Coronavirus

So halten der RSV und die IG ihre Spieler fit

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IG-Coach Ferhat Cerci (links) hat seinen Spielern individuelle Trainingspläne mitgegeben, um sich fitzuhalten.

Der abrupte Saisonstopp mitten in der Saison traf alle Beteiligten völlig unvorbereitet. Wie lange wegen der Corona-Krise nicht mehr gespielt wird, ist nicht abzusehen

Bönen - Vor allem auf die Trainer kommt nun die Aufgabe zu, ihre Akteure auf einem Fitnesslevel zu halten und Pläne für die kommende Zeit mitzugeben. Jens Schulte-Vögeling vom RSV Altenbögge und Ferhat Cerci von der IG Bönen appellieren dabei an Eigenmotivation.

Mindestens zwei Einheiten in der Woche wie im normalen Trainingsalltag möchte Schulte-Vögeling von seinen Landesliga-Handballern sehen. „Besser wäre dreimal“, sagt er. So hat er sich das zumindest für die kommenden Tage vorgestellt. Wenn der Betrieb deutlich länger ruht, müsse weiter geschaut werden. „Viele müssten auch beruflich einiges abklären, Kitas und Schulen haben jetzt geschlossen“, weiß er um die Sorgen im Alltagsleben seiner Spieler, die die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus mit sich bringen. „Das Problem ist, keiner weiß, wie es weitergeht“, fasst Schulte-Vögeling zusammen, was wohl alle Sportler derzeit umtreibt.

Auch Cerci hat seinen Fußballern individuelle Pläne mitgegeben. In Rhynern, wo die IG zuletzt ihre Einheiten abhielt, sind die Plätze wie überall anders auch geschlossen. Schon als der Spielbetrieb normal lief, war er deshalb zur Improvisation gezwungen. „Wir hatten kaum mal mehr als einen halben Platz, haben mit 20 Mann auf einer Hälfte trainiert“, sagt er.

Mit Hilfe moderner Technik

Jetzt geht noch nicht einmal das. Der IG-Coach setzt auf die Unterstützung moderner Technik. Seine Akteure sollen mit dem Handy laufen, haben sich dort in einer App registriert. Cerci hat eine Gruppe zusammengefasst und kann so überprüfen, wie fleißig seine Landesliga-Kicker sind. So erhält er zum Beispiel Daten zu den Strecken und den Distanzen, die seine Schützlinge bewältigt haben, und sogar, mit welcher Geschwindigkeit sie wann unterwegs waren.

Denn er fordert nicht nur Dauerläufe, sondern ein Intervalltraining. Dazu hat er den Spielern Stabilitäts- und Kraftübungen mit auf den Weg gegeben. „Ich kenne da selber noch Sachen aus meiner Profizeit“, baut Cerci auf eigene Erfahrungen. Der heute 38-Jährige war früher 69 Mal für die Stuttgarter Kickers und Kickers Emden in der Regionalliga aktiv, spielte einige Zeit in der Türkei und wurde bei Arminia Bielefeld sogar einmal in der Bundesliga eingewechselt (Saison 2004/2005). Im Kraftbereich könne viel mit dem Eigengewicht gearbeitet werden. Stabilität sei wiederum zum Beispiel wichtig in Zweikämpfen. Letztlich gehe es bei allen Aktivitäten nur noch darum, „dass man in dieser Phase etwas weniger Schaden nimmt“.

Cerci weiß aber auch, dass die lange Zwangspause an die Motivation gehen wird: „Das ist keine tolle Sache für den Fußball, nur zu laufen.“ Er kann nur hoffen, dass es irgendwann weitergeht. „Wichtig ist, dass man auf alles gefasst ist. Es liegt nicht in unserer Hand. Wenn man es nicht beeinflussen kann, muss man versuchen, das Beste daraus zu machen“, denkt er pragmatisch.

"Man wird lieber anders Meister"

Die IG hat in der Landesliga noch 13 Spiele zu absolvieren, weil die Staffel 3 vor der Saison auf 17 Teams aufgestockt worden war. Die Bönener hatten als Vierter trotz eines Rückschlags zum Rückrundenbeginn gegen den SV Hilbeck (1:2) noch gehofft, in den Aufstiegskampf einzugreifen. Ursprünglich sah es so aus, dass die Tabellenzweiten eine Relegation spielen würden, dass ist jetzt nicht mehr gesichert. Spitzenreiter Wacker Obercastrop ist den Verfolgern enteilt. Angesetzt waren für die Bönener allein sechs Partien im April, dazu fünf – inklusive des Kreispokal-Halbfinales bei Eintracht Werne – im Mai.

Der RSV führt die Landesliga-Tabelle derzeit sogar an. Auch zum Abschluss der Hinrunde waren die Altenbögger Erster. Das könnte ihnen bei einem Abbruch in die Karten spielen, weil diese beiden Kriterien zu Rate gezogen werden könnten, wenn es dann um die Aufstiegsfrage geht – falls die Saison nicht annulliert werden sollte. „Das ist gerade aber irgendwie nicht greifbar“, sagt Schulte-Vögeling: „Man wird lieber anders Meister, wenn man alle Spiele gespielt hat.“

Bei den Hand- wie auch bei den Fußballern geht die offizielle Saison bis zum 30. Juni, dann greifen Wechselfristen und Vertraglaufzeiten. Die Handballer haben hintenraus noch etwas mehr Luft. Das Saisonende ist für den 10. Mai geplant, bei den kickenden Kollegen war der 24. Mai vorgesehen. Dem RSV fehlen laut Spielplan noch sechs Begegnungen, darunter das Topspiel gegen die einen Punkt zurückliegende Westfalia aus Herne.

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