Ringen

Stefanie Krampe über das Comeback auf der Matte

Stefanie Krampe hat schon in jungen Jahren unter ihrem Mädchennamen regionale Titel erkämpft.
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Stefanie Krampe hat schon in jungen Jahren unter ihrem Mädchennamen regionale Titel erkämpft.

Zum ersten Mal seit fast drei Jahren traten die Ringer der TuS Bönen unter eigener Fahne auf die Matte. 2019 hatten sie teils als Gastringer für den KSV Werries im Hammer Osten gerungen. 

Bönen - Unter die Männer in roten Trikots hatte sich eine Frau gemischt: „Stefanie Krampe, früher Steffi Seifert“, stellte Hallensprecher Uwe Manz sie vor.

Vielen auf der Tribüne sagte der Mädchenname der 34-Jährigen noch etwas, auf der Bank saßen mit Marc Strzalka und Marvin Manz Weggefährten aus der Jugend. Elke Wegner gehörte schon vor 20 Jahren zum Betreuerteam der TuS-Ringer. Die Szenerie während des ersten Meisterschaftskampfes der Bezirksligasaison 2021 gegen den KSV Kirchlinde II (43:22) wirkte vertraut. Krampe und ihre Söhne Elias (7), Leonas (4) und Jonas (16 Wochen) fühlten sich offensichtlich wohl.

Auf Kampfgewicht gebracht

„Ich war ganz schön nervös. Nach so langer Zeit, vor so vielen Leuten im Mittelpunkt zu stehen“, gibt Krampe zu. Obwohl sie ja gar nicht zum Einsatz kam. „Leider“, sagt sie. Hatte sie sich doch in zwei Tagen auf Kampfgewicht gebracht. „Einen Tag zuvor hatte ich noch 60 Kilo auf der Waage, um 19 Uhr dann 57,7 kg“, erzählt sie von „harter Arbeit“ unter den Augen der Nordbögger Nachbarschaft. „Joggen mit T-Shirt, darüber Plastiktüte und zwei Pullover – das sieht schon komisch aus“, sagt sie. Den Kinderwagen mit Jonas, dem Hund und Krampe auf Inlinern skatend am Griff kennen die Bönener inzwischen. „Ich war immer sportlich“, sagt sie.

Angefangen mit dem Leistungssport hat Krampe bei den TuS-Sportakrobaten. „Es war so ein Abholgespräch“, erzählt die 34-Jährige vom Wechsel der Abteilung. „Mein Vater Willi und Norbert Kolodziejski (Ex-Ringer) haben nach unserem Training, das vor dem der Ringer stattfand, längere Zeit gebabbelt. Nobbi meinte dann, geh du doch so lange auf die Matte. Ab dem Tag bin ich nie mehr zu den Sportakrobaten gegangen.“

Mit der Pubertät war Schluss

Zehn Jahre blieb Krampe dabei. Es war eine äußerst erfolgreiche Zeit: „1994 die Kreismeisterschaft, 22 kg, zweiter Platz. Viermal waren es Silbermedaillen, sonst aber nur Goldene. Auf Kreis-, Westfalen, aber auch auf Landesmeisterschaften. Ich habe meine Titel auch immer verteidigt.“ Als Gedächtnisstütze hat sie den Sammelordner vom Vater wiederentdeckt. „Meine Jungs haben gestaunt, als ich ihn gestern durchgeblättert habe. Und ich bin damals nach den Zeitungsberichten natürlich ganz stolz in die Schule gegangen.“

Mit 14 Jahren hörte Krampe auf. „Pubertät. Da hat man viele Interessen, nur nicht den Sport“, erzählt sie. Außerdem gab es damals die Regel, dass Frauen unter den Trikots keine BHs tragen durften. „Es gab Kampfrichter, die das durchgesetzt haben. Da hast du dich als Frau natürlich nicht wohl gefühlt.“

Ausbildung, Freund, zehn Jahre das „Abenteuer Großstadt Frankfurt“, Studium der Sozialen Arbeit und schließlich die Rückkehr als Familie in die Heimat. „Ich habe dann bezüglich der Kinder gleich bei der TuS angefragt, gell“, sagt Krampe mit leichtem hessischen Einschlag. „In Frankfurt war es das Woll und Jau, das mich sofort verraten hat, hier eben jetzt das Gell“, sagt sie schmunzelnd.

Eine Rechnung ist noch offen

„Das Training bei der TuS ist für die Kinder richtig gut. Es wird ja nicht nur gekämpft. Es ist ein Teamsport, alle ziehen an einem Strang“, freut sich Krampe. „Elias kannte ja niemanden hier, hat jetzt Selbstbewusstsein und hat motorisch richtig was mitgenommen aus dem Training.“ Das Familiäre sei im Verein erhalten geblieben. „Man kümmert sich um jeden Einzelnen.“

Sie selber habe nicht sofort daran gedacht, wieder aktiv zu werden. „Natürlich hat es gekribbelt, als ich Elias begleitet habe. Marvin hat mich dann angesprochen“, erzählt Krampe vom Comeback. Gekämpft hat sie noch nicht. „Ich habe auch keine Trainingspartnerin, ringe mit Marvin, Marc oder Fabian Kos. Die neuen Regeln muss ich noch lernen. Damals als Kind ist man im Training ja da reingewachsen. Gewicht mache ich im Training mit Unterstützung meiner Freundin Nina Vogel. Die ist beim Badminton, aber vielleicht packt sie ja noch das Ringerfieber.“

Außerdem habe sie noch eine Rechnung offen, begründet Krampe die Rückkehr zum Lieblingssport. Welche verrät sie nicht.

Gepunktet hat Krampe bisher kampflos. Am Samstag, 23. Oktober, kommt es dann gleich zu einem besonderen Duell auf der Matte der MCG-Halle. Zu Gast ist der KSV Hohenlimburg mit Fabienne Manz. „Das wird spannend!“, freut sich Krampe. Zum einen auf den ersten Kampf. Und das gleich gegen die Tochter ihres früheren Trainers Ingo Manz. Hoffentlich kein schlechtes Omen: Als größtes Negativereignis ihrer so erfolgreichen Jugendkarriere nennt sie nämlich einen dritten Platz nach einer Niederlage gegen die Trainertochter aus Kemminghausen.

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