Billard

Weltmeisterlich mit dem Queue

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Mit einem Plakat empfingen die Stolberger in seinem Trainingslokal ihren Weltmeister, den Bönener Joshua Filler.

Stolberg - Die „Kupferkanne“ im Stolberger Stadtteil Mausbach: Auf den ersten Blick würde man hinter der Fassade der Gaststätte nicht zwingend einen Billard-Weltmeister vermuten – wäre da nicht das Plakat, das an einem Mäuerchen befestigt ist und auf dem Joshua Filler in großen Lettern beglückwünscht wird zu seinem Triumph bei den 9-Ball-Titelkämpfen in Katar im vergangenen Jahr.

Das Plakat ist auch noch Monate nach dem Turnier, bei dem der 21-Jährige gebürtige Bönener seinen bisher größten sportlichen Erfolg feierte, nicht entfernt worden. Besonders stolz auf ihn ist seine Frau Pia, die ebenfalls als Billardprofi aktiv ist. Ihren Eltern gehört das Lokal, in dessen hinterem Raum – wie sollte es anders sein – zwei Billardtische aufgebaut sind.

Gemeinsam bilden Pia und Joshua die „KillerFillers“. Unter dem Label sind die beiden stets zusammen auf den Turnieren der Welt unterwegs. „Uns gibt es nur im Doppelpack“, sagt Pia Filler. Auch, weil ihr Trainer, Michael Wahl aus Fulda, nicht mitreist und sich die Fillers bei ihren Turnieren gegenseitig coachen: „Wir sind das einzige Ehepaar, das zusammen professionell Billard spielt.“

Die Fangemeinde wird stetig größer

Berühmt sind die beiden spätestens seit ihrem ausgelassenen Jubel nach Joshua Fillers Sieg bei den China Open 2017. Ein Video  kursiert bei YouTube. „Wir haben uns außergewöhnlich gefreut“, beschreibt Pia, und Gatte Joshua ergänzt: „In dem Moment sind wir völlig von unseren Emotionen überwältigt worden.“

Im Internet hat sich seitdem eine stetig wachsende Fangemeinde gebildet. Die Fillers versorgen ihre Anhänger fleißig mit Neuigkeiten aus ihrem Billarduniversum. Sie machen das nicht nur für sich, sondern für den Sport im Allgemeinen: Zwar werde Billard in der Öffentlichkeit wahrgenommen, es habe allerdings nicht die Lobby wie etwa Fußball, Tennis und Golf, sagen die beiden Profis.

Billard ist Leistungssport

Daran wollen sie etwas ändern. „Billard ist nicht nur Kneipensport, es ist Leistungssport“, sagt Pia, die mit ihrem Mann täglich fünf Stunden trainiert und nebenbei noch Ausgleichssport betreibt, um die körperlichen Herausforderungen beim Billard zu meistern. „Ein Turniertag kann gut und gerne mal zwölf Stunden dauern, da muss man fit sein“, berichtet Joshua, der kürzlich den zweiten Platz bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ in Stolberg belegt hat.

Pia Filler ist die Nummer 35 der Weltrangliste.

Für eine größere Aufmerksamkeit müsse Billard jetzt noch dauerhaft ins Fernsehen, sagen die beiden. Und den Weg zu den Olympischen Spielen finden. Allerdings sieht es da derzeit eher mau aus. Bei einem Werbetermin in Paris, als es um die Aufnahme neuer Sportarten ging, waren Pia und Joshua dabei. Die Bemühungen blieben allerdings erfolglos. Der Sport sei nicht attraktiv genug, sagte man ihnen. Da können die Fillers nur mit dem Kopf schütteln.

„Billard ist faszinierend, vielseitig, man lernt nie aus“, schwärmt Pia. Für sie ist ihr Mann das perfekte Aushängeschild für die Sportart, jemand, den man braucht, um die Disziplin nach vorne zu bringen. „Joshua ist ein interessanter Spieler, schnell, aggressiv, und er spielt spektakulär. Er ist ein Jahrhunderttalent“, schwärmt die 20-Jährige und vergleicht die Spielweise ihres Mannes mit der von Snooker-Superstar Ronnie O’Sullivan.

