Menschen in Bönen

Die Mäklers sind ein Glücksfall für die Gemeinde

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Das engagierte Mäkler-Quartett inmitten der Fahnenschwingergruppe des RGS (von links): Enkeltochter Caroline Deutsch, Rudolf und Jutta Mäkler sowie Tochter Sandra Deutsch.

Seit 40 Jahren kümmern sich Rudolf und Jutta Mäkler um den Rehasport in Bönen. Ihr Engagement ist beeindruckend. Wir stellen das Ehepaar in der Reihe "Menschen in Bönen" vor.

Bönen - Die Altersspannbreite der Zielgruppen ist beeindruckend, das entsprechende sportliche Angebot nicht minder. Von drei bis 90 Jahre heißt es beim Verein Reha- und Gesundheitssport Bönen. Zurzeit sind 38 Kinde sowie 83 weitere Sportlerinnen und Sportler aktiv, dazu 126 Mitglieder – und darum kümmern sich lediglich vier Personen: Das sind Rudolf und Jutta Mäkler mit Tochter Sandra Deutsch und Enkeltochter Caroline. Sie gelten als die Namen für Behindertensport in Bönen, im Kreis Unna und in der Stadt Hamm.

Angelegt in erster Linie für behinderte Menschen sind die sportlichen Angebote aufgeteilt nach Altersklassen, Anfängern und Fortgeschrittenen oder Behindertengrad und haben vor allem eines gemeinsam: Sie dienen der Gesunderhaltung, sind aber insbesondere auf Rehabilitationsmaßnahmen ausgerichtet. Die Schwerpunkte liegen auf der Wiederherstellung oder Verbesserung angeborener sowie fehlender körperlicher und geistiger Fähigkeiten.

Seit 1995 Vorsitzender des Vereins

Neben den klassischen Bereichen der Leichtathletik, der Gymnastik und des Schwimmens zählen auch Disziplinen wie Hallenboccia, Fahnenschwingen und Cheerleading zum Angebot.

Rudolf Mäkler ist seit 1995 Vorsitzender des Vereins, kurz RGS. Die Jahreszahl 1966 weist auf den Ursprung hin, nämlich die frühere Versehrtensportgemeinschaft Bönen (VSG). Dieser Gruppe schloss sich Mäkler 1979 an. „Ein Jahr habe ich mir das angeguckt. Dann hatte ich die Faxen dicke“, sagt er. Also ließ er sich spontan zum Übungsleiter ausbilden und übernahm die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit damals fünf Mitgliedern. Heute sind es 38.

Partnerschaftliche Unterstützung bekam er ein Jahr später von Ehefrau Jutta. Ebenfalls ausgerüstet mit der Übungsleiterlizenz übernahm sie 1981 die Frauengruppe und ist bis heute verantwortlich für die Reha-Wassergymnastik.

Eine Entwicklung, die nicht zuletzt der Empfehlung eines Kinderarztes zu verdanken ist. Er hatte für die behinderte Tochter Xenia unbedingt sportliche Aktivität verordnet und leitete so das Engagement des Mäkler-Quartetts ein.

Übungsleiter werden dringend gesucht

Jahrelange Aus- und Weiterbildung an den verschiedensten Schulen für Behindertensport waren von nun an der Tagesordnung. Das bedeutete auch zunehmende Spezialisierung in verschiedensten Bereichen. Und fand in Tochter Sandra und Enkeltochter Caroline Nachahmerinnen. Ein Problem aber bleibt. Übungsleiter/innen werden händeringend gesucht. „Wir stehen beide im 78. Lebensjahr. So lange es geht, machen wir weiter. Aber wer weiß das schon“, so Rudolf und Jutta Mäkler mit ihrem eindringlichen Appell.

Die Familie ist ein Glücksfall für das Behindertensportangebot in der Gemeinde und darüber hinaus. Rudolf Mäkler stammt aus der Kleinstadt Velten bei Berlin. Der geplante Wiederaufbau des 1907 in Nordbögge errichteten, großväterlichen Hauses, das „erhalten werden sollte“, zog ihn in diese Region. Mit der Heirat fand er in Jutta die adäquate Partnerin, die es „mir leicht machte, meine sportlichen Pläne umzusetzen“.

Das war nicht immer einfach. 2007 stand die Änderung des Vereinsnamens von der Versehrtensportgemeinschaft in Reha-und Gesundheitssport an. Nicht leicht bei der langen Tradition der VSG. Schließlich obsiegte der Elternwille, der die Bezeichnung in RGS forcierte. 2013 war erneut ein entscheidendes Jahr. Der Verein verabschiedete sich von der bisherigen Gruppenstruktur. Er wandelte sich um in den heutigen Mehrspartenverein mit seinen zahlreichen Abteilungen, auf drei Säulen ausgerichtet. Erstens: Behinderten-Leistungssport (mit Rennrollstuhlfahrer und Paralympics-Teilnehmer Denis Schmitz als Aushängeschild). Zweitens: Behinderten-Breitensport. Drittens: Rehasport.

Unter den besten Vereinen des Landes

Große und kleine Erfolge sind immer wieder das Ergebnis intensiver und akribischer Vorbereitungsarbeit. Um nur einige zu nennen: In den Jahren 2008 und 2019 wurde der Verein unter die zehn besten Behindertensportvereine von NRW gewählt.

Als Behindertensportverein des Jahres wurde die RGS Bönen 2008 vom Innenminister des Landes NRW ausgezeichnet, 2018 ein weiteres Mal. Persönliche Anerkennung fand die Arbeit der beiden durch die Verleihung der Ehrenmedaille der Gemeinde Bönen im Jahr 2000 für Rudolf und 2006 für Jutta Mäkler. Mit Recht besonders stolz ist das Ehepaar auf das Bundesverdienstkreuz, das ihnen 2011 aus der Hand von Landrat Michael Makiolla verliehen wurde.

„Das alles gelingt nur, wenn man mit dem Herzen dabei ist. Wenn neben der körperlichen Bestätigung auch das empathische Gespräch steht mit den unmittelbar Betroffenen und den Angehörigen. Wenn man sich öffnet für die Belange von Menschen, deren Lebensweg schicksalhaft beeinflusst wurde“, sagen die beiden Bönener: „Und wenn der kleine Kerl aus der Gruppe uns um den Hals fällt und kaum heraus kriegt: Ich will unbedingt wieder kommen – dann machen wir es richtig.“

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