Padel

Mischung aus Squash und Tennis begeistert auch Bönener

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Mit seiner Padel-Anlage lockt Michael Witthüser einige Bönener an.

Padel ist angesagt. Die Mischung aus Squash und Tennis begeistert immer Sportler. Michael Witthüser kennt das Gefühl.

Heeren - Es ist erstaunlich leicht, den Ball im Feld des Gegners zu platzieren. Anders als beim Tennis zum Beispiel, obwohl die Filzkugel die gleiche ist. Das Padel, ein dickes „Brett“, wiegt quasi nichts, hat keine für den Anfänger unberechenbare Bespannung, das Ergebnis des Schlags frustriert nicht gleich. Perfekt, um Blut zu lecken an dem in Deutschland recht seltenen Sport namens Padel, einer Mischung aus Tennis und Squash.

Genauso passierte es Michael Witthüser. Der 50-Jährige folgte vor etwa fünf Jahren gemeinsam mit seinem Sohn Mica einer Einladung des Westfälischen Tennisbundes zu einem Padelturnier in Herne. Der Hintergrund: Sohn Mica Witthüser war damals aufstrebendes Tennistalent, der 17-Jährige spielt aktuell bei Grün-Weiß Unna als Nummer eins in der Ruhr-Lippe-Liga. Vater und Sohn probierten anschließend den aus Argentinien stammenden exotischen Sport aus und sie blieben dabei. Das Problem: Damals gab es Padel-Courts in Herne und in Köln, also recht weit weg. Vor drei Jahren kam dann die Padelbase in Werne dazu. Den Witthüsers bleiben die langen Fahrten erspart. Allerdings war Padel auf einmal nachgefragt. Die Zahl der Plätze begrenzt.

Grundstück in Unna gesucht

„Ich habe dann ein Grundstück gesucht, erst in Unna. Und da hab ich auch eins gefunden, im Industriegebiet. Aber da hieß es, es dürfe nur eine Freizeitfläche bebaut werden mit Padelplätzen, keine die im Bebauungsplan als Gewerbe ausgezeichnet ist“, erzählt der Unnaer von Schwierigkeiten. Da er über zehn Jahre beim TC Heeren als Tennistrainer gearbeitet hatte, bekam er mit, dass der Verein schrumpfte. Für 40 Mitglieder standen noch vier Plätze zur Verfügung, der Betrieb des Vereinsheims lohnte nicht. Witthüser fragte an, zwei der Plätze wurden in der Folge zu Padelarenen: Die Drainage der Plätze blieb, darüber kam eine Art wasserdurchlässiger Estrich, auf den kurzfloriger Kunstrasen verlegt wurde. An sich extrem stumpf. Deswegen verstecken sich zwischen den Halmen auf jeder Seite des 20 mal 10 Meter großen Courts drei Tonnen Sand.

„Es ist eine Win-Win-Situation zwischen uns und dem TC“, erklärt der Investor. „Wir weisen bewusst auf den Tennisverein hin.“ Es bestünde also die Chance, dass junge Leute deren Angebot nutzen. Denn viele der Padelspieler kommen tatsächlich aus dem weißen Sport. Außerdem wäre es möglich, die Gastronomie wieder zu beleben. Gerade puzzle diese mit der Bestuhlung, um Abstände zu wahren.

Glasflächen als Prallflächen

Den Padelplatz begrenzen an den Aufschlagseiten Glaswände. Das ist schließlich der Witz des Spiels. Die Wände werden bewusst als Prallflächen mit einbezogen, ein „Aus“ gibt es nicht. Das macht Padel vielseitig und unberechenbar. „Die Cracks nutzen sogar die Außenfläche“, weiß Witthüser. Wenn der Ball den Käfig verlasse, dürfe er weitergespielt werden. Das erfordere natürlich Erfahrung, um vorher zu erkennen, wohin der Gegner spielt. Das Spiel ist extrem schnell und attraktiv – wenn Könner am Netz stehen.

Die standen in Heeren zur Eröffnung auf dem Platz. Ende August lud Witthüser zu einem 1000er-Turnier der German Padeltour. Die Zahl bezeichnet die Ranglistenpunkte, die man gewinnen kann. Die nationale Spitze, aber auch internationale Gäste kamen an die Heerener Straße. „Ich konnte sie mit einem höheren Preisgeld locken.“ Normalerweise würden die Spanier Startgeld nehmen. Am Ende siegte die Paarung aus Deutschlands Bestem, Darek Nowicki, der auch in Heeren trainiert, und dem Spanier Vasquez gegen das Doppel Ferreya, Jens Knipschild, ehemals Daviscupspieler im Team mit Boris Becker.

„Knipschild steht aber auch für den Umgang im Padel“, sagt Witthüser. „Im Gegensatz zum Tennis sind die Akteure bei uns für jeden ansprechbar.“ Der Oberhausener ist längst nicht der einzige Promi, den man auf der Anlage in Heeren antreffen kann. Ex-Fußballprofi Marcel Maltritz ist dem Trendsport ebenfalls verfallen. „Aber auch unsere Nachbarn, die Kicker vom BSV Heeren, nutzen die Anlage“, sagt Witthüser. Ansonsten kämen die Sportler eher aus der Umgebung, aus Bönen zum Beispiel Renate Zappe und Ex-Tischtennisfreund Jaroslaw Werner, der sogar in der Kategorie eins der besten Deutschen platziert ist.

Qualifiziert für die EM in Schweden

Sein Sohn Mica gehört in der Jugend inzwischen zur deutschen Spitze. Mit Partner Manuel Alves gewann er die Finals der German Padeltour in Köln, gehört zur Nationalmannschaft und war qualifiziert für die Europameisterschaft in Schweden. Abgesagt wegen der Pandemie. Deutschland ist aber in diesem Sport ein kleines Licht. „In Spanien gibt es 300 000 Anlagen. Dort ist es die zweitbeliebteste Sportart“, lenkt Witthüser den Blick auf die Schwergewichte des Sports.

Was den Sport so attraktiv mache? „Er ist wirklich für Jedermann“, beschreibt der 50-Jährige. „Man lernt es sehr schnell. Der Opa kann Padel mit seinem Enkel und auch der Profi mit dem Amateur spielen.“ Die Leistungsunterschiede seien im Padel keine Barriere, keine Spaßbremse, wie zum Beispiel im Tennis.

Von der Padelanlage allein kann Witthüser nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten. „Aber wir wollten etwas schaffen, woran wir Spaß haben“, erklärt er. Den will er demnächst auch mit Gehandicapten teilen. „Die Katharina Witt-Stiftung fördert das Projekt Down Syndrom goes Padel.“

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