Handball

RSV droht kein Punktabzug wegen Schiedsrichtern

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Kreisschiedsrichterwart Peter Elias (rechts mit Karl-Heinz Feldhaus) sieht den Kreis gut aufgestellt, der Kader müsse aber verjüngt werden.

Bönen – Die Suche nach Schiedsrichtern ist in vielen Sportarten ein großes Problem. Der Handballverband Westfalen griff deshalb zu einem drastischen Mittel und droht den Vereinen seit dem vergangenen Sommer mit Punktabzügen, sollten sie  ihr Kontingent nicht zu 70 Prozent erfüllen. „Es ist traurig, aber man muss wohl so viel Druck machen“, sagt Peter Elias, der Schiedsrichterwart des Handballkreises Hellweg, der die umstrittene Maßnahme weitergeben musste.

„Ich kann doch nicht die Spieler bestrafen, wenn der Verein zu wenig Schiedsrichter hat. Das ist unsportlich“, kritisiert Karsten Schilling, der Vorsitzende beim heimischen RSV Altenbögge, und vergleicht die neue Regel des Verbands mit dem Schießen mit Kanonen auf Spatzen.

Der Bönener Verein hatte lange Jahre selbst ein großes Defizit, was das Schiedsrichtersoll angeht, durfte deshalb statt Testspielen nur sogenannte gemeinsame Trainingseinheiten bestreiten.

"Wir investieren lieber in unser Schiedsrichterwesen", sagt der RSV-Vorsitzende

Der RSV hat die Zahl seiner Unparteiischen mehr als verdoppelt

Im vergangenen Jahr hat sich aber einiges beim RSV getan. Vier junge Mitglieder um die 20 Jahre haben zuletzt ihre Ausbildung zum Schiedsrichter bestanden und werden bald ihre ersten Begegnungen pfeifen. Dazu erhielten die Altenbögger externen Zuwachs, sodass sie nun zehn Unparteiische in ihren Reihen haben. Zwölf wären Pflicht, doch die wichtige 70-Prozent-Marke ist damit überschritten.

Der Verband hatte den Vereinen übrigens eine Karenzzeit gegeben, bevor der Punktabzug fällig wird. Zum einen wird er erst aktiv, wenn der Kreis die 70 Prozent an Schiedsrichtern unterschreitet. Und dann gibt es in der ersten Saison eine Geldstrafe von 200 Euro pro fehlendem Referee, die im zweiten Jahr um weitere 200 Euro erhöht wird. Erst in der dritten Spielzeit wird der am höchsten spielenden Mannschaft eines Klubs jeweils ein Punkt pro fehlendem Schiedsrichter (maximal acht) abgezogen. (hier geht es zur Schiedsrichterordnung des HV Westfalen) geht es zu Der Verband greift dabei mit der Erstvertretung bewusst das Aushängeschild an, weil er vermutet, dass die Vereine dies am meisten trifft.

"Wir müssen unseren Kader verjüngen"

„Der Handballkreis Hellweg steht aber gut da“, sieht Elias derzeit keinen Handlungsdruck. Die heimischen Klubs dürften bis auf Weiteres um die Strafen herumkommen. In Deutschland würden allerdings rund 5000 Schiedsrichter fehlen, im heimischen Gefilden habe besonders der Bereich ab Münster, Gütersloh und Ostwestfalen, laut Elias, Probleme. „Wir müssen deshalb ständig aushelfen und in den Norden fahren, weil dort zu wenige sind“, sagt er.

RSV-Schiedsrichterwart Volker Schrupkowski greift auch selbst zur Pfeife.

Alles bestens sei im Hellwegkreis dann jedoch auch nicht: „Bei uns ist der Kader sehr veraltet. Ich versuche mit Carsten Umbescheidt (dem Schiedsrichterlehrwart des Kreises, Anm. d. Red.), ihn zu verjüngen“, erklärt Elias. Das zuletzt 30 Nachwuchsschiedsrichter ihre Ausbildung erfolgreich absolviert haben, freut ihn daher: „Wenn wir ausbilden, ist es immer gut.“

Das sieht man auch beim RSV so. „Ein Anfang ist gemacht, aber wir bleiben weiter dran“, möchte sich Altenbögges Schiedsrichterwart Volker Schrupkowski nicht auf dem ersten Anstieg ausruhen. Schilling schließt sich an und macht eine einfache Rechnung auf: „Wir hätten lieber 100 Prozent. Wir investieren lieber in unser Schiedsrichterwesen und machen für die Leute Veranstaltungen.“ Der Verein zahle Ausbildung, Ausrüstung und stifte auch gemeinsame Aktivitäten wie ein Weihnachtsessen, sagt Schilling. Schrupkowski geht als Vorbild voran und greift wie Tochter Mirjam auch selbst zur Pfeife.

Vielleicht verhilft ja sogar die aktuell so erfolgreich verlaufende Heim-Weltmeisterschaft zu einem Schub bei den Unparteiischen. Bei Spielern aller Altersklassen habe sich das in der Vergangenheit bemerkbar gemacht, sagt Schilling. „Es ist gut, dass der Handball derzeit so populär ist. Nach jeder WM, die gut läuft, gibt es einen Zulauf“, freut er sich. Das betreffe zum einen den Nachwuchs, aber auch Ältere, die wieder anfangen oder sich sportlich neu orientieren wollen.

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