Sechs Stunden Runden am Zechenturm Bönen

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Michael Klein (gelb) gibt hier beim Lauf um den Turm die Richtung vor. Der Lauffreund initierte jetzt den 1. Ultralauf.

Bönen - Sechs Stunden Laufen. Verrückt, oder? Es gibt aber Menschen, die diese sogenannten Ultraläufe machen. Und das gerne und sogar mehrmals im Jahr. Einer davon ist Michael Klein, Lauftrainer der Lauffreunde Bönen. Er plant am 28. Juli den 1. Sechsstundenlauf am Bönener Zechenturm. „Ich rechne schon mit einer Teilnehmerzahl um die 100“, sagt der Bönener. 200 könnten kommen, so viel verkrafte die Organisation.

Klein selbst läuft seit sechs Jahren Ultraläufe. Auf der Langstrecke bewegt sich der frühere Fußballer seit acht Jahren. Zum Laufen kam er wegen Gewichtsproblemen. Er wog 123 kg, unvorstellbar für Menschen, die ihn heute sehen. „Damals hat Hartmut Stöpel einen Aufbaukurs angeboten“, erzählt er, „ich bin danach orthopädisch wertvoller gelaufen.“ Nach Stöpels Ausstieg bei den Lauffreunden wurde er dessen Nachfolger und bietet selbst solche Aufbaukurse an. „Viele, die bei uns im Verein auch Ultraläufe machen, kommen aus dem Aufbaukurs“, weiß Klein. „Michael Flory, Markus Meier und die ambitionierten Frauen Janine Moritz, Manuela Lassahn sowie Jutta Picker fallen mir jetzt spontan ein.“ Alle hätten wie er über den Aufbaukurs zum Laufen gefunden. „Wollten zum Beispiel als Paar etwas gemeinsam unternehmen, etwas gemeinsam für die Fitness tun“, nennt Klein eine Motivation.

„Ich muss einen Lauf genießen können, die Landschaft wahrnehmen“, sagt der 52-Jährige. Schön sei zum Beispiel der „Rotweinlauf“ in Bad Neuenahr. „Dort sind die Verpflegungsstationen mit einer Weinprobe verbunden, und da wird nicht nur ein Pinchen gereicht.“ Klein will mit einer Lauffreundegruppe in diesem Jahr dort wieder teilnehmen und „dann jede Station mitnehmen.“

Den inneren Schweinehund zu besiegen, die Grenzen des eigenen Willens auszureizen, gehöre natürlich bei solchen Läufen immer dazu, um das Ziel zu erreichen. „Den anderen leiden zu sehen, verbindet auch“, bemerkt Klein schmunzelnd. Immer länger unterwegs zu sein, sei hingegen nicht maßgeblich als Motivation für ihn. Der Lauf muss ihn reizen.

Der nächste, der ihn reizt, ist der Tripelmarathon in Eelde (Holland): gerundet 126 km, dreimal 42,195 km. Nach jedem Marathon gibt es eine „Cut Time“. Ist diese erreicht, startet ein paar Kilometer weiter der nächste Langstreckenlauf. Reizen tut Klein auch der Rekener Tower Run, ein Marathon rauf auf den Turm und wieder runter. Events wie der Strongman locken den Bönener nicht. „Ich bin Brillenträger – das funktioniert sowieso nicht.“

Die Neugier, Neues auszuprobieren, scheint Klein angeboren. Er gehörte zum letzten Lehrjahr Bergmechanikern der Zeche Königsborn, arbeitete für Pharmaindustrie und als Versicherungsvertreter. Momentan führt der gelernte Schreiner als Honorarkraft Potenzialanalysen in der Werkstatt Unna durch. „Ins Traineramt bin ich ja eher hereingedrängt worden“, sagt er. „Scheine“ wie Laufinstructor 1/2 oder Lehrtrainer A. Nutzen des „Hobbys“: Klein sorgt sich auch um die Fitness der KiK-Beschäftigten.

„Unseren Lauf werden die Läufer als Vorbereitung für die Herbstmarathons nutzen“, ist sich Klein sicher ob des Zuspruchs. Sechs Stunden stehen an. Das ist meist keine reine Laufzeit. „Reines Kilometerfressen.“ Wer, wie lange Pausen macht, bleibe jedem selbst überlassen. Die Runde plant Klein als 1,3 bis 1,5 km-Distanz direkt am Turm. Absperren von Straßen entfällt. Der Vorteil der Örtlichkeit ist vom Lauf um den Turm bekannt: Die TuS stellt die Umkleiden zur Verfügung, für gute Verpflegung sorgen die Vereinsmitglieder. Der Förderverein des Turms unterstützt wie auch im Januar. Sponsoren hat Klein ebenfalls an der Hand.

Die Strecke wird zwar mit Messrad und mit GPS-Unterstützung vermessen, ist aber nicht bestenlistenfähig. Die Zeitmessung wird übrigens elektronisch erfolgen. Ein Novum in der Geschichte von Laufveranstaltungen des Bönener Vereins und zugleich Test für den Volkslauf 2019.

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