Reiten

Reitvereine regeln ihre Dienste per Stundenplan

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Stallmeister Sebastian Franz desinfiziert sich die Hände beim Verlassen der Boxen.

Auch die Pferde müssen versorgt werden. So gehen die Reitvereine in Bönen mit der Coronavirus-Pandemie um. 

Hamm - Viel Betrieb ist auf dem Hof Böcker: Stallmeister Franz und zahlreiche Vereinsmitglieder misten an diesem Samstag aus, einige beschäftigen auf dem Platz die Pferde. Alle sind offensichtlich darauf bedacht, Abstand zu wahren. „Wir halten uns strikt an die Vorgaben der Reiterlichen Vereinigung FN“, erklärt Aktivensprecherin Laura-Marina Kroll mit Nachdruck. Stallmeister Sebastian Franz demonstriert gleich einen Aspekt der Einschränkungen in Coronazeiten. Er desinfiziert sich die Hände beim Verlassen der Boxen. In jedem Stall des Hofes an der Heidestraße hängt ein Spender mit Desinfektionsmittel, überall, auch die Liste der „No Gos“, die die FN empfiehlt. „Jeder, der sich hier aufhalten will, muss sich in diese Liste eintragen“, deutet Franz auf einen Stundenplan voller Einträge.

Auch bei der RG Hacheney gilt seit dem 23. März die Regel – nicht mehr als zwei Personen an einem Ort. Jeglicher Reitunterricht ist genau wie der am kommenden Samstag, 4. April, geplante Reitertag mit Ortsmeisterschaft abgesagt. Vereinsfremde Reiter, die die Möglichkeiten auf Hof Böcker zum Training nutzen, sind augenblicklich ebenfalls ausgesperrt. Auch Vereinsmitglieder, die Anzeichen einer Erkrankung zeigen, bleiben außen vor. „Die Leute sind sehr einsichtig“, erfuhr Kroll und erzählt von einer Reiterin, die mit einem normalen Schnupfen den Besuch vermied.

Die Tiere, Schulpferde wie Einstellpferde, müssen trotzdem gepflegt und bewegt werden. „Wenn jemand das, eben wegen einer Erkrankung, nicht selber machen kann, übernimmt jemand, der sowieso hier ist“, so die Aktivensprecherin. Die Zeiteinteilung der erforderlichen Dienste erfolgt über den genannten Stundenplan. Begegnungen in Sattelkammer und Boxengasse sollen vermieden werden. „Zum Bewegen auf dem Platz sind auch vier Reiter gleichzeitig in Ordnung“, erklärt Franz. Dort und auf dem Gelände ist ein großer Abstand schließlich möglich.

Und der Sport: Die Reiter, die diesen Samstag im Sattel sitzen, um die Tiere zu bewegen, sind da unterschiedlicher Meinung. Während die einen gut auf die Schleifenjagd verzichten können, vermisst Sina Becker die Turniere im Frühjahr. „Mir fehlt der Wettbewerb“, sagt die Dressurspezialistin. „Man weiß ja nicht, was man am Wochenende tun soll.“ Becker war gut vorbereitet, hatte einige Prüfungen gemeldet. „Ich hoffe, dass es bald vorbei ist. In Kamen ist noch nicht abgesagt“, blickt die Jugendwartin auf das Turnier des ZRFV, das eigentlich am ersten Maiwochenende stattfinden soll.

Beim Nachbarn, dem Reit- und Fahrverein Nordbögge, herrscht ebenfalls Ruhe. „Schulpferdebetrieb und die Privatstunden mit Reitlehrerin Eva Pieper sind gecancelt“, sagt Pressesprecherin Lisa Kissing. „Die notwendige Bewegung der Tiere ist gegeben. Wir haben zehn Boxen und Mitglieder, die täglich auf der Anlage sind. Die übernehmen zudem das Bewegen der vier Schulpferde.“ Die Kontaktvermeidung werde pragmatisch umgesetzt. „Einer bringt die Tiere raus aus dem Stall.“ Ein Training solle in jedem Fall unterbleiben, betont Kissing. „Die FN appelliert vehement auf die ausschließliche Einhaltung des Bewegungsgebots für die Pferde aus Tierschutzgründen, befürchtet eine absolute Schließung der Reitanlagen, da auf manchem Gelände offensichtich gesprungen wird.“ Das sei wohl den Ordnungsbehörden sauer aufgestoßen. Schließlich gelte der Reitsport als unfallgefährdet, ein verletzter Reiter würde ein anderweitig benötigtes Krankenhausbett beanspruchen. Unter Beobachtung stehen die Reitanlagen. Die RG-Vorsitzende Sabine Kroll weiß von zwei Besuchen des Bönener Ordnungsamtes.

Kissing wie Kroll berichten unterdessen von der Solidarität der Mitglieder mit dem Verein. Abmeldungen seien in Nordbögge wie Hacheney noch nicht erfolgt. Beide Vereine halten zudem an den Planungen für ihre Sommerturniere fest. „Auch wenn es schwierig werden wird“, sagt Sabine Kroll mit Blick auf die Geldgeber. „Ohne Sponsoren kein Turnier.“

Sie hofft, dass diese die Krise wirtschaftlich überstehen und dann noch Geld übrig haben werden für das Turnier. Der Wettbewerb in Hacheney ist traditionell für das erste Augustwochenende angesetzt, der in Nordbögge soll eine Woche vorher stattfinden.

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