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RSV: Gute Bilanz darf nicht täuschen

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Von: Boris Baur

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Mit 51 Treffern führt Sören Feldmann die interne Torjägerliste beim RSV Altenbögge an. Fast die Hälfte davon erzielte er von der Siebenmeterlinie.
Mit 51 Treffern führt Sören Feldmann die interne Torjägerliste beim RSV Altenbögge an. Fast die Hälfte davon erzielte er von der Siebenmeterlinie. © Baur Boris

Die Bilanz vor dem Jahreswechsel kann sich im ersten richtigen Verbandsligajahr sehen lassen. 9:7 Punkte haben die Handballer des RSV Altenbögge gesammelt – trotz aller Schwierigkeiten rund um die unfreiwillige Coronapause. Trainer Jens Schulte-Vögeling ist „ziemlich zufrieden“, warnt aber gleichzeitig davor, sich zurückzulehnen: „Wir sind noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus.“

Bönen – Die Punkteausbeute beschert dem RSV Platz sieben, genau in der Mitte der Tabelle, wobei einige der Konkurrenten schon mehr Spiele absolviert haben. In den meisten Jahren hätten die größten Abstiegssorgen damit ad acta gelegt werden können, doch in der aktuellen Saison ist das anders. Der Handballverband möchte – nach den beiden wegen Corona abgebrochenen Spielzeiten mit Auf-, aber keinen Absteigern – im Schnelldurchgang seine Ligen wieder auf Normalmaß stutzen.

Deshalb müssen in der Verbandsliga-Staffel 1 fünf von 13 Teams runter in die Landesliga. Das Rennen um die Plätze am rettenden Ufer wird daher bis zum letzten Spieltag dauern. Zwar haben die letzten Vier in der Tabelle nur zwei Siege oder weniger auf dem Konto, der Vorsprung der Altenbögger auf Rang neun beträgt allerdings lediglich zwei Pluspunkte.

„Ich gehe stark davon aus, dass sich auch die unteren Mannschaften nicht im Januar geschlagen geben werden. Auch die werden im neuen Jahr alle Kräfte bündeln und versuchen, alles rauszuholen“, richtet sich Schulte-Vögeling auf einen langen, harten Abstiegskampf ein. Viele Vereine hätten sich im Vorfeld den Klassenerhalt zum Ziel gesetzt, auch weil viele Teams neu in der Liga seien. „Dazu zähle ich uns auch, wir hatten ja keine erste Verbandsliga-Saison.“ Nach dem Aufstieg 2020 bestritten die Altenbögger eine Partie in der neuen Klasse, dann war wegen Corona schon wieder Schluss.

Zuhause eine Macht, auswärts noch ohne Punkt

Damals verlor der RSV seinen Heimspielauftakt, diesmal läuft es wesentlich besser. Die Bönener gewannen gleich zum Start beeindruckend mit 32:26 gegen die Zweitliga-Reserve des TV Emsdetten. „Wir sind richtig gut reingekommen nach einer durchwachsenen Vorbereitung“, meint Schulte-Vögeling. Auch danach machte sein Team die MCG-Halle zu einer echten Festung. 9:1 Punkte holte der RSV zuhause. „Die Heimspiele sind richtige Events. Die Stimmung sonntagabends ist einfach fantastisch. Die Jungs werden davon getragen, holen so auch die letzten Prozentpunkte heraus. Das ist ausschlaggebend“, sagt der Trainer, den die Anfeuerungsrufe und das Trommeln der Fans allerdings regelmäßig beim Coaching stark fordern. „Ich werde montags immer auf der Arbeit gefragt: was hast du am Wochenende gemacht.“ Die Stimme sei dann weg, „weil ich so lautstark brüllen muss“.

Die Euphorie, die die Altenbögger durch die Heimspiele trägt, konnten sie auswärts noch nicht mitnehmen. Alle drei Partien gingen verloren. Die Niederlage gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter Herne stört den Coach weniger, doch der SpVg Steinhagen und dem SV Westerholt bescherte der RSV den ersten Saisonsieg. „Gegen die unteren Mannschaften kann man verlieren, das kann mal passieren. Dass uns das aber zweimal in Folge passiert, ist unschön. Gerade wenn man sieht, wozu wir in der Lage sind.“ Schulte-Vögeling sieht einen Entwicklungsprozess vor allem bei den jüngeren Akteuren im Team, die lernen müssten, damit umzugehen, dass auch die Gegner lautstark unterstützt werden.

