Handball

Nach Empfehlung des DHB: RSV Altenbögge winkt "merkwürdiger Aufstieg"

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Im Ruhemodus zum Aufstieg? Jens Schulte-Vögeling, Trainer des RSV Altenbögge, würde die Meisterschaft lieber sportlich sichern.

Acht Spieltage stehen in der Handball-Landesliga noch aus. Bis zum 19. April ist der Spielbetrieb sowieso ausgesetzt. In Bönen dürfen Freizeitveranstaltungen laut Allgemeinverfügung von Bürgermeister Stephan Rotering sogar erst nach dem 4. Mai wieder stattfinden.

Bönen – Der Deutsche Handballbund hat den Landesverbänden inzwischen die Beendigung des Spielbetriebs 2019/20 empfohlen. Es soll in dem Fall analog zur Entscheidung für die 3. Liga nur Aufsteiger, aber keine Absteiger in den Ligen geben. Dem Vorschlag will sich der Handballverband Westfalen (HVW) noch nicht anschließen. Die Vereine im Amateurbereich wie der Landesligaspitzenreiter RSV Altenbögge sind weiter im Unruhestand. Eine Planung ist nicht möglich.

„Die Bundes- und Landesregierung, sowie in der Folge Kreise, Städte und Gemeinden werden nach Ostern über den weiteren Fortgang des Alltags und des gesellschaftlichen Lebens entscheiden. Dem will der HVW nicht zuvorkommen und bleibt daher bei dem ursprünglich veröffentlichten Terminplan, dass eine Entscheidung über die Fortführung oder den Abbruch der Saison frühestens in der Woche nach Ostern getroffen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung des HVW als Begründung des Abwartens. Das reguläre Saisonende ist der 30. Juni.

Noch kein Schlussstrich

Willi Barnhusen, Präsident des HVW, will noch keinen Schlussstrich ziehen und die Entscheidung der Politik, die am 15. April veröffentlicht werden soll, abwarten. „Wenn ab Mitte Mai wieder gespielt werden dürfte, könnten wir die Saison bis zum 30. Juni noch über die Bühne bekommen. Acht Spieltage stehen aus, zum Beispiel mit Doppelspieltagen am Wochenende wäre das zu packen“, so der Verbandschef gegenüber dem „Hellweger Anzeiger“.

Auch der Empfehlung der Wertung in den Ligen bei Abbruch will sich Barnhusen nicht schon jetzt anschließen. Es gebe eine Arbeitsgruppe, die länderübergreifend alle Möglichkeiten durchspiele.

„Ich glaube nicht, dass wir nochmal auf die Platte gehen werden“, sagt Tino Stracke. „In allen anderen Amateurligen ist alles eingestellt“, blickt der Sportliche Leiter des RSV auf andere Sportarten. „Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, an einer Fortsetzung mit Doppelspieltagen festzuhalten.“ Dazu würden die Hallenkapazitäten in einigen Städten, wo sich mehrere Vereine die Hallen teilen, nicht reichen. „Außerdem hätten wir dann am Saisonende fünf Verletzte mehr.“

Freude über Meistertitel gedämpft

Freuen würde sich wohl niemand über den Meistertitel vom Grünen Tisch, „frag’ mal Thomas Wollek“, meint Stracke. Der Coach der A-Jugend des RSV ist nach Abbruch der Verbandsligasaison in aller Stille zum Meistertrainer geworden. „Das wäre schon ein merkwürdiger Aufstieg“, meint auch der Trainer des Landesliga-Ersten, Jens Schulte-Vögeling. „Natürlich nehmen wir den Aufstieg mit“, erklärt er, „aber genauso gerne würden wir uns sportlich durchsetzen und gemeinsam mit den Fans in der Halle feiern.

Schließlich haben wir darauf hingearbeitet. Der Aufstieg war seit der Winterpause unser erklärtes Ziel. Im Falle des Abbruchs erfahren wir es wahrscheinlich per Whatsapp oder Telefon. Keiner weiß, wohin die Reise geht, das liegt nicht in unseren Händen“, so Schulte-Vögeling.

Konkrete Planungen für die kommende Saison seien im Augenblick schwer. „Ich weiß ja nicht, wie kulant der Verband bezüglich der Abgaben sein wird. Und ich weiß nicht, wie sich die Lage bei den Sponsoren entwickelt“, sagt Stracke. Die Spieler des aktuellen Kaders hätten zwar zugesagt, aber ein Torwart und ein Linkshänder stünden noch auf dem Wunschzettel des RSV. „Außerdem müssen wir noch mit den A-Jugendlichen sprechen, von denen nicht alle das Doppelspielrecht beantragt haben.“

Schwierige Lage in höheren Ligen

In höheren Ligen sei es natürlich deutlich schwerer, da mehr als die kleine Aufwandsentschädigung bei Altenbögge gezahlt werde. „Das sind ja schon halbe Wirtschaftsunternehmen“, meint Stracke.

Der Fairness halber würde der Sportliche Leiter nicht nur den Meister, sondern auch den Zweitplatzierten aufsteigen lassen. Im Fall der Landesliga-Staffel 3 wäre dies der einzige verbliebene Konkurrent der Altenbögger, Westfalia Herne. Der Verfolger hat aktuell einen Punkt Rückstand. Das Duell der beiden Topteams stünde ausgerechnet zum mittlerweile wohl nicht mehr möglichen Neustart der Liga am 19. April auf dem Spielplan.

Keinen Absteiger festzulegen, sei eine vernünftige Regelung. „Dann muss die kommende Saison eben drei Wochen früher beginnen und länger laufen“, sieht Stracke die Konsequenz von größeren Ligen. „Und vielleicht kommt ja in dieser Situation mal jemand auf die Idee, diese aktuelle Abstiegsregel zu überdenken, dass die unteren Ligen von der Zahl der Absteiger in den oberen abhängig sind. Es wäre schön, wenn Mannschaften sich vorher darauf einstellen könnten, wieviele Teams runtergehen.“

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