Spielabsage Landesliga

Nach Nichtantritt: IG-Gegner Münster will Protest gegen Spielwertung einlegen

Am Schulzentrum durfte die IG die Partie gegen Münster nicht austragen. Nach der Verlegung nach Rhynern wollten die Gäste nicht antreten.
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Am Schulzentrum durfte die IG die Partie gegen Münster nicht austragen. Nach der Verlegung nach Rhynern wollten die Gäste nicht antreten.

Update: Generalabsage, Suche eines Ausweichspielortes und dann der Nichtantritt des Gastes: Innerhalb von 24 Stunden hat sich rund um das Spiel der IG Bönen gegen Borussia Münster in der Fußball-Landesliga mehr zugetragen, als vermutlich in den 90 Minuten auf dem Platz hätte passieren können. Am Ende wurde nicht gespielt und der Staffelleiter vergab im Anschluss die drei Punkte an die IG. Die Münsteraner wollen nun allerdings Protest einlegen.

Update, 17. Oktober, 9.00 Uhr: Nach reiflicher Überlegung wird Fußball-Landesligist Borussia Münster Protest einlegen gegen die Wertung der Partie bei der IG Bönen. „Nach den Ereignissen in dieser Woche haben wir entschieden, dass wir Einspruch einlegen werden“, teilte Trainer Yannick Bauer auf Nachfrage mit.
Nach dem Kontaktsportverbot durch den Kreis Unna hatte die IG das Spiel am vergangenen Sonntag in Absprache mit dem Staffelleiter nach Rhynern verlegt, weil in Bönen nicht gespielt werden durfte. Die Münsteraner wollten allerdings nicht in einem anderen Risikogebiet antreten. In dieser Woche entschied nun der FLVW, dass keine Mannschaft aus dem Kreis irgendwo spielen dürfe. „Was hat sich in den vergangenen Tagen geändert?“, fragte daraufhin Bauer: „Wir haben gerade eine Situation, in der es kein richtig und falsch gibt.“ Es gehe der Borussia dabei nicht, um die Punkte, sondern um einen „fairen Wettbewerb“, sagt Bauer. „Wir wollen einfach nur Fußball spielen gegen Bönen.“

Der ursprüngliche Bericht: Die Geschehnisse vom Sonntag der Reihe nach: Am frühen Freitagabend erließ die Verwaltung des Kreises Unna, nachdem der Inzidenzwert dort auf über 50 geklettert war, ein generelles Verbot für den Trainings- und Spielbetrieb in Kontaktsportarten, das in der Nacht zu Sonntag in Kraft trat. Davon betroffen war auch das Landesliga-Spiel der IG gegen Münster, das am Schulzentrum hätte steigen sollen. Da die IG aber nach ihrer zweiwöchigen Quarantäne unbedingt spielen wollte, fragten sie bei den Borussen zunächst nach einem Heimrechttausch an, der jedoch nicht umsetzbar war.

Da mittlerweile der Fußballkreis Unna-Hamm aufgrund der Allgemeinverfügung aus Unna alle Senioren- und Jugendspiele auf Kreisebene abgesagt hatte, um „keinen Flickenteppich“ zu erzeugen, so der Kreisvorsitzende Michael Allery, sahen die Bönener die Chance, in Rhynern zu spielen. Dort war die Heimpartie der zweiten Mannschaft abgesetzt worden. Mit der Westfalia pflegen sie gute Verbindungen und trainieren dort manchmal.

Statuten lassen Verlegung zu

Staffelleiter Gerhard Rühlow stimmte der Verlegung nach Hamm zu, da die Gäste nur ein paar Kilometer mehr an Anreise gehabt hätten. „Für Münster wäre es egal gewesen, ob die Mannschaft nach Rhynern oder Bönen gefahren wäre“, erklärte Rühlow: „Von den Statuten des Fußballverbandes ist es gut gelaufen.“

Doch die Borussia wollte nicht gegen eine Mannschaft aus einem Corona-Risikogebiet (Bönen) in einem Corona-Risikogebiet (Hamm) antreten und sagte das Spiel ab. „Wir hängen in dem Fall das Sportliche nicht so hoch wie das Moralische, das Ethische und das Gesundheitliche. Vorsicht ist besser als Nachsicht“, begründete Trainer Yannick Bauer die vom Verein auf der Basis der Stimmen aus der Mannschaft abgesprochene Entscheidung.

