Dariusch Abiatinejad

Lenningser ist ein gefragter Yoga-, Tai Chi- und Qi Gong-Dozent

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Dariusch Abiatinejad, gefragter Yoga-, Tai Chi- und Qi Gong-Dozent aus Bönen.

21 Minuten soll sich ein Erwachsener am Tag mindestens bewegen. Vielen fällt beim Thema Individualsport in Coronazeiten  nur das Laufen ein. „Das mache ich auch, zum aufwärmen“, sagt Dariusch Abiatinejad. Danach, auf Betriebstemperatur, beschäftigt sich der Lenningser aber mit spirituellen Formen der Gymnastik.

Bönen – Der 69-Jährige ist ein überregional gefragter Yoga-, Tai Chi- und Qi Gong-Dozent. „Und diese Übungen sind durchaus geeignet, den Körper fit zu halten“, sagt Abiatinejad. Der Lenningser verweist auf das teils hohe Alter der Kursteilnehmer hierzulande und die Lebenserwartung in Japan und China. Zwei Übungen am Tag würden reichen, um das Immunsystem zu stärken. Zum Warmmachen würde neben Laufen auch Tanzen oder einfach den Körper durchschütteln funktionieren. „Wichtig bei den Übungen ist, dass die Bewegungen aus der Mitte des Körpers kommen“, beschreibt er einen Kreis mit dem Knie. Anschließend führt Abiatinejad die Hände in einer fließenden Bewegung über den Kopf. „Wichtig ist auch, dass die Wirbelsäule immer gerade bleibt.“ Und wichtig sei auch, sich auf sich selbst zu konzentrieren, sich zu zentrieren und die Welt um sich herum zu negieren. 

Von Haus aus Architekt und Raumplaner

Von Haus aus ist der 1951 in Teheran geborene Deutsch-Iraner Architekt und Raumplaner (Wien, Dortmund). Durch das Studium kam er nach Deutschland. „Die sprachlichen Grundlagen habe ich schon in Teheran am Goetheinstitut gelernt“, erzählt er. 45 Jahre lebt er jetzt hierzulande, nur ein leichter Akzent ist geblieben. Zum Tai Chi brachte ihn der Zufall. „Ich hatte bei meinem ersten Qi Gong-, Tai Chi-Lehrer ein Zimmer im Haus gemietet“, erklärt Abiatinejad. Damals war er bei der Stadt Warstein unter anderem für die Dorferneuerung von Suttrop zuständig. Im Haus war auch das Studio des Lehrers. „Wenn Lust hätte, könnte ich ja mal mitmachen, bot er an. Ich habe mitgemacht“, sagt Abiatinejad. „Bei ihm habe ich dann 16 Jahre gelernt. Es war mir wichtig, die Materie zu verfeinern und zu verinnerlichen – immer“, erzählt er. 

Auch Lehrern Tai Chi und Yoga beigebracht 

„Was mich total gewundert hat“, wirft Abiatinejads Ehefrau Hildegard Keinecke ein, „war, dass Dariusch so fasziniert war, weil es ja so langsame, fließende Bewegungen sind. Er ist ja sonst ein Schneller, was Sport betrifft. Eine große Überraschung für mich.“ Sportlich war Abiatinejad immer schon. „Ich war damals, seit 1981, Fachübungsleiter beim Landessportbund für Volleyball und Fitness, war 15 Jahre Volleyballtrainer in Dortmund“, erzählt er, „zudem bin ich Referent beim Kreissportbund und beim Westfälischen Turnerbund und habe da auch Lehrern Tai Chi und Yoga beigebracht.“ 

Damals, in den Anfängen seiner Qi Gong-Arbeit, „stand ich im Beruf immer unter Druck.“ Es sei eine hervorragende Form um herunterzukommen. Die Kurse, die er selber belegte, wurden mit der Zeit immer mehr. Abiatinejad fing an, selber Kurse zu geben. Den ersten in Bönen, bei der VHS in der Alten Mühle, gab er 1999. Er hat zahlreiche Zertifikate im Ordner, hat die Anerkennung der Krankenkassen für Qi Gong und Tai Chi als Gesundheitsprävention. „Die Tätigkeit hat mich mehr befriedigt als meine Arbeit“, sagt er. 1998 gab er den Job im Bauordnungs- und Stadtplanungsamt der Stadt Warstein auf, arbeitete als Architekt nur noch freiberuflich. Eine Erlösung: „Ich bin ja auch ein kreativer Mensch, habe gerne entworfen, aber die Bürokratie fand ich immer schrecklich.“

Im Laufe der Zeit hauptberuflich

 Das Feedback, die Resonanz der Kursteilnehmer, überzeugte ihn, Tai Chi- und Qi Gong-Kurse im Laufe der Zeit hauptberuflich anzubieten. „Wenn du von den Teilnehmern hörst, dass die Schmerzen weg sind. Ich hatte das Gefühl etwas zu bewirken“, sagt er. Körper und Geist würden zusammengehören, ein Energiefluss müsse in Gang gesetzt werden durch Konzentration auf die Abläufe der Tai Chi-Übungen. Die Abläufe der Bewegungen müsse man verinnerlichen. Das sei nicht einfach. Bei seinen Kursen verteilt er Hausaufgaben. „Es ist eine Bewegungskunst, ein Bewegungssystem“, sagt Abiatinejad. Ziel sei die Harmonie, der Ausgleich des Yin und Yang. Das berühmte Symbol ist rund, die Bewegungsabläufe auch. 

Trotz der räumlichen Nähe seiner Heimat zum fernen Osten seien diese Übungen im Iran seiner Jugend kein Thema gewesen. „Wir haben diese traditionellen Krafthäuser, wo kräftige Männer, schwere Keulen schwingen.“ Sportlich seien seine Landsleute. Bei einem Besuch seiner Familie in Teheran hätten zahlreiche Frühsportler sein Angebot, Tai Chi mitzumachen, angenommen. „Es ist aber dort nicht so bekannt.“ 

Aufwärmen mit Kriegstanz der Maori

Zum Warmmachen nutzt Abiatinejad nicht nur das allgegenwärtige Joggen. „Ich gebe ja auch Stunden in Aroha, das ist ursprünglich ein Kriegstanz der Maori in Neuseeland. Da kommt man ganz schnell ins Schwitzen“, sagt er. Abiatinejad wäre aber nicht Abiatinejad, wenn er diese Ausbildung als reinen Sport sehen würde. Die Füße in den Boden stemmen, eine Grundfigur des Tanzes, bedeute, fest auf dem Boden zu stehen und so Selbstbewusstsein entwickeln. Was gut ist für den Körper, ist auch gut für den Geist – und umgekehrt.

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