„Macht auch in der Kreisliga keinen Spaß“

Schalker Schicksal weckt bei Bönener Kickern Erinnerungen an Sieglos-Serien

Sebastian Schlieper als Linksaußen des TVG Flierich-Lenningsen in einem Spiel am Anfang der Seuchensaison 2011/12.
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Sebastian Schlieper als Linksaußen des TVG Flierich-Lenningsen in einem Spiel am Anfang der Seuchensaison 2011/12. Wegen einer Verletzung war der heutige stellvertretende Vorsitzende anschließend lange außer Gefecht.

Der FC Schalke 04 ist mit 30 Sieglos-Spielen in Folge in der Bundesliga nur noch ein Spiel vom „Rekord“ von Tasmania Berlin entfernt. Das Schicksal der Königsblauen weckt auch bei Bönener Kickern Erinnerungen an längere Serien ohne Erfolg.

Bönen – Ganz duster sieht es momentan beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 aus. Der Traditionsverein steht vor dem 15. Spieltag als einziges siegloses Team am Tabellenende. Noch schlimmer: Saisonübergreifend sind die Gelsenkirchener nahe dran am einzigartigen „Rekord“ von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66. Die Berliner Amateure, die damals wegen der Suspendierung der großen Hertha in eine übermächtige Profiliga aufrückten, blieben 31 Spieltage ohne Sieg, den Knappen fehlt so gesehen nur noch ein Spieltag.

Eine Meisterschaftsrunde ohne Erfolgserlebnisse kennen auch die Fußballer des TVG Flierich-Lenningsen und des VfK Nordbögge, heute beide in der Kreisliga B beheimatet. Besser als Schalke standen beide Bönener Teams in der imaginären Rekord-Statistik da. Die Germanen schlugen am 18. Spieltag der Saison 2011/12 den TuS Uentrop mit 3:1. Der VfK schlug bereits am siebten Spieltag der Saison 2015/16 TuS Germania Lohauserholz mit 6:2. Beide Teams holten bei ihren Kurzauftritten in der Kreisliga A nur diesen einen Sieg und stiegen chancenlos ab.

„Oh Mann. Das war eine Saison. Aufstieg, Trainer Uwe Barkawitz (ging zur SpVg Bönen) und nahezu der komplette Kader weg, unter anderen Steven und Dennis Hohn. Die Zweite musste Kreisliga A spielen“, erinnert sich Flierichs Linksaußen Sebastian Schlieper, der dabei blieb, aber schon nach dem zweiten Spiel der Hinrunde mit Innenbandriss passen musste.

Einer aus dieser Zweiten war Thorsten Bennemann. Der Mittelfeldspieler in seinem zweiten Seniorenjahr wechselte zur Rückrunde aus der Kreisliga C in die A. „Sch...“, beschreibt er das Gefühl. „Spaß macht so eine Saison auch in der Kreisliga nicht. Und deswegen spielt man ja Fußball. Wir haben ja auch viele Klatschen kassiert.“ Es sei ja auch kein Auf- und Ab gewesen. „Mit so etwas kann man ja umgehen. Aber wenn man sich jedes Wochenende überwinden muss anzutreten, obwohl man ahnt, dass man erneut verliert. Dann dieses Mitleid, das der Gegner vielleicht zeigt, nee.“ Immerhin hätte früh festgestanden, dass die Fliericher direkt wieder absteigen würden. „Wir haben uns dann durch die Saison gequält“, so Bennemann.

„Wir wollten dann in der Rückrunde nur noch Planungssicherheit für die nächste Saison, die laufende war ja gänzlich ungeeignet, sportliche Ziele zu definieren“, ergänzt Schlieper, aktuell auch stellvertretender Vorsitzender der Germanen.

„Ich war der einzige, der das ganze Jahr durchgezogen hat“, erinnert sich Nordbögges Stürmer Jonas Wiggermann an das Seuchenjahr 2015/16 mit dem VfK. Immerhin spielten die Nordbögger nach dem Aufstieg 2013 drei Spielzeiten in der höchsten Kreisliga. Der Aufstiegskader unter anderem mit Sebastian Pannek, Spielertrainer Dennis Juraschuk und dem aktuellen Coach Lars Lenser war stark, wurde Siebter, Dritter und Sechster, brach dann aber fast komplett auseinander. „Juraschuk und Sven Kaczor hatten aufgehört. Eike Hoffmann ging dann ein halbes Jahr zum Studieren nach Australien. Lars dann in der Winterpause nach Bönen. Nee. Wir waren absolut nicht tauglich für die A-Liga. Wir waren ja jung und unerfahren“, sagt Wiggermann.

Positiv sei aber gewesen, dass sich die Mannschaft privat gut verstanden hätte. „Es war ja nicht oft so, dass wir knapp verloren haben“, erzählt Wiggermann, „so konnten wir die Niederlage nach den 90 Minuten schnell vergessen. Wir haben uns nicht viel angenommen von den Niederlagen.“ Ärgerlich sei gewesen, dass die guten Vorsätze vor dem nächsten Spiel schnell wieder vergessen wurden. „Es waren zwei Leute, nämlich Robin Wittenborn, der während der Saison aus der Zweiten hochkam, und ich, die sich gegen die Niederlagen gestemmt und versucht haben, die anderen mitzuziehen. Das war natürlich zu wenig“, sagt Wiggermann.

„Wir hatten selber nicht das Gefühl, dass es aussichtslos war, jeden Sonntag auf den Platz zu gehen“, meint Lenser zur Hinrunde 2015. „Wir waren ja auch nicht in allen Spielen unterlegen, es waren oft doofe Fehler, die uns zurück warfen“, erklärt der Mittelfeldspieler und jetzige Trainer des VfK. „In die Saison sind wir auch positiv gestimmt gestartet, haben im Pokal gegen den damaligen Bezirksligisten TuRa Bergkamen nur knapp verloren (0:2), im Derby gegen Bönen 0:0 gespielt. Nach zehn Spielen und nur vier Punkten macht man sich aber natürlich Gedanken.“ Sein Abgang in der Winterpause habe damit aber nichts zu tun gehabt. „Das war nicht ausschlaggebend“, sagt Lenser – es hätte außerhalb der Mannschaft und Trainer Jürgen Serr hinter den Kulissen geknatscht.

„Wir waren qualitativ deutlich besser als Schalke“, blickt derweil Stürmer Wiggermann in Anspielung auf den einzigen aber frühen Saisonsieg 2015, zu dem er das 3:0 beisteuerte, mit Galgenhumor zurück. „Und wir würden auch heute gegen sie antreten. Die sollen sich bei mir einfach melden“, so der Fan von Borussia Mönchengladbach.

In die gleiche Kerbe schlägt auch BVB-Anhänger Bennemann: „Wir haben damals wenigstens einen Sieg geschafft, also mehr als Schalke“, schließt der Fliericher. Mal gucken, ob den Blau-Weißen das noch gelingt. Tasmania Berlin gelang nach dem 2:0 über den Karlsruher SC bis zum 34. Spieltag der Saison 1965/66 immerhin noch ein zweiter Sieg – am vorletzten Spieltag mit 2:1 über Mitabsteiger Borussia Neunkirchen. Schalke, als 14., schon damals nicht überzeugend, schlug den Absteiger exakt zum Ligaabschied mit 4:0.

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