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Schulbetrieb bei der RG Bönen-Hacheney steht kurz vor dem Aus

Rolf Aust will  als Ehrenamtler keine strafrechtlich relevanten Risiken eingehen.
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Rolf Aust will als Ehrenamtler keine strafrechtlich relevanten Risiken eingehen.

Ein geregelter Schulbetrieb ist derzeit nicht möglich. Deshalb fehlen der RG Bönen-Hacheney wichtige Einnahmen. Das stürzt den Verein in große Probleme.

Bönen – Drei Schulpferde besitzt die Reitgemeinschaft Bönen-Hacheney. Viel Beschäftigung bekommen die Tiere in diesem Jahr nicht. Im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr standen die Pferde im Stall, im zweiten im November jetzt auch. Sie werden nur tierschutzrechtlich regelmäßig bewegt – coronakonform wie schon von März bis Mai. Ansonsten kosten die Tiere nur.

Auf die wichtigen Einnahmen durch die regelmäßigen Schulstunden musste und muss der Verein nämlich komplett verzichten – ein Training ist aktuell nur eins zu eins möglich und damit unrentabel. Pferdeboxen, Futter, Hufschmied und Tierarzt – vom 16. März bis zum 31. Mai in der Summe von knapp 3500 Euro – musste der Verein tragen. Auf einen Monat heruntergerechnet sind das immerhin 1400 Euro, die alle 181 Mitglieder schultern müssen.

Ohne Steuerberater geht nichts

Deswegen erkundigte sich die RG nach Hilfen durch die öffentliche Hand. Da der Verein keine Angestellten hat, also nicht als Unternehmen dasteht, kam die so genannte Novemberhilfe nicht in Frage. Dirk Presch, Vorsitzender des Gemeindesportverbandes, empfahl, die Soforthilfe Sport beim Landessportbund zu beantragen.

Hacheneys Fördermittelbeauftragter Rolf Aust bekam einen Schreck, als er das Antragsportal des Landessportbundes besuchte. Der Verein sollte sich nicht nur finanziell „nackig“ machen, abgefragt werden alle steuerrelevanten Daten. Die Konsequenzen bei leichtfertigem Falschausfüllen des Antrags wäre die strafrechtliche Verfolgung. „Das ist uns Ehrenamtlern einfach zu riskant.“ Es müsste ein Steuerberater engagiert werden, der weitere Kosten verursachen würde.

„Man muss als Verein pleite sein, um diese Fördermittel zu bekommen. Das sind wir nicht, der Verein ist liquide“, sagt Aust. Die Schulpferde und damit die komplette Jugendarbeit stünden aber vor dem Aus. „Der Schulbetrieb ist pleite. Wir überlegen tatsächlich, die Tiere abzuschaffen. Das ist traurig. Wir wollen der Jugend etwas anbieten.“

Auf der Suche nach Lösungen

Der LSB zieht sich in seiner Antwort auf ein Schreiben Austs natürlich auf seine Vergaberichtlinien zurück. „Die helfen, wo sie können“, nimmt Brigitte Hein den Verband in Schutz. „Denen ist durchaus bekannt, dass Pferde nicht von Luft leben“, sagt die Vorsitzende des Vorstands des Pferdesportverbandes Westfalen in Münster. Das Problem sei bekannt. Zahlreiche Reitvereine beklagten schon im Frühjahr das Unterhaltsproblem mit ihren Schulpferden. Ihnen sei oft geholfen worden. „Man versucht, Lösungen zu finden“, so Hein.

Liquide Mittel seien außerdem nur die, die zum Beispiel auf dem Girokonto verbucht sind. Rücklagen zur Sanierung der Reitplätze oder Halle würden nicht herangezogen, blieben in der Unterdeckungsrechnung außen vor. „Es ist ja auch ein fatales Zeichen, wenn man die Jugend im Stich lässt. Das ist der Hauptzweck eines Vereins, Kinder zum Reiten zu bekommen.“ Hein vertritt unter anderem den Bereich Jugend im Verband.

Es gibt Förderprogramme

„Es gibt Förderprogramme“, betont Hein, „sie haben in der Vergangenheit stark gewirkt.“ Auch die Novemberhilfe sei für Vereine gedacht, verweist sie auf die FAQ-Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft. Dort werden häufig gestellte Fragen beantwortet, das eigentliche Antragsportal ist noch nicht online.

„Wohlgemerkt, es geht uns nicht um die erwachsenen Reiter, sondern einzig um den Schulbetrieb für die Jugend“, betont Aust. Möglich ist nur ein Einzeltraining. „Natürlich gibt es Reiter, die das in Anspruch nehmen, das Gros aber nicht.“

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