Sportpolitik

Geldregen für die Sportstätten - mit einem kleinen Aber

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Förderfähig sind Dinge wie das Dach der Tennishalle, weil sie dem Verein gehört. 

Kreis Unna – Ein Millionenprojekt hat die Landesregierung für den Sport in Nordrhein-Westfalen aufgelegt. Für das Sportstättenförderungsprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ sollen in den kommenden drei Jahren 300 Millionen Euro bereitgestellt werden. Rund 5,5 Millionen stehen dem Kreis Unna zu, 300 000 Euro gelangen nach Bönen.

 Für die Verteilung ist dabei nicht die Politik, sondern erstmals der Landessportbund beziehungsweise der Kreissportbund Unna sowie die untergeordneten Stadt- und Gemeindesportverbände zuständig.

„Grundsätzlich ist das zu begrüßen“, erfreut Dirk Presch, der Vorsitzende des GSV in Bönen, die Initiative: „Es ist gut und mutig diesen Weg zu wählen, die Vereine und Sportverbände in die Verantwortung und in die Pflicht zu nehmen“, sagt er zu dem Schritt, die Verwaltung der Kommunen zu übergehen.

Zahl der förderungsfähigen Bönener Vereine wohl klein

Bis zu 90 Prozent könne die Zuwendung betragen. Der Eigenanteil des Vereins kann durch Eigenleistungen erbracht oder durch das Bürgschaftsprogramm des Landes finanziert werden. Das Projekt hält Presch für eine tolle Sache, es gibt jedoch ein Aber: In Bönen könnte die Zahl der förderfähigen Vereine sehr klein sein.

Das liegt an den Kriterien, die die Landesregierung erarbeitet hat. Die Erfordernis, Mitglied im KSB oder einem Fachverband des LSB zu sein, erfüllen die Bönener Klubs noch. Doch Voraussetzung für einen Antrag ist außerdem, dass der Verein entweder Eigentümer der Sportstätte beziehungsweise wenigstens eines Teils davon oder Pächter und Mieter ist. Dann muss der Vertrag mindestens noch zehn Jahre laufen und der Klub muss wirtschaftlicher Träger sein (das heißt zuständig für „Dach und Fach“), also Reparaturen aus eigener Kraft bezahlen.

Reparaturarbeiten wie im Vorjahr am Bodenbelag der MCG-Halle muss die Gemeinde bezahlen

GSV schreibt alle Bönener Vereine an

In der Gemeinde könnte das laut Presch nach einer ersten Prüfung nur auf den TV Rot-Weiß zutreffen. Die Tennisspieler haben vor einigen Jahren die Anlage am Südfeld übernommen. Ansonsten könnte es wahrscheinlich am letzten Punkt scheitern. Der VfK Nordbögge mit seiner Anlage an der Feuerwache sowie der TVG Flierich-Lenningsen mit der Ermelingschule sind daher zum Beispiel wohl raus.

„Wir werden aber alle Vereine anschreiben“, verspricht Presch, der zum Beispiel die Reiter, Angler oder Billardspieler im Hinterkopf hat. „Ich gönne jedem Verein das Geld, aber es ist schade, dass viele mitgliederstarke und beliebte Sportarten ausgeblendet werden“, sagt Presch. „Ich hatte gehofft, dass es eine Sonderklausel für kleinere Vereine geben wird. Und da waren wir in Bönen nicht die Einzigen.“ Hinter den Tennisklubs (31 mögliche Begünstigte) könnten die Fußballer (30 Vereine) allerdings nach einer ersten KSB-Rechnung im Kreis am zweitmeisten profitieren.

129 Vereine im Kreisgebiet könnten in Frage kommen

Immerhin: Sollte eine Gemeinde den Topf nicht voll ausschöpfen, sollen in einem zweiten Schritt schulische Anlagen, in denen Sport betrieben wird, bedacht werden können. Bönen hat im Kreis übrigens mit Holzwickede zusammen die geringste Fördersumme. In Unna stehen im Vergleich 780 000 Euro bereit, in Kamen fast 600 000.

Der KSB Unna hat in einer ersten Übersicht 129 Klubs im Kreisgebiet gefunden, die förderfähig sind. 10 000 Euro muss die Maßnahme allerdings betragen, um den Verwaltungsaufwand besonders für die kleineren SSB und GSV in Grenzen zu halten. „Wir müssen ehrenamtlich die ganze Organisation machen“, erklärt Presch, der die Sache aber „spannend“ findet und sich über die gestiegene Verantwortung für sich und seine Vorstandskollegen freut.

Die Sanierung der Rehbusch-Asche fällt nicht unter die möglichen Maßnahmen.

Die Mittel sollen drei Jahre vorhalten

Ebenfalls raus aus der Förderung ist ein Neubau. Eine Sache, die in Bönen zuletzt durch die Diskussion um die Fußballplätze am Turm wieder Fahrt aufgenommen hat oder der TVG an der Ermelingschule in Angriff nehmen wird. Explizit handelt es sich bei der Zuwendung um Modernisierung, Instandsetzung, Sanierung, Erweiterung oder Umbau vor allem mit Blick auf einen energetischen, digitalen oder behinderten- und gendergerechten Ausbau. Lediglich ein Ersatzneubau ist bei wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit möglich.

Schon im Oktober können die ersten Anträge gestellt werden. „Wir haben aber alle Zeit der Welt“, sagt Presch. Der GSV wird nicht, so ist es auch vom LSB gewollt, nach dem Prinzip ‘wer zuerst kommt, mahlt zuerst’ verfahren. Die Mittel sollen bis Dezember 2022 reichen. Den Vereinen soll Zeit gegeben werden.

Sportentwicklungskonzept als zweites "Standbein"

Noch zwei weitere Dinge liegen Presch auf dem Herzen: „Es wäre auch schön und wichtig, dass nach 2022 derjenige, der dann die Landesregierung führt, an diesem Programm anknüpft und es keine Eintagsfliege bleibt.“ Außerdem dürften keine Gelder aus den Töpfen der Kommunen für den Sport wegen dieser Maßnahme zurückgehalten oder anderweitig verwendet werden. „Es macht keinen Sinn, wenn das Geld woanders abgezogen wird.“

Hier lobt Presch explizit die gute Zusammenarbeit mit der Bönener Verwaltung und erinnert an das jüngst auf den Weg gebrachte Sportentwicklungskonzept, für das er die Zusage hat, das Gelder in den Haushalt eingestellt werden. „Das ist eine echte Chance für die Sportvereine“, so der GSV-Vorsitzende – auch für die, die beim Programm der Landesregierung nicht zum Zuge kommen wie beispielsweise die Fußballer und Hallensportler. „Es brechen bessere Zeiten für den Sport in Bönen an, zumindest was die Anlagen angeht“, ist Presch zuversichtlich. Nötig haben eine Renovierung viele Sportstätten in der Gemeinde.

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