Ringen

Marvin Manz verbringt Auslandssemester mit jeder Menge Sport

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Zeit für Sightseeing blieb Marvin Manz (links) in den drei Monaten auch.

Marvin Manz, unter anderem Vorsitzender der TuS Bönen, verbrachte die vergangenen drei Monate in der Twin City Kitchener-Waterloo. Die liegt in Kanada, in der Provinz Ontario, nahe der Metropole Toronto.

Bönen - Und wichtiger noch für Manz: Dort spricht man Englisch. Denn der Bönener Ringer ist Lehramtsstudent und für das Unterrichten der Fremdsprache ist für ihn ein entsprechender Auslandsaufenthalt – sprich Sprachpraxis – vorgeschrieben.

„Dort lebt ein Kampfrichterkollege von Papa“, begründet Marvin Manz die Wahl des Ortes. Vater Uwe pfeift bekanntlich international und olympisch, der Kanadier Gary Bird auch. „Eine supernette Familie“, zeigt sich der Rückkehrer begeistert, „sie haben es mir leicht gemacht, mich einzugewöhnen, Heimweh kam nicht auf. Sie nannten mich schließlich ihr drittes Kind.“ 

Zwei haben Gary Bird und Frau Jennifer mit dem 16-jährigen Riley und dem zwölfjährigen Aidan selbst. Beide sind übrigens keine Ringer, der eine spielt Fußball – „das ist dort augenblicklich schwer angesagt“ – der andere sei „eher ein Handwerker“.

Manz verbrachte die Zeit in Kanada nicht als klassisches Auslandssemester mit Unibesuch. Er lernte die angloamerikanische Kultur mit der Familie Bird, bei der Arbeit und bei Sportevents kennen. Auch aktiv. Wie er spielt sein Gastvater ebenfalls Golf. „Ich hatte meine Schläger dabei. Wir haben eigentlich jeden Mittwoch eine kleine Turnierserie gespielt“, blickt Manz zurück.

Mattenmänner ohne Ligenbetrieb

Und es gibt eine weitere Parallele: Gary Bird trainiert wie Manz ein Ringerteam. „Im Sportclub Matmen, Mattenmänner auf deutsch“, erzählt der Bönener. Ringen wird in Kanada vor allem als Freistil verstanden. Den klassischen Ligenbetrieb mit Vereinen wie in Deutschland gebe es nicht. Schul- und Collegemannschaften treten gegeneinander an, für Turniere müssen sich Athleten registrieren lassen und dort Punkte sammeln für internationale Aufgaben. Kanada versucht sich auf den Panamerican Games in Peru für die kommende Weltmeisterschaft im kasachischen Nursultan (vormals Astana) zu qualifizieren. „Sie haben auch ein paar gute, besonders im Frauenringen, aber der Stellenwert des Sports ist in Kanada nicht so hoch wie in den USA“, ordnet Manz ein.

Als Kampfrichter aktiv war der 23-Jährige ebenfalls. „Einmal auf einem Middleschool-Turnier am ersten Tag nach der Ankunft und dann beim Ontario-Cup, einem größeren Turnier mit vielen Junioren. Und dann hat Gary mich einmal reinschnuppern lassen in Pancration.“ Diese in Kanada boomende aus der Antike stammende Sportart, eine Mischung aus Ringen und Boxen, bestritt Manz als Punktrichter. „Die beiden Events, bei denen ich dabei war, waren professionell aufgezogen, beeindruckend“, urteilte Manz. „Ich glaube, das habe ich auch ganz gut hingekriegt. Ich hatte den gleichen Sieger auf dem Zettel wie Gary.“ Die WM in Pancration findet ebenfalls unter der Regie des United World Wrestling (UWW) in Nursulan statt.

Sightseeing mit Metzgersohn

Ganz klassisch beendete Manz den „Ausflug“ über den großen Teich mit einer Sightseeing-Tour inklusive Whalewatching und Nightlife in Montreal. „Zusammen mit einem Deutschen, Johannes Sax, einem Metzgersohn aus Stuttgart, den ich auf der Arbeit in der Wurstfabrik kennengelernt habe“, erzählt er. Dort jobbte Manz zweimal in der Woche im Verkauf auf einem Bauernmarkt.

„Kitchener hieß bis zum ersten Weltkrieg Berlin, viele der Einwohner haben deutsche Wurzeln, einige sprechen es noch ein wenig. Ich habe immer darauf geachtet, wie sie die Produktnamen, zum Beispiel Landjäger, ausgesprochen haben, und dann gefragt: Sprechen sie deutsch?“

Sax und Manz nahmen für die knapp 1200 Kilometer nach Tadousac an den St. Lorenz-Strom und den Besuch von Quebec wohlweislich einen Leihwagen. Distanzen zu überbrücken sei ansonsten schwierig gewesen. Um aus der relativ großen Doppelstadt Kitchener-Waterloo (über 200 000 Einwohner) in die nur 80 Kilometer entfernte Metropole Toronto zu gelangen, standen dem Bönener zwei Züge, einer morgens und einer abends zur Verfügung.

Mit den Toronto Raptors gejubelt

Dort bekam Manz übrigens auch den Enthusiasmus der Kanadier in Sachen Sport mit. „Die Raptors haben ja in meiner Zeit dort die NBA-Meisterschaft geholt, als erstes kanadisches Team“, erlebte der Bönener das dritte Finalspiel gegen die Golden State Warriors inklusive mitgesungener Nationalhymne der Fans in einer Kneipe mit.

Was er denn mitgebracht hätte an Erfahrung? „Ich glaube, ich habe eine gewisse Gelassenheit mitgenommen, mir da einiges bei Gary abgeschaut. Die Akzeptanz für das Gegenüber ist bei den Kanadiern größer als bei uns, sie sind deutlich kommunikativer, auf einmal spricht dich jemand an. Außerdem gucke ich die nordamerikanischen Sportarten, zum Beispiel die NHL, jetzt lieber, obwohl Toronto ja früh raus war – da habe ich jetzt einen größeren Einblick.“

An der Fitness für die am 30. August startende Saison der Ringer muss Manz dagegen noch arbeiten. Das kanadische Essen, „fett und oft eine Art Fastfood. Außerdem hab ich Soßen vermisst“, trägt er noch mit sich herum. Bevor er für den KSV Werries, zu dem er mangels eigener Mannschaft bei der TuS wechselte, auf die Matte geht, gilt es für den 23-Jährigen, sein Wunschkampfgewicht von 75 kg zu erreichen.

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