Nach Schläger-Bruch ist Hürmann „richtig geschockt“

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Auf sein legendäres Brettchen wird Bönens Altmeister Franz-Josef Hürmann verzichten müssen.

Bönen - Es passierte beim Einspielen vor dem Landesliga-Heimspiel der TTF Bönen II gegen die DJK SR Cappel am vergangenen Samstag. Bönens Altmeister Franz-Josef Hürmann holte für einen kraftvollen Angriffsschlag aus, blieb dabei mit seinem Schläger an einer der Spielfeldumrandungen hängen – und brach sein Racket, mit dem fast 50 Jahre spielte, in zwei Teile.

In der Hand hielt der langjährige Bundesliga-Spieler nur noch den Griff, während das abgebrochene Schlägerblatt quer durch die Pestalozzi-Sporthalle segelte. Nun passieren solche Unfälle, bei denen gerade das sensible Holz eines Schlägers, das Spieler nicht selten über einige Jahre spielen, merklichen Schaden nimmt, im Tischtennis zwar nicht täglich, aber es kommt durchaus vor. 

Im Fall von Hürmann aber ist die Geschichte dann doch eine spezielle. Denn für den Deutschen Seniorenmeister war sein Tischtennisschläger, ein sogenanntes „Brettchen“ oder „Hardbat“, mit dem noch vor etlichen Material-Revolutionen besonders in der ersten Hälfte des Jahrhunderts einst das klassische Tischtennis gespielt wurde, mehr als nur ein bloßes Sportgerät. 

Er begleitete seit fast 50 Jahre Hürmanns Lebensweg. Der WA sprach mit dem gebürtigen Hammer über das folgenschwere Malheur, die enge Bindung zu seinem Kult-Schläger – und wie er schnell zu tauglichem Ersatz gekommen ist.

Herr Hürmann, wie haben Sie reagiert, als Sie realisiert haben: Der Schläger ist tatsächlich hinüber?

Hürmann: Im ersten Moment, das muss ich ehrlich zugeben, war ich vollkommen fertig. Das mag für Außenstehende ein bisschen bescheuert klingen, aber: Für einen kurzen Augenblick war ich richtig geschockt.

Was hat es denn mit diesem Schläger auf sich?

Hürmann: Zuerst einmal ist es ein seltenes Modell…

Was denn für eins?

Hürmann: Ein Eberhard-Schöler-Schläger. Schöler war damals in den 1960ern reihenweise Deutscher Meister geworden – und 1969 dann ja auch Vize-Weltmeister. Er hatte dann seine eigene Schläger-Serie. Und aus der Zeit muss auch meiner stammen. Auf das Jahr genau kann ich es nicht sagen. Aber es muss Ende der 60er herausgekommen sein. Er hatte eine silberne Plakette, auf der stand: „Eberhard Schöler – Deutscher Meister 1963 bis 1968“. Das kann man noch immer gut lesen.

Und der ist heute nicht mehr zu bekommen?

Hürmann: Ich würde sagen: nein. Das ist für die meisten sowieso mehr ein Sammlerstück und weniger ein ernsthaftes Sportgerät. Glück im Unglück allerdings: Ich habe selbst noch einen Schöler-Schläger.

Ach ja? Also alles halb so wild?

Hürmann (lacht): So einfach ist das leider auch nicht. Das ist auch ein Schöler-Holz. Aber ein anderes Modell, einige wenige Jahre jünger, eine etwas andere Bauweise. Ein anderer Griff zum Beispiel. Und es besteht aus fünf Holzschichten, nicht nur aus drei.

Aber sind das nicht Kleinigkeiten?

Hürmann: Absolut! Und um genau die geht’s ja! (lacht) Ich habe mit dem Schläger in den 70er Jahren angefangen zu spielen. Und mal ganz abgesehen davon, dass da natürlich auch viele Erinnerungen dranhängen, habe ich über die Jahre ein unglaublich gutes Gefühl für ihn entwickelt. Das ist ja bei ganz vielen Tischtennisspielern so: Irgendwann verwächst man mit seinem Schläger, wenn man ihn so viele Stunden gespielt hat. Der Schläger passt sich der Hand an – und umgekehrt. Oder anders: Er wird quasi zur zweiten Hand.

Und die ist jetzt weg?

Hürmann: Erst mal. Ganz habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Das Holz wurde schon einmal geflickt. Das ist aber bestimmt 30 Jahre her. Von einem Kunstschreiner, der damals eine sehr aufwendige Einlegearbeit in das Holz montiert hat. Aber diesmal sieht es tatsächlich eher schlecht aus.

In drei Wochen stehen in Kassel die Deutschen Meisterschaften der Senioren an, wo Sie den Titel gewinnen möchten. Geht das jetzt überhaupt noch?

Hürmann: Ach, klar. Ich darf mir nur nichts anderes einreden. (lacht) Und der Start mit meinem anderen Holz war ja gar nicht schlecht. Ich habe es nach dem ersten Schock aus der Tasche geholt – und nachdem ich dann einige Minuten wirklich gar keinen Ball auf den Tisch gespielt hatte, lief es schon ganz ordentlich. Aber wir werden uns erst noch aneinander gewöhnen müssen. Und das kann schon noch einige Zeit dauern.

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