Fitness

Sercan Engin macht die Profis fit

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Sercan Engin: Als Personal Trainer coacht er auch Profifußballer.

„Ich mache dich fit“, behauptet der Bönener Sercan Engin selbstbewusst. Im Nachgang erklärt der Personal Trainer auf seiner Webpräsenz aber gleich, dass 50 Prozent davon harte Arbeit werden.

Hamm - Oder besser gesagt: 100 Prozent, denn Engin setzt nicht nur auf den individuell erstellten Trainingsplan, sondern ebenfalls auf eine richtige Ernährung.

Was der 30-jährige Personal Trainer behauptet, hat offensichtlich Hand und Fuß. Der Sportwissenschaftler stellt seine Befähigungsnachweise gleich neben sein Leistungsportfolio. Engin kommt vom Fußball, spielte in der Jugend bei der SpVg Bönen, dann bei Roland Beckum, aktuell liegt sein Spielerpass beim ambitionierten Königsborner SV, Tabellenführer der Kreisliga A2. „Tobias Wittwer und Daniel Krahn haben mich überredet, dass ich mal ab und zu vorbeischaue, wenn ich Zeit habe. Ein Spiel habe ich schon gemacht.“

Wenn es seine Zeit zulässt, will er für den KSV auflaufen. Wenn, denn zu der Arbeit im eigenem Unternehmen kommt der Sportunterricht an einer Dortmunder Grundschule. „Als Sportwissenschaftler konnte ich quer einsteigen“, erzählt er. „Zu der Schule in der Gartenstadt bin ich über ein Schulprojekt des BVB gekommen.“ Mit dem Bundesligisten ist der Bönener eng verbunden. Als Jugendtrainer der Dortmunder Nachwuchsmannschaften im Leistungszentrum arbeitet der Inhaber der Uefa-A-Lizenz inzwischen nicht mehr. Die künftigen Profis an der Fußballakademie der Borussen berät Engin aber in Sachen Ernährung.

Der gute Draht zum BVB

Aus dem Bereich Fußball erhält Engin auch die meisten Anfragen für das Coaching. „Ich hatte ja das Glück, dass ich meine Jungs beim BVB vier Jahre behalten durfte, das ist schon außergewöhnlich“, sagt er. „Durch die ganzen deutschlandweiten Turniere habe ich die Toptalente dieses 2004er Jahrgangs kennengelernt, auch aus anderen Vereinen.“ Engin hat folglich einen Draht zu U16-Nationalspielern. „Von meinen ehemaligen Borussen standen zuletzt vier Spieler in der Startelf der Nationalmannschaft. Zwei, Ngufor Anubodem und Semin Kojic, spielen mittlerweile bei Schalke. Nnamdi Collins, der ist auch Kapitän, und Samuel Bamba sind noch bei Borussia.“ Für Collins, der angeblich auf der Einkaufsliste eines englischen Klubs steht, erstellte Engin kürzlich einen individuellen Trainingsplan. Kojic hat beim Bönener Mentaltraining gebucht. „Ich biete ihm aber auch Zusatztraining an.“ Die Nachfrage unter den Nachwuchskickern der Bundesligavereine von Bremen bis München sei keineswegs auf die Coronazeit beschränkt, sagt Engin. „Mein Angebot deckt ja alles ab, ein Alleinstellungsmerkmal. Ich erstelle ja Krafttrainings- und Ernährungspläne und biete mentales Training an.“ Es seien aber auch Spieler aus dem Seniorenbereich der Profiligen dabei. Namen nennt Engin nicht. „Diskretion ist wichtig. Verständlich. Die Spieler erzählen mir von ihren Schwachstellen, ihren mentalen Problemen. Das galt ja früher auch noch als Schwäche.“ Inzwischen würden die Topspieler bewusst mentales Training buchen, um Zweifel an der Leistungsfähigkeit nicht aufkommen zu lassen oder zu beseitigen. „BVB-Keeper Roman Bürki hat sich dazu zuletzt in einem Interview geäußert“, erzählt der Bönener: „Selbstbewusstsein ist trainierbar!“

Diskretion ist Ehrensache

Die Palette an Zertifikaten, die Engin vorweist, liegt in seiner Zeit als Fußballer begründet. „Ich wollte in meiner Ausbildung an der Sporthochschule Köln und auf dem Weg zur A-Lizenz das nachholen, was ich in der Zeit als Spieler selber vermisst habe.“ Kein schlechter Plan. Als er bei Borussia angefangen hat, sei er gleich in Sachen Ernährung eingespannt worden. „Ich durfte das direkt bei der U19 anwenden. Es folgte eine Fortbildung für die Eltern und ein Ernährungskonzept für den Jugendbereich des BVB und ein Ernährungsbuch, ein Topseller, dem mein Konzept zugrunde liegt. Dadurch kennen mich auch viele Spieler und sprechen mich als Coach an.“ Fußballer bräuchten nicht nur Kohlenhydrate. „Das Timing, wann Proteine, Kohlenhydrate oder Omega3-Fettsäuren ist wichtig.“

Diskretion und Distanz zu Profis gehört für Engin dazu. Mit Christian Pulisic’ Vater Marc, der zeitgleich beim BVB als Jugendtrainer gearbeitet hat, hat der Bönener weiter Kontakt. Der Außenstürmer spielt inzwischen bekanntlich bei Chelsea. „Die Familie hätten wir eigentlich jetzt in den Osterferien besucht“, bedauert Engin.

Eine Konsequenz der Pandemie ist für Engin das Homeoffice. Nebeneinander laufen ginge zwar, er schreibe aber vermehrt Trainingspläne und nutze Onlinemöglichkeiten. „Die Spieler wollen beschäftigt werden, gezielt an ihren Defiziten arbeiten, das geht nur mit individuellem Training.“ In Zwangspausen sei es eine Option, Kraft- und Sprintwerte zu steigern. „Diese hohe Belastung ist in der Saison gar nicht möglich, dann wäre der Spieler zwei, drei Tage aus dem Mannschaftstraining raus.“ Motivation von einer dritten Person sei immer wichtig. „Ich bin sozusagen das personifizierte, schlechte Gewissen“, meint Engin. Wer einen Eindruck bekommen möchte, kann bei seinem kostenlosen Trainingsprogramm auf Instagram mitmachen, das der Bönener in der kommenden Woche online stellen wird: „Einfache Übungen in einer Anfänger- und Fortgeschrittenen-Version.“

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