Tischtennis

Rückkehr ins Training: TTF Bönen sehen Probleme bei der Umsetzung

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Nur schwer umsetzbar ist für Bönens Trainer Walter Darenberg der Maßnahmenkatalog des DTTB.

Der Deutsche Tennisbund hatte es mit einem Brandbrief an die politischen Entscheidungsträger in Bund und Land vorgemacht. Der nationale Tischtennisverband legt jetzt nach mit der Forderung, Individualsport möglich zu machen.

Bönen - Wenn auch eleganter: Der Deutsche Tischtennisbund erstellte einen zweistufigen Maßnahmenkatalog – nur für den Fall einer weiteren Lockerung der Kontakteinschränkungen. Trainings- und Wettkampfbetrieb, der regulär Ende August beginnen würde, wären danach möglich.

„Wir wollen keine Forderungen stellen oder gar Druck gegenüber der Politik aufbauen, sondern unseren Beitrag leisten, um solidarisch mit den anderen Gesellschaftsgruppen und Sportverbänden die Corona-Krise bestmöglich zu bewältigen“, stellt DTTB-Präsident Michael Geiger vorsichtig klar. „Dazu gehört im Rahmen einer schrittweisen Lockerung dann auch, das gemeinsame Sporttreiben unter Einhaltung von Distanzregeln zum persönlichen Schutz jedes einzelnen Aktiven zu ermöglichen. Unsere Sportart als Individual- und Nicht-Kontakt-Sport macht das – mit einer Reihe kleiner Anpassungen – unserer Meinung nach möglich.“ Martin Teumert, Vorsitzender der Tischtennisfreunde Bönen, sieht es ähnlich unter dem Motto: „Tischtennis ist auch noch da.“

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist jedenfalls nicht schlecht gewählt. Ab 4. Mai dürfen nicht nur Friseure körpernah arbeiten. Auf diesen Zeitpunkt ist auch die Allgemeinverfügung terminiert, die Bönens Bürgermeister Stephan Rotering im März erlassen hatte. „Davon sind wir ja erst einmal abhängig“, sagt Walter Darenberg, Trainer und Geschäftsführer der TTF. Er ist kritisch, was die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort betrifft.

Anzahl der Spieler schwer vorherzusagen

„Wir haben ja eine große Halle, können im Prinzip Abstand halten“, erklärt Darenberg. Allerdings müsse ja auch einer immer ein Auge darauf haben, dass nur die maximal mögliche Zahl von Spielern in der Halle sei. Die Anzahl sei vor allem vor den ersten Meisterschaftsspielen schwer prognostizierbar, da dann vermehrt Spieler an den Platten stünden, die sonst nicht zu sehen seien. Ein Problem sieht Darenberg auch darin, dass Tische durch fest eingeteilte Personen auf- und abzubauen seien. Apropos Abstandsgebot: „Natürlich ist ein Tisch 2,74 m lang. Aber wenn die Spieler zum Beispiel zu kurzen Bällen ans Netz gehen, wird der Abstand auf einmal sehr gering.“ 

Den vorgeschriebenen eigenen Ball müssten die Spieler immer wieder holen, auch wenn er in die Nachbarbox fliegt. Andere Spieler dürfen das fremde Spielgerät nämlich nicht berühren. „Wie sieht es dann aus mit der räumlichen Trennung?“, wirft Darenberg die nächste Frage auf. Und wie sieht es aus mit dem Gang zum Klo? Die Duschen und Umkleiden sind geschlossen. Und wenn die Wettkämpfe anstehen, ergibt sich das Problem der Fahrer. Jeder Jugendliche müsste individuell anreisen. „Schwer vorstellbar bei den weiten Fahrten in der NRW-Liga.“

Risikogruppe will die Halle zunächst meiden

Ein Licht am Ende des Tunnels sieht der TTF-Trainer aber auch. „Im Sommer trainieren ja weniger, in der Regel nur die Ranglistenspieler.“ Das bestätigt auch Teumert, der sich mit seinen Vorstandskollegen am Mittwochabend mit dem Papier des Verbandes beschäftigte. „Die Spitzenspieler werden sofort anfangen wollen, wenn die Hallen wieder geöffnet werden“, ahnt er. Von einem großen Teil der älteren Akteure im Verein weiß er aber, dass diese als Risikogruppe die Halle zunächst meiden wollen. „In jedem Fall müssen wir an die Eigenverantwortung der Mitglieder appellieren“, erklärt Teumert. „Diese Automatismen, wie das Abklatschen, zu unterlassen, erfordert Selbstdisziplin.“ Wer stellt die Masken und die Desinfektionsmittel, blickt der TTF-Vorsitzende ganz pragmatisch auf den Katalog des Verbandes. Und als Chemiker fragt er sich zudem, ob das ständige Behandeln des Materials mit alkoholhaltigem Desinfektionsmittel aus technischer Sicht überhaupt schadfrei möglich ist.

„Sportvereine leisten einen wertvollen Beitrag zum Miteinander der Gesellschaft und der Gesundheit. Die nachvollziehbaren Einschränkungen zur Verlangsamung der Pandemie sind auf lange Sicht leichter zu ertragen, wenn man den Menschen zumindest an kleinen Stellen eine Perspektive gibt“, so DTTB-Generalsekretär Matthias Vatheuer. Die sehen die TTF-Verantwortlichen in dem Maßnahmenkatalog bisher nicht. Die Gedanken in die Realität umzusetzen, sei schwierig, meinen Teumert und Darenberg. „Es wird so nicht umsetzbar sein“, sagt der Vorsitzende, „aber es ist ja auch ein erster Wurf.“

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