Auswirkungen der Pandemie

TVG fühlt sich von der IG schlecht informiert

Halbzeitansprache TVG Flierich-Lenningsen von Trainer Thorsten Müller beim Derby gegen die SpVg Bönen 2
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Auf das Training müssen die Fliericher ebenso auf Spiele, wie hier am Rehbusch, in den nächsten Tagen verzichten: Die erste Mannschaft befindet sich in Quarantäne.

Es bedurfte einiges an Ermittlungsarbeit des Gesundheitsamtes des Kreises Unna, bis am Donnerstagabend feststand, dass auch die Spieler der ersten Mannschaft des TVG Flierich-Lenningsen in Quarantäne mussten, weil im Nachgang des Spiels am vergangenen Sonntag am Butterwinkel gegen die IG Bönen II ein Gästespieler einen positiven Coronatest erhielt (der WA berichtete). Zuvor musste der Verein allerdings selbst aktiv werden, weswegen sich die Verantwortlichen über die Informationspolitik der IG ärgerten.

Bönen - Die aktiven Fliericher Spieler, nicht Trainer und Zuschauer, gelten als erste Kontaktpersonen des IG-Spielers und dürfen nun voraussichtlich bis zum 4. Oktober ihr Zuhause nicht verlassen. Bereits am Freitagmittag unterzogen sich alle TVG-Akteure einem Corona-Test, dessen Ergebnisse Montag oder Dienstag vorliegen sollen. Ausgangspunkt der Infektionskette, die nun bis nach Flierich führen könnte, ist die Hammer Hochzeit, die mittlerweile für zahlreiche Ansteckungen gesorgt und im Zuge derer zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Hamm geführt hat. Nach Angaben der IG-Verantwortlichen hätten sich die Bönener Akteure im Nachgang der Feierlichkeiten im Bekanntenkreis angesteckt.

Beide Mannschaften der IG, in der es aktuell vier positive Tests gegeben hat, sind seit Mittwoch in Quarantäne. An diesem Tag erhielt auch der TVG von den Bönenern die Nachricht, dass es einen Coronafall in der Zweiten gegeben habe, der allerdings am Sonntag nicht mitgespielt habe. Dass sich ein weiterer Akteur angesteckt hatte und am Butterwinkel aufgelaufen war, erfuhren die Fliericher nach Aussage des 2. Vorsitzenden jedoch erst am Donnerstag auf eigene Nachfrage. „Spätestens als dieser Spieler am Montag Symptome gezeigt hat, muss das Telefon losgehen“, ärgert sich Schlieper. Erst nachdem die TVG-Verantwortlichen nachgefragt hätten, wurde ihnen von Bönener Seite auch der Name des Betroffenen genannt. Daraufhin wurden sie selbst beim Gesundheitsamt aktiv, das seine Nachforschungen startete. „Das sind Sachen, die anders laufen müssen“, findet Schlieper.

Max Rolke, Pressesprecher des Kreises Unna, erklärte, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass sich die Suche nach Kontaktpersonen schwierig gestaltet. „Nicht jeder rückt gerne heraus, mit wem er Kontakt hatte. Es ist dann Aufgabe der Gesundheitsämter, das herauszufinden“, sagte er, ohne es auf den konkreten Fall zu beziehen. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt lobte Schlieper: „Die Leute waren sehr kooperativ und engagiert.“

Fliericher werden selbst aktiv

Was die Fliericher zudem stört, ist die Tatsache, dass der SV Drensteinfurt, der Gegner der Bönener Landesliga-Mannschaft am vergangenen Sonntag, am Mittwoch nach Schliepers Ermessen umfangreich informiert wurden, „Da wurde sich drum gekümmert, bei der Zweiten können wir selbst gucken“, so der 2. Vorsitzende.

Die Fliericher handelten immerhin schnell und strichen am Mittwochabend vorsichtshalber das Training, was sich am Tag darauf als kluge Entscheidung entpuppte. Denn sonst hätten nun auch große Teile der zweiten Mannschaft – beide Teams trainieren zusammen – in Quarantäne gestellt werden können. „Wir malen jetzt mal ein Horrorszenario, wenn wir uns nicht selbstständig beim Gesundheitsamt gemeldet hätten. Wir haben am Freitagabend wieder Training, danach war ein Mannschaftsabend geplant, und am Samstag wollte einer unser Spieler heiraten. Dann haben wir ein zweites Hamm“, sagt Schlieper. Und auch Rolke mahnt dazu, offen mit Corona-Erkrankungen umzugehen: „Es geht um die Gesundheit der anderen.“

Und natürlich auch um das berufliche und private Leben der Fußballer, die in Quarantäne müssen. Rund 60 sind es laut Kreissprecher derzeit, bei den beiden Vereinen in der Gemeinde. „Wir haben jetzt die Hoffnung, dass es keinen positiven Fall bei uns gibt“, sagt Schlieper und denkt an die Folgen, weil dann auch Trainer, Betreuer und andere Personen in die erste Kontaktgruppe rutschen würden. „In eine solche Situation will man nicht kommen“, so der 2. Vorsitzende.

Mittlerweile sind weitere Spiele von Vereinen aus dem Fußballkreis Unna/Hamm abgesagt worden, besonders betroffen sind Mannschaften aus Hamm.

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