SpVg-Bilanz: Auf Highlight folgt verkorkste Saison

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Das Saisonende ist eine Zeit deas Abschiedsnehmen: Der SpVg-Vorsitzende Peter Hahnemann (rechts) bedankt sich bei Trainer Axel Maurischat und dem Thekenteam des Vereinsheim.

Bönen -  Was vor einem Jahr ein symbolischer Akt gewesen war, zeugte nun von höchster Not bei der SpVg Bönen. Altherren-Spieler Thorsten Symmank lief zum Saisonabschluss 2013/2014 einmal gemeinsam mit Sohn Sören auf. Diesmal kam der fast 50-Jährige eine Liga höher auf mehr Einsätze – denn am Ende gingen dem Absteiger die Akteure aus.

Auch Coach Trainer Axel Maurischat – immerhin Baujahr 1964 – schnürte im letzten Spiel die Schuhe. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt war ihm wohl klar, dass sein Rücktritt vom Traineramt Mitte Mai die richtige Entscheidung gewesen war. Nach der Niederlage am 10. Mai beim TSC Hamm, durch die die letzte Hoffnung auf den Klassenerhalt verflogen war, präsentierte sich die SpVg nicht mehr bezirksliga-tauglich. Die Mannschaft, die sich nach dem Saisonende in alle Winde zerstreut, brach auseinander. Ohne Altherren-Spieler oder die Verstärkung aus der Reserve hätte Bönen wohl mehrmals nicht antreten können. Die Trainingsbeteiligung ließ ab Mitte der Rückrunde sowieso schon zu wünschen übrig. „Das war ein verkorkstes Jahr“, bilanziert Maurischat.

Die letzte Saison – besonders aber natürlich die letzten sechs Spiele mit fünf Niederlagen und 6:27 Toren legen sich wie ein Schatten auf die vier Jahre, die Maurischat am Rehbusch aktiv war. Der 51-Jährige übernahm das Traineramt von Uwe Barkawitz, und es begann eine erfolgreiche Zeit. „Alle haben uns als Absteiger betitelt, weil ohne Ende Spieler abgehauen sind – und dann waren wir fast Meister“, erinnert sich Maurischat an eine tolle Saison 2012/2013, in der Bönen erst kurz vor Schluss die Spitzenposition an Overberge verlor, und erst mit der Derby-Niederlage am letzten Spieltag gegen den VfK Nordbögge ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg verspielte.

Das eingeschworene Team wollte das Verpasste unbedingt ein Jahr später nachholen – und spielte eine beeindruckende Serie mit 23 Siegen und 116 Toren. „Das i-Tüpfelchen war dann, dass wir als Underdog das Endspiel gewonnen haben. Denn Massen war eigentlich Favorit. Das Spiel war für jeden ein Highlight“, erinnert sich Maurischat gerne an das 4:2 vor über 1000 Zuschauern in Oberaden zurück. „Wir haben hinten gut gestanden und hatten vorne viel Offensivkraft mit Ramazan Dincer, Kevin Scheibke, Thorsten Renk, Ruchan Akman und Hakan Elik. Das hat uns ausgezeichnet“, sagt der Meistercoach.

Bönen schaffte es allerdings nicht, den Schwung in die Bezirksliga mitzunehmen, vielmehr entwickelten sich an allen Ecken Reibungspunkte. „Da war zu viel Drumherum“, sagt Maurischat im Nachhinein: „Spieler, die ich mal runtergegeben habe, sind in der zweiten Mannschaft geblieben.“ Der Kader wurde kleiner. Der Verein trennte sich von Torwarttrainer Jörg Baumann, der Sportlichen Leiter Hansi Sack brachte eine andere Art Autorität ins Trainerteam als Kumpeltyp Maurischat, dessen Jovialität allerdings ebenfalls nicht mehr fruchtete.

Dennoch: Die SpVg überwinterte – wenn auch knapp – auf einem Nichtabstiegsplatz. Und die Rückrunde wäre wohl anders verlaufen, wenn Bönen nicht zum Start gegen die Mitkonkurrenten Lippstadt II und Ahlen Führungen in den Schlussminuten verspielt hätte. „Das hätte alles nicht sein müssen. Wir haben bis auf die letzten Spiele immer mitgehalten“, meint Maurischat. Dazu schlugen die Verletzungsausfälle zusehends ins Kontor, was die Winterverstärkungen nicht auffangen konnten. Bönen fehlten neben der Torgefahr nun auch die Führungsspieler, und so taumelte die SpVg dem Abstieg entgegen. Sie wehrte sich noch einmal gegen Herringen, doch innerlich war die Mannschaft zerbrochen.

Immer die gleichen Spieler kamen zum Training, die anderen blieben teils ohne Abmeldungen fern. „Das war schlechter Charakter. So was kenne ich aus meiner Zeit gar nicht“, so der enttäuschende Trainer, der nun mehr Zeit mit Frau Kerstin verbringen möchte: „Ich will eigentlich nichts mehr machen, aber man soll nie nie sagen.“ Neben Maurischat wollen auch die Betreuer Ulrich Herbst-Linke und Rainer Brinkrolf aufhören. Unter dem neuen Coach Hendrik Dördelmann steht der SpVg wieder ein Neuanfang bevor.

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