Lenningser Marcus Voß hat DM-Teilnahme als Hobby

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Der Cyclocrosser Marcus Voß nutzt kein Alu- oder Carbonrad, sondern eins aus Stahl.

Bönen – Im vergangenen Jahr wurde Marcus Voß 50 Jahre alt. In diesem Jahr fuhr er bei den Deutschen Meisterschaften der Crossradler als bester Fahrer aus NRW auf den 13. Platz der Master III. Erstaunlich – der Lenningser fuhr von Startplatz 46 so weit nach vorne.

Fehlende Punkte aus der Rennserie Deutschland-Cup verhinderten eine bessere Positionierung zu Rennbeginn. Auch wenn er im Rennen immer noch Ehrgeiz zeigt. Für Voß ist das Radfahren heute Hobby. Das war in seiner Jugend anders. Frank Ommer, in den 80er Jahren Aushängeschild des RSV Unna, wohnte in der Nachbarschaft in Voß Geburtsorts Mühlhausen. Der Deutsche Meister und Militärweltmeister im Crossfahren wurde sportlich eine Art Vorbild für Voß.

Das erste Rennrad erarbeitet

„Ein Freund von mir hatte Bock auf Rennradfahren“, erzählt der Lenningser. Voß Eltern Anita und Helmut, „ein sehr guter Fußballer“, waren und sind sportbegeistert. Ein Rennrad kostete damals allerdings richtig Geld. „Sieh mal zu, dass du was sparst“, bekam der Zwölfjährige zu hören. Autowaschen brachte die Hälfte der nötigen Summe, den Rest schossen die von der Ernsthaftigkeit des neuen Sports überzeugten Eltern zu. Gemeinsam mit Ommer fuhr Voß zum Training zum RSV Unna. Mit 15 Jahren war für ihn dann Schluss mit dem parallel betriebenen Fußballspielen. Voß saß nur noch im Sattel, war 1986 Erster der Deutschen Juniorenrangliste, wurde Nationalfahrer, kam in die Sportkompagnie, fuhr zwei Weltmeisterschaften mit.

„Ich war schon ziemlich gut“, urteilt er. Unter anderem gewann er 1985 den Unnaer Citycross. „Ich bin damals auch Cross gefahren, war aber auf der Straße einfach besser“, blickt Voß zurück. Seine Trainer legtem ihm folglich nahe, im Winter zu pausieren und sich im Sommer voll auf die Straße zu konzentrieren. Als Amateur-Rennradler trug er eine Saison lang das Trikot des RSV Gütersloh und fuhr zweieinhalb Jahre für Olympia Dortmund. 35 000 Kilometer spulte Voß im Jahr ab, fuhr 140 Rennen im Jahr.

Bandscheibe verhindert Profikarriere

„Es war ja mehr oder weniger ein Berufswunsch von mir“, erklärt er den Trainingsfleiß. Die Bandscheibe inklusive Wirbelsäulen-OP beendete den Traum. Folglich wurde das Rad zum Hobby. Cross wurde vor vier Jahren wieder Thema. Zum einen, weil Tochter Carlotta recht erfolgreich in dem Metier unterwegs war. Marcus Voß braucht nicht lange, um auf volle Leistung zu kommen und Rennen zu gewinnen. „Ich bin ja mit 34 Jahren schon mal wieder eingestiegen, hab von fünf Rennen in den acht Wochen gleich zwei gewonnen und bin in die Eliteklasse aufgestiegen“, erzählt er. Ein kurzes Intermezzo. „Ich hab das dann nicht weiter verfolgt.“

Die Erfahrung spiele bei Wettkämpfen eine große Rolle. „Nicht jeder ist in der Lage in einem Pulk von 100 Leuten zu fahren“, sagt er über Straßenrennen. Voß nutzte seine Erfahrung auch für den Triathlon und eben fürs Crossfahren, „obwohl ich in dieser Saison eigentlich das erste Mal erfolgreich fahre.“ Während bei Straßenrennen der Erfolg von der Mannschaft abhänge - „es sei denn, du bist so gut, dass du die anderen betonierst“ -, sei der Ritt durch Gelände Individualsport. „Du weißt, wenn du solange dabei bist, natürlich, wie du die oder die Kurve anfahren musst“, erklärt Voß, „hast aber die Wahl zwischen vier verschiedenen Reifen für schlammig, sandig oder hart gefroren.“

Nettes Miteinander

Bei aller sportlicher Konkurrenz, „es ist ein töftes Miteinander unter den Fahrern, die Leute sind lässig drauf, man gibt Ratschläge.“ Und man frotzelt unter den alten Herren beim Bierchen danach auch ganz gerne. Warum tun wir uns das an?, heißt dann eine eher rhetorische Frage. Die naheliegende Antwort: „Wir sind ja alle in der Midlifecrisis, können uns aber die Scheidung und den Porsche nicht leisten.“ Den Radprofi hat Voß zwar mit seinen 50 Jahren ad acta gelegt. Beruflich hat er hingegen viel mit dem Sport zu tun.: „Es ist doch total klasse, wenn du sportbegeistert bist und dann auch beruflich mit dem Metier zu tun hast“, beschreibt er seinen Broterwerb. Er vertreibt Sportartikel aus aller Welt. Vermarktbare Nischenprodukte von Herstellern, die keinen eigenen Vertrieb in Deutschland und Europa haben. „Es hilft in beide Richtungen, ist ja nichts völlig Fremdes. Du beschäftigst dich ja rund um die Uhr mit Sport, ich laufe ja auch“, blickt Voß auf Vergangenheit und Gegenwart.

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