Niederlagen nur schwer zu bewerten

Die Partien bei den Kellerkindern in Steinhagen (25:30) und Westerholt (24:25) sind auf der anderen Seite allerdings auch schwierig, richtig einzuordnen. In Steinhagen verletzte sich Christopher Zacharias beim Warmlaufen, mit Dominik Weigel war der zweite Kreisläufer wegen eines Cuts im Gesicht lange raus. „Das sind Dinge, die dich aus dem Konzept bringen, dann kann es ganz schnell gehen“, so Schulte-Vögeling. Die Partie in Westerholt kam direkt nach der Zwangspause, die durch Coronafälle im Team und im Umfeld notwendig geworden war. Zwischenzeitlich hatte zudem vorsichtshalber kein Training stattgefunden und „wir waren mit dem Kopf nicht bei der Sache“. Zudem fehlten mit Weigel und Zacharias erneut die beiden Spezialisten am Kreis.

Dennoch taten die Pleiten natürlich weh, zumal die Ausgangslage im Abstiegskampf im Erfolgsfall noch weitaus besser gewesen wäre. Immerhin zeigten die Bönener danach mit dem 25:24-Sieg gegen den Tabellenvierten ASV Senden die richtige Reaktion und verschafften sich ein gutes Gefühl für die Weihnachtstage.

Schulte-Vögeling: „Bei uns muss alles passen“

„Das Fazit ist, dass bei uns fast alles passen muss. Dann sind wir mit allen Mannschaften auf Augenhöhe und teilweise sogar ein bisschen besser“, sagt Schulte-Vögeling. Einen Grund dafür sieht er in der Ausgeglichenheit seines Kaders. „Wir können durchwechseln auf den Positionen. Das hat den Vorteil, dass die Jungs, die auf der Platte sind, auch am Ende genug Luft haben, um die Spiele für uns zu entscheiden.“ Beispiele sind der 28:26-Derbysieg gegen den SuS Oberaden oder der Erfolg über Senden.

Den Grundstein für die gute Bilanz sieht der Trainer in der Abwehr. „Das ist gut, da stimmt die Einstellung.“ Im Angriff ist dagegen „sicher Luft nach oben. Mit dem Repertoire bin ich einverstanden. Die Frage ist, mit welcher Entschlossenheit die Konzeptionen gespielt werden, wie viel Siegeswille zeige ich.“

Stefek könnte bald wieder eine Alternative werden

Weiter geht es für den RSV am 15. Januar auswärts beim Tabellenzehnten PSV Recklinghausen. Schulte-Vögeling möchte durchtrainieren – und das nur aktuell etwas lockerer: „Ich will nicht zu viel Pause machen. Der eine oder andere freut sich bestimmt, dass er sich nach den Feiertagen bewegen kann.“

Zuletzt waren auch die beiden Langzeitverletzten, Gregor Stefek und Max Röckenhaus, wieder in der Halle. Sie absolvierten allerdings noch keine Einheiten mit der Mannschaft, sondern arbeiteten für sich. „Aber es war schön, sie zu sehen“, so Schulte-Vögeling. Mit Röckenhaus rechnet er nach dessen Kreuzbandriss zu Beginn der Vorbereitung in dieser Saison nicht. „Er soll sich alle Zeit nehmen“, betont er. Stefek, der sich im März die Achillessehne gerissen hatte, könnte dagegen eine Option werden.

„Wenn er grünes Licht vom Arzt bekommt, kann er vielleicht bald mit der Mannschaft trainieren“, sagt Schulte-Vögeling. Er würde sich freuen, ist Stefek doch einer der wenigen Linkshänder im Kader. „Er war einer der Haupttorschützen in der Landesliga-Saison. Auch wenn er kein Shooter ist, kann er einen ganz anderen Druck aufs Tor bringen.“

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