“ Damit trifft Müller den Grundtenor. „Das ist eine gute Sache. Da lernen die Spieler, dass man unsinnige Karten wegen Meckerns vermeiden soll“, denkt VfK-II-Coach Uwe Hilbk an den erzieherischen Effekt einer Sperre. „Grundsätzlich werden es einige Spieler schwer haben“, meint Peter Thiemann, der Sportliche Leiter der IG Bönen. Er weiß, dass sich einige Akteure als Kartensammlern geradezu hervorheben.

Doch alle sehen auch das große Aber. „Wie soll das denn klappen, wenn auf fussball.de schon nicht immer die richtigen Torschützen drinstehen“, sagt Thiemann. Seit Einführung des elektronischen Spielberichts, der eine Gelbsperre im Amateurbereich überhaupt erst möglich macht, sind die Eintragungen der Schiedsrichter was Torschützen und Einwechselungen angeht fehlerbehaftet gewesen. Zwar mit fallender Tendenz, aber wenn eine Gelbe Karte eine Sperre nach sich zieht, dürfen falsche Eingaben nicht mehr vorkommen. „Ich sehe Probleme, ob die Erfassung so gut läuft, gerade bei uns durch die vielen Wechsel“, sagt daher Müller. Unterhalb der Kreisliga haben die Referees durch das mehrfach erlaubte ein- und austauschen der Spieler deutlich mehr zu notieren.

„Wir schulen immer wieder und das richtige Eintragen der Gelben Karten wird auf wieder auf die Tagesordnung kommen“, sagt Patric Quos, Kreisschiedsrichterlehrwart im FLVW-Kreis Unna-Hamm. Er freut sich, dass „mehr Zug und Drive reinkommt“. In der kommenden Woche findet eine Lehrstabssitzung statt, dabei wird besprochen, wie die Unparteiischen auf die neue Regel vorbereitet werden sollen. „Wobei, wir haben eigentlich nichts zu lehren“, sagt Quos: „Wir halten uns an die Regeln und tragen nur ein. Zählen muss der Staffelleiter.“

Und wozu das Ganze: „Wir möchten durch die neue Regelung die Kartenflut eindämmen“, hofft Reinhold Spohn, der Vorsitzende des westfälischen Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA), auf mehr Fairplay. „Fouls werden dadurch zwar nicht weniger werden, aber Vergehen wie Meckern, Ballwegschlagen oder Spielverzögerung“, meint Horst Weischenberg, der Vorsitzender des Fußball-Kreises: „Spieler, bei denen es um Einsatzprämien geht, denken künftig vielleicht nach, bevor sie einen Ball wegtreten.“

Zumindest die Einführung der automatischen Spielsperre nach einer Ampelkarte hat sich aus Sicht aller Beteiligten schon gelohnt. „Bei mir ist das Meckern weniger geworden“, sagt zum Beispiel Axel Maurischat von der SpVg Bönen. Lediglich drei Ampelkarte sah sein Team in der Meistersaison. „Wer durch einen Platzverweis ein Spiel fehlt, benachteiligt sich auch selbst. Wenn die Mannschaft ohne gut spielt und gewinnt, muss ich den dann das nächste Spiel nicht sofort wieder einsetzen.“ Auch der VfK kassierte nur dreimal gelb-rot. Häufiger flogen dagegen die Spieler der IG Bönen (sechsmal Gelb-Rot, zweimal Rot) vom Platz. Aber immerhin musste nur Ali Gökce zweimal früher duschen. Das spricht für einen Lerneffekt. „Das ist wirklich gut“, sagt daher auch Thiemann. Schließlich „ist da ja eine Disziplinlosigkeit. Ansonsten ist die Gelb-Rote Karte ja keine Strafe“, so Müller. - bob

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