SpVg Bönen

Nachwuchs-Sorgen: Die glorreichen Zeiten sind vorbei am Rehbusch

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Flickwerk: Die malade Asche am Rehbusch. Heinz Piezocha zeigt, dass der Bauhof immerhin den Rasen einigermaßen runtergekratzt hat.

61 Jahre ist Heinz Piezocha. Und sein ganzes sportliches Leben verbrachte er am Bönener Rehbusch. Jetzt macht sich Piezocha aber große Sorgen um die SpVg Bönen.

Bönen - „Damals, Ende der 60er Jahre, als ich unter Siegfried Domberg bei den Knaben des VfL Altenbögge angefangen habe, waren hier täglich 120, 130 Kinder auf dem Aschenplatz“, erinnert sich der heutige Jugendleiter an bessere Zeiten.

Aktuell sieht es nämlich mehr als mau aus beim Nachwuchs des Nachfolgevereins SpVg Bönen. Gerade mal eine C-Juniorenmannschaft meldete der Verein. Aktiv am Ball sind am Rehbusch somit ganze 15 Jugendliche.

„Vor fünf, sechs Jahren fing das an, dass die Mitgliederzahlen extrem sanken“, erklärt Piezocha. Kurz zuvor war er gemeinsam mit Trainer Ralf Thiemann mit der damaligen A-Jugend in die Bezirksliga aufgestiegen. Es folgte mit Trainer Michael Ritter noch ein Aufstieg der C-Jugend in die Kreisliga A. Unter anderem dabei: Jannis Ritter, der dann zur Hammer SpVg wechselte und jetzt beim TuS Wiescherhöfen in der Landesliga spielt.

Erinnerung an Peter Peschel

Wechsel zu höherklassig spielenden Vereinen mit Lizenztrainern im Nachwuchsbereich wie in Hamm oder Rhynern gibt es immer. Das ist normal. So stammen die späteren Bundesligaprofis Peter Peschel und Michael Bemben auch ursprünglich aus dem Bönener Nachwuchs, fanden über RW Unna oder die Hammer SpVg in den bezahlten Fußball. „Peter hat als 17-Jähriger den 1:0-Siegtreffer des VfL Bochum bei Borussia Mönchengladbach gemacht und daraufhin einen Profivertrag bekommen“, erinnert sich Piezocha gerne an goldene Zeiten.

Einher mit dem Mitgliederschwund bei der SpVg ging dann aber ein Wechsel kompletter Mannschaften in die Nachbarschaft. So wechselte eine komplette B-Jugend nach Mühlhausen, zuletzt verlor der Verein eine D-Jugend zwei Tage vor Saisonende an den BSV Heeren und den VfK Nordbögge.

Die Infrastruktur passt nicht

„Meist passte den Trainern irgendwas nicht“, sagt Piezocha. „Aber 20 Prozent der Entwicklung nehme ich auch auf unsere Kappe. Bei der Kommunikation zwischen Vorstand und den Mannschaftsverantwortlichen haperte es oft“, gibt der Jugendleiter sich selbstkritisch.

Auf 80 Prozent des Problems haben er und der Verein keinen Einfluss. Die Infrastruktur ist im Umland einfach besser. „Nach dem Bezirksligaaufstieg der A-Jugend haben wir Gespräche mit bestimmt 15 Spielern geführt“, sagt Piezocha. „Bis zur Frage nach dem Untergrund.“ Asche überzeugte nicht. Die unmittelbaren Nachbarn Heeren und Nordbögge haben Kunstrasenplätze.

Die SpVg hätte einfach Pech gehabt, Ende der Nuller-Jahre dieses Jahrhunderts – Stichwort Bankencrash und das Abrutschen der Gemeinde in den Stärkungspakt. „Wir sollten nämlich auch einen Kunstrasenplatz bekommen“, blickt er zurück. Geld sei angeblich für den Gemeindehaushalt eingeplant gewesen. Das Gespenst dieser neuen Platzanlage am Zechenturm geistert seither durch Bönens Sportwelt.

Und die Anlage am Rehbusch verkam. „Es hieß seitens der Verwaltung: Wir investieren doch nicht in totes Kapital.“ Der Plan des Umzugs der SpVg auf eine gemeinsame Platzanlage mit der IG Bönen am Zechenturm existiert nämlich weiterhin. Konkret ist er bisher nicht.

Wird der Aschenplatz saniert?

Augenblicklich bemüht sich die SpVg vergeblich um die Sanierung des Aschenplatzes. Die Firma Strabag wolle nur „richtig“ arbeiten, also vor der Aufbringung neuer Asche eine Perforation zum besseren Wasserabfluss einbringen. Das koste 20 000 Euro. Die Notlösung, die das Bauunternehmen nicht befürwortet, kostet 6000 plus X. Da müsste der Bauhof selbst aktiv werden. „Aber wie schon erwähnt, wird bis zur Veröffentlichung des Gutachtens zur Sportanlagenbelegung jede Investition gestoppt“, so Piezocha.

„Ich hoffe, dass das Granulat auf Kunstrasen verboten wird und wieder durch Sand ersetzt wird“, äußert der Jugendabteilungsleiter böse Gedanken, „dann sehnen sich die Eltern nach Rasen zurück.“ Ob das bis zu 300 Kinder wie in Spitzenzeiten an den Rehbusch locken wird, ist fraglich.

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