Schwierige Traum von Olympia

Für 2028 soll in Sachen Olympische Spiele ein neuer Anlauf gemacht werden. Bis dahin werden die beiden Billardprofis tagtäglich ihrem Job nachgehen. Als genau solchen bezeichnen die beiden nämlich ihre sportliche Tätigkeit. „Wir sind Profis, wir arbeiten jeden Tag für unseren Traum“, sagt Pia. Ob man tatsächlich davon leben kann, hänge von verschiedenen Faktoren ab, nicht zuletzt von Sponsoren. „Man muss aber schon bis ins Alter von 50 oder 60 Jahren auf einem hohen Level spielen, um finanziell abgesichert zu sein“, erklärt Joshua.

Das ist auch ihr Ziel: Billardspielen bis zur „Rente“. „Wir können uns nichts anderes vorstellen, das war schon immer so“, blickt Pia auf die Anfänge in der Jugend zurück. Sie spielte heimlich am Tisch des Vaters, der im Wohnzimmer aufgebaut war. Joshua kam über seinen Großvater zum Spiel mit dem Queue. Der Opa nahm ihn mit zum BV Bönen. „Da habe ich gemerkt, dass ich ziemlich gut bin in dem, was ich tue“, erinnert er sich. „Ich habe viele Erfolge gesammelt und wollte mehr. Ich wollte die großen Turniere gewinnen.“

Der Opa brachte Joshua Filler in Bönen zum Billard.

Kennengelernt haben sich Pia und Joshua vor elf Jahren als Kinder – wie sollte es anders sein – beim Billardspielen. Anfangs hatten sie weniger miteinander zu tun, aneinandergerückt sind sie erst mit 14, 15 Jahren im Nationalkader, als sie denselben Sponsor hatten und gemeinsam zu Turnieren gefahren sind. „Da hat’s gefunkt“, sagt Pia. Seit rund anderthalb Jahren sind sie nun verheiratet und leben in Stolberg.

Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde

Zeit, um in seine Heimatgemeinde Bönen zu fahren, habe er derzeit kaum, sagt Joshua. „Es passiert einfach zu viel.“ Zum Beispiel ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Dort ist er seit seiner Teilnahme beim Mosconi Cup 2017 zu finden. Bei dem Turnier, vergleichbar mit dem Ryder Cup beim Golf, wurde er als jüngster Spieler aller Zeiten zum besten Spieler (MVP) gewählt.

Zwei Jahre und viele Turniere später ist Joshua Weltranglistenerster. Die Freude über den Erfolg bei der WM halte noch immer an, beschreibt er: „Ich verstehe bis heute nicht, was da passiert ist. Ich schaue mir die Medaille und den Pokal an, aber realisiert habe ich es immer noch nicht.“ Er hat sich fest vorgenommen, den Titel in diesem Jahr zu verteidigen. Das will er noch einmal erleben. Als amtierender Weltmeister ist er bereits qualifiziert.

Deutscher Mannschaftsmeister mit St. Augustin

Auch Pia kann bereits auf eine Reihe von Erfolgen zurückblicken. In der Jugend hat sie unzählige Deutsche-Meister-Titel geholt, ergatterte Medaillen bei Europameisterschaften und holte 2015 als Jugendliche im Erwachsenenbereich den ersten Platz bei einem Damen-Grand-Prix. Derzeit belegt sie in der Weltrangliste als beste Deutsche Platz 35.

Zuletzt stand der letzte Bundesliga-Spieltag auf dem Programm. Beide spielen für den 1. PBC St. Augustin: Pia in der 2. Liga, Joshua in der höchsten Klasse. Im direkten Duell mit dem BSV Dachau sicherte sich Filler und seine Teamkollegen am vergangenen Wochenende den Meistertitel. Zum 6:2-Erfolg steuerte der gebürtige Bönener Siege im 9- und 10-Ball bei. Nach Ostern geht es zu den US Open nach Las Vegas (21. bis 26. April) und von dort zu den Europameisterschaften nach Italien mit sich anschließender Eurotour (29. April bis 11. Mai). Der Terminplan ist straff, das Reisen mittlerweile zur Normalität geworden. Sie fliegen häufig etwas früher los, um den Jetlag zu verarbeiten, aber auch, um etwas von den Städten zu sehen, in denen sie spielen.

Eine etwas andere Art von Reise steht demnächst auf dem Programm: ein Umzug. Derzeit ist das Paar auf der Suche nach einer Wohnung in St. Augustin oder Bonn. „So sind wir einfach schneller dran an den Trainingsmöglichkeiten und haben eine bessere Anbindung an die Flughäfen in der Nähe“, erklärt Pia.

Vielleicht hängt dann am neuen Zuhause bald wieder ein Plakat, auf dem ein Weltmeister nach seiner Rückkehr gefeiert wird.

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