Faustball

Weltmeisterin am MCG

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Weltmeisterin Jacqueline Börste besucht mit MCG-Schulleiter Dr. Peter Petrak und Sportkoordinator Lutz Kathöfer eine Sportstunde.

Bönen - 28 Medaillen hat Dr. Peter Petrak an diesem Morgen mitgebracht. Der Direktor des Marie-Curie-Gymnasiums ist Ausdauerläufer, hat ebenjene Zahl an Marathons absolviert. „Ich mache das aber wegen der Fitness. Und Medaillen kriegt man ja für die Teilnahme“, erklärt er Schülerin Jacqueline Börste. „Ich bewundere Leistungssportler und deren Willen.“ Die müssten auf so vieles verzichten.

Börste ist eine solche Spitzensportlerin. Die 18-Jährige, die im kommenden Jahr am Bönener Gymnasium ihr Abitur macht, ist Faustball-Welt- und Europameisterin. Verzicht? „Nun ja. Es ist beim Faustball nicht so extrem. Ich verzichte eigentlich auf nichts, esse alles, aber in Maßen“, sagt sie. Sie kenne aber eine Leichtathletin, die auf Klassenfahrten ihr eigenes Brot mit dabei gehabt hätte.

Verzicht heißt für Börste in erster Linie Verzicht auf Freizeit. Sie spielt für den Ohligser TV Solingen in der 1. und 2. Bundesliga. Die 1,84 m große Angreiferin fährt einmal in der Woche in die bergische Klingenstadt. „Das heißt für mich sechs Stunden aus dem Haus für zwei Stunden Training.“

Zudem ist Börste zweimal pro Woche beim Hammer SC aktiv. Der Großverein hat vor einigen Jahren den mehrfachen deutschen Faustball-Meister TV Westfalia Hamm aufgenommen. Der Sport auf diesem Leistungsniveau wird in Hamm jedoch seit diesem Sommer nicht mehr geboten. „Ich trainiere dort mit den U 14-Mädchen und den Männern“, nutzt Börste die Möglichkeiten, die ihr Stammverein in ihrer Nähe bietet.

Schulterverletzung stoppt fast den WM-Traum

Sport ist das Ding für Börste. Neben dem Faustball seit 2009, spielte sie lange auch Fußball beim TuS Wiescherhöfen. „Ich würde bei mehr Zeit auch noch mehr machen“, sagt die 18-Jährige, „zum Beispiel Tanzen.“ Den Spaß an der Bewegung, an körperlicher Herausforderung verliert sie trotz der Trainingsbelastung nicht.

Allerdings wollte kurz vor der WM die rechte Schulter nicht mehr. Börste verpasste mehrere Nationalmannschaftslehrgänge. Arztbesuche und anschließend tägliche Stabilisierungsübungen nervten. Die Rechtshänderin zog das Reha-Programm jedoch konsequent durch und stand schließlich im US-amerikanischen Roxbury auf dem Feld und holte den Titel.

Viel Unterstützung im Unterricht

„Da habe ich sehr viel Unterstützung meiner Sportlehrerin Nina Waltring erfahren“, sagt Börste und schlägt die Brücke zur Schule: „Sie hat immer Rücksicht genommen, mir Zeit gegeben mich richtig warmzumachen.“ Im Gegenzug weiht Börste ihre Mitschüler in die Geheimnisse des Faustballs ein. Waltring hat einen Kurs mit Sportarten fremder Kulturen ins Leben gerufen – und Faustball wurde schon bei den alten Römern gespielt. „Da nutze ich Jacquelines Kompetenz“, erklärt die Sportlehrerin. Und auch wenn Jacqueline Börste im nächsten Sommer die Schule verlässt, der Kurs bleibt. „Der Vorteil bei Faustball gegenüber dem verwandten Volleyball ist ja, dass der Ball ticken darf.“

Doch zurück zu Petraks mitgebrachten Medaillen: Damit wollte der Direktor demonstrieren, dass Sport durchaus einen Stellenwert an seiner Schule hat. „Wir haben hier immerhin acht Sportlehrer“, sagt er. Für Börste war das ein wichtiger Grund bei der Wahl pro MCG. „Die Vielfältigkeit im Sportunterricht hier“, erklärt die Wiescherhöfenerin, warum sie sich für das Bönener Gymnasium und gegen das naheliegende Märkische im Hammer Westen entschieden hat. Dort hätte sie zwar einen Sport-Leistungskurs belegen können. „Aber ich habe mich beim Schnuppertag in Bönen gleich wohl gefühlt.“ Ihre Leistungskurse sind jetzt Englisch und Biologie.

Als "Sportlerin des Jahres" in Hamm nominiert

Ihrem Bewegungsdrang wird Börste weiter nachgehen – beim Ohligser TV in der Bundesliga. Sie hat bei der Stadt Hamm einen Vertrag für das duale Studium in Sozialer Arbeit unterschrieben, bleibt also am Ort. Und die internationale Karriere? „Aus der Jugend bin ich raus, bei der U 21 gibt es keine Meisterschaften, erst wieder bei den Damen“, sagt sie. Ein näherliegender Titel ist da der der „Sportlerin des Jahres“ in Hamm. Börste ist nominiert und rührt am MCG eifrig die Werbetrommel unter Freunden und Mitschülern, damit diese für sie abstimmen.

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