Radsport

Marcus Voß macht es möglich: Rennen fahren im Wohnzimmer

+
Marcus Voß mit einem der intelligenten Heimtrainer, die er von Unna aus vertreibt.

Marcus Voß aus Lenningsen vertreibt von Unna aus europaweit australische Heimtrainer. Ein gutes Geschäft in Corona-Zeiten.

Bönen - Viel Platz bietet das ehemalige Kreiswehrersatzamt an der Kamener Straße in Unna. Viel Platz benötigt Marcus Voß auch. Der Lenningser sitzt zwischen den Regalen mit Sportartikeln von der Socke bis zum Laufschuh. Gerade druckt er Etiketten für Neoprenanzüge, speziell für Triathleten. Eigentlich ein gutes Geschäft. Einen 40-Fuß-Container hat der 51-Jährige am Dienstag erst entladen. Ein bisschen Muffensausen hat Voß, weil die Triathlonsaison wegen Corona praktisch abgesagt ist. Die Pandemie verhalf dem Lenningser ab März aber zu einem unerwarteten Boom bei Heimtrainern für Radrennfahrer.

„Es ist ruhiger geworden“, meint Voß. Der 51-Jährige handelt mit Produkten für Nischensportarten und mit eben solchen -produzenten, die er weltweit findet und deren Artikel er dann in Europa vertreibt. „Das war schon überraschend, wir sind total ausverkauft“, erzählt Voß. Mit dem Lockdown stieg die Nachfrage nach intelligenten Hometrainern eines australischen Herstellers, den er erst kurz zuvor ins Programm aufgenommen hatte. Viel wäre nach Italien gegangen, erzählt er.

Echte Rennatmosphäre ist möglich

„Wenn du nur 200 Meter aus dem Haus kannst? Und wenn ein Trainer dann nicht sofort funktioniert. Ich würde verrückt werden“, sagt der Radsportler. Deswegen sei der Service besonders wichtig gewesen. „Ob zuviele Apps gleichzeitig laufen, ob Bluetooth nicht funktioniert – aber wir haben alle Geräte ans Laufen gebracht.“

Das Gerät vermittle eine „echte“ Rennatmosphäre. Die Darstellung auf dem Display des Handys, dem Tablet oder dem Smart-TV zeigt zwar das Bild einer eher grob geschnitzten Landschaft und mit Sportlern, die einem Computerspiel der 90er Jahre entstammen könnten. „Es ist im Prinzip dieses Mario-Kart-Radfahren“, beschreibt Voß, „die haben aber die größte Realitätsnähe.“ Die Interaktion der Trainingssoftware „Zwift“ mit der elektromagnetischen Bremse am Hinterrad des Rennrades funktioniert. „Geht die Strecke bergauf, spürst du das in den Beinen“, demonstriert der ehemalige Nationalfahrer. Seine angezeigte Wattzahl steigt. Die Leistung nimmt ab, sobald er den Windschatten virtueller Mitfahrer nutzt. Die ziehen dann aber kurz davon.

Apropos virtuell: Auf dem Trainer sind auch echte Rennen möglich, die Touren werden echten Strecken nachgebildet. „Es ist zum Trend geworden, weil auch Profis diese Möglichkeit nutzen, sich in der Rennpause zu messen. Und wer will nicht einmal gegen einen solchen fahren.“

Noch keinen Profi getroffen

Voß selbst hat noch keinen auf der Strecke getroffen. „Du weißt ja nicht, wann und wo die aktiv sind. Ich nutze diese Möglichkeit aber auch nur im Winter, dann aber nur eine Dreiviertelstunde oder zum Warmfahren vor Crossrennen oder Bahnfahren.“

Als er es 2015 erstmals für sich nutzte, seien 20 Radler am Start gewesen, heutzutage sind 300 auf seinem Lieblingskurs über 35 Kilometer unterwegs, der „Italian Gladiator“ heißt. Als Wettbewerb sieht Voß den Einsatz kritisch. „In der Coronazeit gibt es Junioren-Bundesligarennen“, erzählt er. „Es ist zweifelhaft, weil kriegsentscheidend ist ja, was für eine Kilogrammzahl du angibt. Ich sehe das eher als Spaß an.“ Andererseits bekam Voß mit, dass durchtrainierte Onlinefahrer „mit tollen Zwiftdaten“ an der Realität scheitern. „Die können nicht bremsen und nicht lenken.“ Man dürfe diese eigentlich nicht auf eine reale Strecke lassen.

Voß hofft auf Rennen im Herbst

Annähernd richtiges Lenken soll demnächst kommen. Interessant für Mountainbiker, die Angst davor haben, zu stürzen. „Du musst technisch sauber lenken, tust dir aber nicht weh.“

Der Lenningser hofft trotz des kommerziellen Erfolgs mit dem Equipement in Sachen Indoortraining und -rennen auf den Herbst. „Ich mache momentan zwar Sport. Aber ohne Rennen fehlt die Motivation zu einer richtigen Vorbereitung“, sagt Voß. Die Cyclocross-Saison startet im Oktober. Noch sind aber alle Wettbewerbe mit „vorläufig“ terminiert. Das Erzgebirgs-Jedermannrennen steht in der zweiten Juliwoche im Rennkalender, „Rund um den Sachsenring“ Ende August. „Aber die Sachsen sind ja schon weiter in Bezug auf die Lockerungen“, so Voß. „Auch wenn ich in Bezug auf die Corona-Entwicklung sagen muss: Wir haben offensichtlich alles richtig gemacht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare