1. wa.de
  2. Sport
  3. Bönen

Steffen Bröckmann feiert Premiere in der schweren Klasse mit vier Sternen

Erstellt:

Von: Rainer Gudra

Kommentare

Steffen Bröckmann und die zehnjährige Chloé B gaben ihre Premiere in der schweren Klasse mit vier Sternen.
Steffen Bröckmann und die zehnjährige Chloé B gaben ihre Premiere in der schweren Klasse mit vier Sternen. © Rainer Gudra

Steffen Bröckmann vom RFV Nordbögge-Lerche ist mit der selbst ausgebildeten Chloé B in Werne erstmals in einer Prüfung der schweren Klasse mit vier Sternen angetreten.

Werne - Als die Wahl-Schweizerin Kaya Lüthi am Ostermontag nach dem Großen Preis der 41. Lenklarer Reitertage die Ehrenrunde anführte und der mit Olympia- und EM-Medaillen dekorierte Titelverteidiger Marco Kutscher als Zweiter folgte, war Springreiter Steffen Bröckmann vom RFV Nordbögge-Lerche nur noch Zuschauer. Aber zuvor hatte er sich zum ersten Mal in ein Springen der schweren Klasse mit vier Sternen getraut. Dies mit der zehnjährigen Chloé B, selbst gezogen und ausgebildet, was alles andere als alltäglich ist. Die Buchstaben-Kombi „RT“ zeigte in der Ergebnisliste an, dass die Premiere im Feld der national und international sehr erfolgreichen Konkurrenz vorzeitig beendet war. Doch unzufrieden war der 32-Jährige nach dem top-besetzten Turnier in Werne nicht.

„Ich will das jetzt nicht auf Biegen und Brechen, das entscheide ich vom Bauchgefühl her. Ich gucke sie mir morgens an und schaue, was mir das Gefühl sagt“, meinte der Bönener. Und entschied sich für einen Start in der mit 40 000 Euro dotierten Prüfung. Das gute Gefühl, das schöne Wetter, die großartige Kulisse auf dem Hof Gripshöver mit sicherlich 4000 Zuschauern – da passte alles. Zumal er am Mittag mit Diddy B Platz zwei im Jump & Drive belegt und das Publikum in diesem Show-Wettbewerb bestens unterhalten hatte.

Fehler am ersten Oxer

Aber: „Er hat Puls“, registrierte Lebensgefährtin Alina Timpeltey vor dem Umlauf des Großen Preises. Ein Fehler am ersten Oxer, danach lief es lange gut im anspruchsvoll gestalteten Parcours: Wassergraben und folgender Steilsprung – kein Problem. Die dreifache Kombination, danach ein 1,50-Meter-Steilsprung mit locker aufgelegter Planke – auch nicht. Die Schlusslinie hatte es schließlich in sich: Die riesige Triplebarre war kein Problem, doch „wir waren schon zu schnell unterwegs“. Letztlich fehlte ein Galoppsprung, viel zu früh hob die Stute vor der zweifachen Kombination ab; da passte nichts mehr.

Bröckmann wollte nichts erzwingen, verzichtete darauf, das Hindernis neu anzureiten – und verließ unter Applaus die Bahn, denn: „Die Pferde sollen ein gutes Gefühl behalten.“

Goldene Schleife mit Diddy

Schon am Ostersamstag hatte Bröckmann mit Chloé B nicht so viel falsch gemacht. In der Platzierung der mit 20 000 Euro dotierten Hauptprüfung mit drei Sternen, die Philipp Schulze Topphoff gewann, erreichte das Paar das Stechen und belegte nach einem Abwurf Platz zehn – direkt hinter Marco Kutscher. Super lief es für Bröckmann auch an seinem ersten Tag in Lenklar: In einer Einlaufprüfung der Klasse M* sicherte er sich mit dem ebenfalls selbst gezogenen und ausgebildeten Diddy die Goldene Schleife – vor Schulze Topphoff und Gerrit Nieberg, die vier Tage zuvor noch beim Weltcup-Finale in Leipzig die deutschen Farben vertraten.

Diddy und Chloé, die beiden Erfolgspferde, entstammen erstklassigem Blut aus der Zucht von Paul Schockemöhle: Väter sind Diarado und Chacco-Blue. Kein Zufall, denn Bröckmann absolvierte seine Ausbildung zum Pferdewirt von 2007 bis 2010 bei Peter Wernke in Holdorf. „Und das war keine drei Minuten von der Hengststation Schockemöhle weg.“ Von Zuhause aus war er vorbelastet: „Eltern und Großeltern haben immer schon Pferde gehabt und selbst gezüchtet. Ich bin damit aufgewachsen und reingewachsen.“ Dennoch begann er erst „mit zwölf oder 13 Jahren“ mit der Reiterei.

Viel gelernt in Kanada und Florida

Die Ausbildung bei Wernke habe ihn rausgeholt aus der Komfortzone: „Wenn zuhause das Nutella-Glas leer war, war‘s am anderen Morgen wieder voll. Da musste man sich um nichts kümmern. Aber dort war dann am nächsten Tag der Kühlschrank immer noch leer, wenn du nicht selber losgefahren bist.“ Danach arbeitete Bröckmann für eineinhalb Jahre beim damaligen Weltklasse-Reiter Hugh Graham in Kanada und Florida. „Da habe ich sehr viel gelernt.“ Und gute Kontakte geknüpft: „Ich habe noch viele Freunde dort und telefoniere auch heute noch fast wöchentlich mit dem alten Chef.“

Aus dieser Zeit hat er viel mitgenommen für seine heutigen Tätigkeiten. Im heimischen Betrieb dreht sich für den Land- und Pferdewirt alles um die Vierbeiner – inklusive Anbau des Futters. Aus beruflicher Sicht gehört halt auch das Reiten dazu: Unterricht zum Beispiel. „Um den zu geben, sollte man selber auf Turnieren mitmachen und selber auch mal was hinkriegen – so rein vorbildmäßig für die Schüler“, sagt Bröckmann. Insgesamt habe er schon einen Sieben-Tage-Job, manchmal auch 24 Stunden am Tag. „Aber irgendwo gibt es auch nichts Schöneres. Ich gehe morgens raus und mache, was mir Spaß macht.“

„Pferde sind keine Maschinen“

Natürlich hofft er, in der Zucht weiter so erfolgreich zu sein. Vielversprechender Nachwuchs steht im Stall. Garantien gibt es nicht, und er ist zufrieden mit dem Ist-Zustand. Auch sportlich: „Wenn es so läuft wie im letzten Jahr, dann ist es gut. Wenn es mehr wird, umso schöner. Aber Pferde sind keine Maschinen.“ Trotz des ersten Viersterne-Auftritts mit Chloé ist die „DM noch sehr weit weg“, die Provinz ganz nah: „Jetzt kommt Brakel, dann ein Wochenende frei, dann Niederbergheim, weiter habe ich nicht geplant.“

Es habe für Chloé zwar schon das eine oder andere unmoralische Angebot gegeben, berichtet Bröckmann, doch seine sprunggewaltige Westfalenstute zu verkaufen, komme ihm nicht in den Sinn: „Die bleibt“, sagt er, und Lebensgefährtin Alina ergänzt: „Es ist ein Familienpferd.“ Überhaupt Familie: „Ich werde Papa“, sagt Bröckmann: „Ich hoffe, dass alle gesund bleiben und dass das alles gut klappt im Juli.“

Auch interessant

Kommentare