„Die Regierung in Unna hat sich Gedanken gemacht, warum sie ein Verbot für Kontaktsportarten erteilt. Und Hamm ist ja jedem in Deutschland als Risikogebiet ein Begriff“, sagt Bauer und verweist auf den Inzidenzwert, der im Kreis Unna und der Stadt Hamm jeweils über 50 liegt. Bauer kann es nicht nachvollziehen, dass die Begegnung einfach aus dem Kreis heraus, in dem ein Kontaktsportverbot gilt, verlegt werden durfte. „Es liegt ja nicht am Platz, sondern an den Spielern, die spielen, und den Zuschauern.“

Wertung nehmen Münsteraner in Kauf

Dass die Münsteraner damit kampflos wegen Nichtantretens verlieren, nahmen sie dabei in Kauf. „Wir haben die Entscheidung wohlwissend getroffen, dass die Partie gewertet wird. Die Punkte sind uns egal. Wir wollen nicht der Spielball der Verantwortlichen sein“, erklärt Bauer, dem durchaus bewusst war, dass die Statuten in diesem Fall eindeutig sind.

Das betont auch Rühlow. Die Verlegung an einen Spielort außerhalb des Kreises war laut Angaben des Staffelleiters rechtlich in Ordnung. Dass in Hamm noch am Freitag ein höherer Inzidenzwert als im Kreis Unna gegeben war, spielt keine Rolle. Es herrscht kein Verbot für Fußballspiele. Dementsprechend sei laut Rühlow der Fall auch anders gelagert als vor zwei Wochen, als sich ebenfalls in der Landesliga-Staffel 4 Viktoria Heiden geweigert hatte, beim TuS Wiescherhöfen anzutreten und die Partie neu angesetzt wurde.

Die Begründung ist eine andere. In der Bönener Mannschaft und im ganzen Verein gab es nichts Corona-Ähnliches. Bei Wiescherhöfen war die zweite Mannschaft in Quarantäne. Da lag die Vermutung nahe, dass es auf der Anlage oder in der Mannschaft einen Coronafall geben könnte“, sagt Rühlow. Die Wiescherhöfener Reserve hatte nach einem Spiel gegen den TSC Hamm, wo im Anschluss Coronafälle bekannt wurden, in Quarantäne gemusst, die der IG, die zwei positive Tests gehabt hatte, war am vergangenen Montag abgelaufen.

Einspruch gegen Wertung noch nicht besprochen

Ob die Borussia Einspruch gegen die Wertung einlegen wird, darüber hat der Verein laut Bauer noch nicht diskutiert. Der Trainer betont, dass der Nichtantritt keine sportlichen Gründe hatte. „Wir hatten eine überragende Trainingswoche. Und die Bönener haben zwei Wochen nicht trainieren können. Wenn man die packen kann, dann jetzt“, sagt Bauer: „Die Punkte so abzugeben, tut schon weh.“ Von Trainerkollegen aus Münster habe er allerdings Zuspruch für die Entscheidung erhalten, nach dem Motto „endlich mal eine Mannschaft, die was macht“, so Bauer.

Das Bönener Lager war über die Nachricht aus Münster überrascht. „Wir müssen die Entscheidung des Gegners respektieren, auch wenn ich eine andere Meinung habe“, sagte IG-Coach Ferhat Cerci: „Wir haben alles Menschenmögliche unternommen, damit das Spiel stattfinden kann. Wir haben alle Hygienevorschriften getroffen.“ Die Bönener wollten nach der Zwangspause unbedingt wieder in einen Spielrhythmus kommen. Auch mit Blick auf die weitere Saison sei es schade, dass die Partie ausfällt, sagt Cerci, der die drei Punkte als „kleine Entschädigung“ ansieht.

„Dass sie Angst haben, kann ich nachvollziehen. Die ganze Corona-Geschichte beschäftigt jeden Menschen“, sagt Cerci. Jeder müsse selbst entscheiden. „Ich kann es nicht verstehen, dass Geburtstagsfeiern mit 25 Leuten in Räumen erlaubt sind und im Freien nicht Elf gegen Elf Fußball gespielt werden darf“, sagt er mit Blick auf die Allgemeinverfügung.

Ein Heimrechttausch war übrigens nicht möglich, weil dort um 12.30, 15 und 17.30 Uhr jeweils Begegnungen angepfiffen werden. „Wir können nicht sagen, ihr könnt nicht spielen, weil die Erste jetzt spielt“, so Bauer.

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