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Nach dem Aus der IG Bönen: Beim Sportpark wird nachjustiert

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Von: Rainer Gudra

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Ein Gummiball liegt auf einer üppig bewachsenen Wiese
2025 soll am Förderturm der Ball tatsächlich rollen, doch nach dem Aus der IG Bönen ist mehr als zuvor nicht klar, wie es dort dann aussehen wird. © Kröger

Dass es nach dem Verlust des Hauptsponsors und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens alles andere als gut um die IG Bönen stand, war in der Gemeinde ja hinlänglich bekannt.

Bönen - Dass der Fußballklub aber mit der zum 31. Dezember 2022 erwirkten Streichung aus dem Vereinsregister so schnell von der Bildfläche verschwinden würde, hat Sport, Politik und Verwaltung allerdings überrascht. Schnell in den Fokus gerückt ist der Sportpark am Förderturm, der IG und Spielvereinigung – anstelle von Schulzentrum und Rehbusch – ab 2025 eine gemeinsame Heimat bieten sollte. Über seine Ausgestaltung muss nun wieder diskutiert und entschieden werden – durchaus unter einem gewissen Zeitdruck.

Am Mittwoch herumgesprochen

Die Auflösung der IG habe sich im Hause auch erst am Mittwoch herumgesprochen, berichtet Robert Eisler, Fachbereichsleiter Planen, Bauen und Umwelt bei der Gemeindeverwaltung: „Insofern ist es natürlich kaum möglich, alle damit verbundenen Auswirkungen spontan zu bewerten. Die IG hatte bislang signalisiert, dass sie positiv an einer Weiterführung des Spielbetriebes arbeitet.“

Planung wird angepasst

Die Verwaltung hatte schon nach dem Rückzug der ersten Mannschaft aus der Fußball-Westfalenliga mit der IG und der Spielvereinigung darüber gesprochen, Anpassungen bei der Ausstattung des Sportparks vorzunehmen – auch aufgrund von erheblichen Kostensteigerungen im Bausektor, durch die die anfangs kalkulierten 5,5 Millionen Euro Gesamtkosten nicht mehr einzuhalten waren. Schon da habe man auch im Gemeinderat festgelegt, dass „die planerische Entwicklung der sportlichen Entwicklung angepasst wird“, wie der Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Sport und Kultur, Friedhelm Lange, sagt.

Höherer kommunaler Anteil

„Auf der Basis der nun bekannten Auflösung des Vereins müssen diese Pläne natürlich neu überarbeitet werden, und es bedarf einer Abstimmung mit dem Fördergeber“, sagt Eisler. Drei Millionen Euro steuert der Bund bei, hinzu kommen 365 000 Euro von der NRW-Landesregierung aus dem Investitionspaket Sport. „Ich gehe aber davon aus, dass das Projekt als solches weiterhin gefördert und umgesetzt wird. Der Förderbetrag ist eine Festbetragsfinanzierung, sodass sich eventuelle Kostenveränderungen im Bauvolumen eher auf den kommunalen Eigenanteil auswirken werden“, sagt Eisler. Auch Lange ist sich sicher: „Das Geld aus Berlin ist an das Projekt gebunden, nicht an die Vereine.“ Es bestünde keine Gefahr von Kürzungen.

Skepsis beim Gemeindesportverband

Etwas skeptischer ist da Dirk Presch: „Warum sollte der Bund einen Verein fördern, den es nicht mehr gibt?“ fragt der Vorsitzende des Gemeindesportverbandes – und hofft darauf, „dass die Verantwortlichen mit Augenmaß reagieren werden und einkalkulieren, dass schon zur Saison 22/23 ein IG-Nachfolgeverein entstehen soll, auch wenn heutzutage eher Fusionen ein Thema sind als Neugründungen.“ Aber, sagt Presch: „Theoretisch brauchen die nur einen Geldgeber zu finden, dann geht das wieder von vorne los. Ich hoffe, dass das im Auge behalten wird.“

„Unser Ansatz war dabei, die Vereine räumlich enger zusammenzuführen, um Synergieeffekte stärker zu heben“, sagt Eisler. Zwei Fußballplätze, ein Natur- und ein Kunstgrün, waren zuletzt favorisiert, dazu ein Vereinsheim mit zwei Bereichen und Zugängen ähnlich dem Modell im Kamener Hemsack mit dem Türkischen SC und dem KSC.

„Aber auch das muss ja jetzt neu geplant werden. Und das sind ja nicht nur drei Striche“, sagt Presch, der davon ausgeht, dass im Zuge der anstehenden Ausschreibungen die Pläne bereits fertig auf dem Tisch liegen. Und zwei Spielfelder sollten auch weiterhin möglich sein: „Nicht nur der Zuschuss aus Berlin ist zu berücksichtigen, der Rehbusch soll ja Bauland werden, das spült einen Millionenbetrag in die Gemeindekassen.“

Engpässe bei Kunstrasen befürchtet

Weil der Sportpark bis Ende 2025 fertiggestellt sein muss, damit die Fördergelder aus Berlin nicht verfallen, drängt Presch zur Eile. Das Tempo für Planung und Durchführung müsse erhöht werden. Er befürchtet Engpässe: „So viele Firmen wird es in Deutschland nicht geben, die Kunstrasen bauen. Und wenn ich sehe, in welchem Umfang Landes- und Bundesregierung fördern, dann wird ordentlich was passieren...“ Baubeginn in Bönen soll 2024 sein. „Wir werden jetzt schnellstmöglich die notwendigen Anpassungen in der Planung vornehmen und uns dann mit dem verbliebenen Verein (SpVg Bönen) und dem Fördergeber abstimmen“, sagt Fachbereichsleiter Eisler.

Vorstandssitzung bei der SpVg

Die Aussage des Ausschussvorsitzenden Friedhelm Lange, dass die Fördergelder aus Berlin nicht gekürzt werden, hat Peter Hahnemann dann doch beruhigt. „Das war die erste große Sorge, die auch auch hatte“, sagt der Vorsitzende der SpVg Bönen. Ansonsten beschäftigt er sich seit Mittwoch – auch ihn hatte die Nachricht vom Aus der IG erst da erreicht – mehr mit der sportlichen Zukunft. „Ich habe für Freitagabend eine Vorstandssitzung einberufen und wir werden dann schauen, was wir machen sollen oder müssen“, sagt er.

Er bekomme eine Liste von der IG Bönen mit Namen von Spielern, die für den bisherigen Ortsrivalen Fußball spielen möchten. „Eventuell müssen wir eine dritte Mannschaft anmelden, wenn wirklich zehn, 15 Leute kommen – 30 Spieler in der zweiten, das geht nicht. Aber wir können eine Dritte ohne Wertung spielen lassen, dann in der Kreisliga D“, sagt er. Bei den Jugend-Spielgemeinschaften gehe es recht unbürokratisch zu: „Die Jungs können automatisch umgeschrieben werden. Aber alles ist noch zu frisch, ich muss das erst einmal verdauen.“ Für Gültekin Ciftci oder Peter Thiemann, die bis zum Schluss um die Zukunft der IG gekämpft haben, tue es ihm sehr leid, sagt Hahnemann, „weil sie nichts für die Situation können.“

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