BVB und Schalke machen Amateuren sonntags Konkurrenz

+
Ob die BVB-Fahne auch Anfang Oktober beim Derby am Rehbusch aufgehängt wird, wenn zeitgleich die Dortmunder Stars bei ihren Spiel gegen Bayern im Fernsehen übertragen werden, ist fraglich.

Bönen - Durch die Teilnahme an der Europa-League beziehungsweise die Qualifikation auf dem Weg dahin müssen Schalke 04 und Borussia Dortmund viele Bundesligaspiele am Sonntag austragen.

Der Tag, der einst den Amateuren gehörte, wird dann von den beiden populären Revierklubs in Beschlag genommen. Die Bönener Vereine sehen es mit unterschiedlichen Erwartungen, teilen sich aber das Gefühl der Machtlosigkeit.

„Ändern können wir es ja nicht“, sagt Thorsten Würz, Vorsitzender vom VfK Nordbögge. Sein Kollege Peter Hahnemann von der SpVg Bönen pflichtet ihm bei und sorgt sich um die Zuschauer. „Ich kann ja verstehen, dass die sonntags spielen. Aber das ist wieder ein Schlag ins Gesicht der Amateurvereine“, befürchtet er eine Geisterkulisse am Rehbusch, wenn parallel Schwarz-Gelb und Königsblau spielen.

Dadurch dass die beiden Bundesligisten im Europapokal am Donnerstag im Einsatz sind, dürfen sie in der Liga nicht am Samstag antreten. Und damit kommen sie den Fußballern, aber auch den RSV-Handballern sowie der Tischtennis-Regionalliga-Mannschaft der TTF Bönen in die Quere, die ihre Heimspiele traditionell am Sonntag ausrichten.

An den ersten sieben, bislang festgesetzten Spieltagen tritt der BVB viermal an Sonntagen an, Schalke immerhin dreimal. Mit Spielverlegungen haben sich die Bönener Vereine bisher nicht beschäftigt. „So weit sind wir noch nicht“, sagt Hahnemann. Einen Termin hat er aber schon im Blick. Am 4. Oktober steigt am Rehbusch das Derby gegen den VfK Nordbögge. In der Woche ist ein Europa-League-Spieltag, so dass davon auszugehen ist, dass die Knallerpartie Bayern gegen Dortmund sowie auch Schalke gegen Köln ebenfalls am Sonntag stattfinden werden. „Wir müssen mal gucken, ob wir das Spiel nicht auf Samstag verlegen, da ist ja auch ein Feiertag“, sagt Hahnemann, „aber das ist nicht so einfach. Es müssen schließlich alle Helfer Zeit haben.“

Eine Spielverlegung kommt für die Handballer des RSV Altenbögge gar nicht in Frage. „Als die Saison im März geplant wurde, haben wir uns nach einem bestimmten Schlüssel abgesprochen. Nur weil Borussia spielt, kann das kein Grund sein, die Spiele zu verlegen“, erklärt der Vorsitzende Karsten Schilling, selbst Dortmund-Fan, die festen Termine. Durch die vielen Jugendspiele und die der anderen Seniorenteams am Wochenende könne die erste Mannschaft bei Heimspielen nicht so einfach von ihrer gewohnten Anstoßzeit 18 Uhr abweichen.

Im Verein gebe es Dauerkarten-Besitzer, die wenn ihr Verein spielt, wohl nicht Handball spielen werden. „Ich erwarte aber, dass man, wenn man ein wichtiges Spiel vor der Brust hat, eine Lösung findet“, so Schilling. Auch bei der SpVg gibt es in Steven Steinwachs einen riesengroßen Schalke-Fan. Der Torhüter hatte sich deshalb sogar abgemeldet, steht nun immerhin an den Sonntagen an denen die Gelsenkirchener frei haben, für die Bönener Reserve auf dem Platz.

Die Nordbögger haben auf ihre Weise reagiert. Die Europa-League-Partien der beiden Revierklubs waren mit ein Grund, ein Sky-Abonnement für das Vereinsheim abzuschließen. „Wenn um 17.30 Uhr gespielt wird, ist das sogar ganz gut, dann holen wir die Kosten auch wieder rein“, hofft Würz auf die Kombination aus Amateurfußball live und Bundesliga im TV.

Weniger Schwierigkeiten sehen die anderen Fußballvereine. „Bei uns sind eher Galatarasay und Fenerbahce ein Problem“, sagt Peter Thiemann der Sportliche Leiter der IG Bönen. Dirk Stratmann, Vorsitzender des TVG Flierich-Lenningsen, erkennt wenig Konfliktpotenzial am Butterwinkel. „Wir haben nicht viele, die Dauerkarten besitzen, weil viele Studenten sind und dafür kein Geld haben, und unser Klientel am Rand sind eher ältere Vereinsmitglieder, die nicht mehr ins Stadion gehen.“ Die Tischtennisfreunde zu guter Letzt rechnen nicht mit Auswirkungen auf die Spiele. „Vielleicht, dass alle öfter auf ihre Smartphones gucken werden als auf die Spiele am Tisch“, schmunzelt Jan Lüke, der selbst an der Platte steht.

Eine einfache Lösung hat Bayern-Fan Hahnemann noch parat: „Es wäre besser, wenn sich die Klubs aus NRW wieder für die Champions League qualifizieren.“ Müssen sich die Dortmunder und Schalker einfach mehr anstrengen – zum Wohl Amateurfußballs.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare