„Tischtennis streut in die Gesellschaft“

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„Der Freizeitcharakter wird wieder stärker gelebt“, sagt TTF-Spieler Jan Lüke, der ein Buch über Tischtennis geschrieben hat.

Bönen - Jan Lüke liebt Tischtennis. Das ist nicht überraschend, schließlich spielt der 30-Jährige für die TTF Bönen in der Regionalliga, schreibt Spielberichte und doziert auch an der Sporthochschule Köln über diese Sportart. Jetzt hat er ein Buch mit dem Titel „111 Gründe, Tischtennis zu lieben“ darüber geschrieben. Mit Boris Baur spricht er über seine Premiere als Autor, das Schreiben und das Besondere am Tischtennis.

Dass Sie Tischtennis lieben ist naheliegend, aber wie kam es dazu, dass Sie ein Buch darüber schreiben?

Jan Lüke: Tatsächlich wurde ich aufgrund der Tatsache, dass ich schon ein paar Jahre für verschiedene Fachmedien schreibe, vom Verlag angesprochen. Wobei es dann nicht viel Überzeugungsarbeit brauchte, das ich das mache. Ich habe relativ schnell für mich klar gehabt, dass das etwas ist, wo ich mich reinstürzen möchte.

Wie lange hat es dann mit der Recherche und dem Schreiben gedauert?

Lüke: Das ist schwierig zu sagen, weil ich es neben meiner Arbeit gemacht habe. Ich habe im März letzten Jahres angefangen zu recherchieren, und habe erstmal überlegt, wo kriegt man denn 111 Gründe her. Das ist ja schon eine relativ große Anzahl. Ich habe angefangen, zu gucken, was die 111 Gründe sein könnten und langsam begonnen diese mit Inhalt zu füllen. Die Arbeit abgeschlossen habe ich Ende Oktober.

War es schwierig auf 111 Gründe zu kommen, oder waren es schnell eher 150?

Lüke: Am Anfang dachte ich, es wird wirklich schwierig. Als ich mich dann aber hingesetzt habe, und verschiedene Felder für mich aufgezeigt habe, in die ich die Gründe verorten könnte, ist es mir überhaupt nicht mehr schwer gefallen. Es könnte jetzt auch noch einen zweiten Teil geben. (lacht)

Was waren die Beweggründe für die Auswahl der verschiedenen Kapitel?

Lüke: Ich hatte mir schon vorgenommen, nicht rein auf die Leistungssportebene abzuzielen, was ein Bereich ist, in dem ich mich gut auskenne. Aber eigentlich habe ich mir von vorneherein gedacht, dass es auch ein Buch sein sollte für alle, die irgendwie einen Bezug zu Tischtennis haben könnten. Natürlich habe ich diesen Leistungssportbereich, diese olympische Sportart Tischtennis, mit drin. Aber ich wollte auch ganz viele andere Aspekte mit abbilden wie das Regelwerk, aber auch diesen ganz freizeitsportlichen Charakter, den eben jeder kennt. Dadurch hat sich das dann gut gegliedert, weil ich ganz verschiedene Bereiche hatten, die in dem Buch nicht viel miteinander zu tun hatte, wenn man auf der eine Seite über olympische Athleten spricht und auf der anderen darüber, wie es ist Tischtennis im Park zu spielen.

Sie haben es selbst angesprochen, dieser Unterschied zwischen der olympischen Sportart und der Tischtennisplatte im Park. Ist das das Besondere der Sportart?

Lüke: Ja total. Tischtennis hat ja schon ein etwas angestaubtes Image. Aber das ändert sich in den letzten Jahren, weil dieser Freizeitcharakter wieder stärker gelebt wird und viel mehr Leute rausgehen und die Tischtennisplatten besetzen, die draußen auf Schulhöfen stehen. Das ist eigentlich das Besondere, was Tischtennis ausmacht, dass es für viele ein Spiel ist und nicht unbedingt eine Sportart. Jeder kennt es. Jeder hat damit mal seine praktische Erfahrung gemacht. Selbst bei so großen Sportarten wie Handball und Basketball gibt es weniger Leute, die direkten Kontakt mit der Sportart hatten. Das war mir am Anfang schon bewusst, aber je mehr ich dran gearbeitet habe, desto deutlicher wurde mir, dass das das Besondere ist, und wo ganz viele Anknüpfungspunkte sind.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsgrund?

Lüke: Schwierig. Die die weggehen vom Leistungssport finde ich irgendwie doch spannender. Diese Bar in Berlin „Dr. Pong“, die ein Hotspot geworden ist für so eine Metropole, obwohl nichts anderes passiert, als das Leute Rundlauf spielen. Und wie viele Leute in Kontakt gekommen sind mit Tischtennis, welche Prominente es spielen, ob ein Sebastian Kehl oder ein Günter Wallraff. Wie breit diese Sportart dann doch in die Gesellschaft streut. Das sind die Punkte, die mich tatsächlich am meisten gepackt haben, weil ich sie selbst vielleicht vorher nicht so bewusst hatte.

Anders herum gefragt: Gibt es auch Gründe, bei denen Sie nachvollziehen können, warum andere Leute Tischtennis nicht mögen?

Lüke: Ja total. Das muss ich bei aller Euphorie zugeben. Ich könnte wahrscheinlich sehr, sehr viele Gründe aufzählen, vielleicht sogar 111, aus denen man es nicht unbedingt lieben müsste.

Was wäre da ein Beispiel?

Lüke: Da wäre zum einen das Regelwerk, was ja doch sehr speziell ist. Das ist ein Bereich des Buchs, an den ich mit einem Augenzwinkern herangehen würde. Manche Regeln wie die Aufschlagregel, die man einem Normalsterblichen kaum erklären könnte und bei der sogar nicht jedem Vereinsspieler richtig klar ist, was man da darf und was nicht. Und von solchen Regeln gibt es eine ganze Menge. Das ist schon sehr speziell.

Was war das für ein Gefühl, als das Buch bei Ihnen zuhause ankam?

Lüke: Tatsächlich war ich da das erste Mal so richtig stolz. Das war etwas was mich lange begleitet hat und ziemlich intensiv. Als ich das Paket ausgepackt habe und das erste Mal die Bücher in der Hand hatte, war das schon ein schönes Gefühl.

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