Fußball

TVG stärkt den Mannschaftsgeist ohne direkten Kontakt

Mit Spaß bei der TVG-Challenge: Stefan Pauken (links) und Bastian Eickhoff.

Der TVG Flierich-Lenningsen trainiert weiter gemeinsam, aber auf Distanz. Wie das geht? Wir stellen es vor.

Bönen – Seit knapp zwei Monaten steht der Amateurfußball wegen der Corona-Pandemie komplett still. Die Sportplätze sind gesperrt, normaler Trainingsbetrieb ist nicht möglich. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Als Mannschaft fit zu bleiben, ist in diesen Zeiten nicht leicht. Viele Amateurfußballer kennen die Ansage vom Trainer, in der Pause doch bitte „regelmäßig laufen zu gehen“ – haben beim Trainingsauftakt dann aber doch mit kneifendem Trikot und pfeifender Lunge zu kämpfen.

Die Corona-Auszeit wird länger andauern als eine normale Sommer- oder Winterpause. Es müssen also kreative Lösungen her, um nicht völlig aus der Form zu kommen. Wie es gehen kann, zeigt der TVG Flierich-Lenningsen. Der B-Ligist trainiert seit Beginn der Kontaktbeschränkungen gemeinsam weiter, nur eben aus der Distanz. Dafür sorgen die „TVG-Challenges“, die Gillian Daude gemeinsam mit seinen Teamkollegen Dennis Unterkötter, Florian von Glahn, Lucas Breidert sowie Trainer Thorsten Müller ins Leben gerufen hat. Inspirieren ließ sich Daude dabei von seiner zweiten Leidenschaft „Crossfit“. „Es geht um das gemeinsame Sport treiben. Anstatt für sich stumpf 100 Liegestütze zu machen, verpackt man das in Team-Challenges oder Wettbewerbe“, erklärt er.

Bei den TVG-Damen, die Daude trainiert, wurde die Idee so gut angenommen, dass er auf Müller zuging und das Projekt auch bei den Männern startete. „Wenn du nur einen Trainingsplan bekommst, bist du damit alleine. Das kann dich schon mal erschlagen. Wir wollten, dass der Mannschaftsgeist auch ohne direkten Kontakt weiterlebt“, erklärt Müller. Jeden Mittwoch, Freitag und Sonntag – also zu den normalen Trainingszeiten – bekommen die Spieler abwechselnd von den fünf Organisatoren eine neue Aufgabe gestellt. Das können individuelle Laufrunden und Kraft-Workouts sein, aber auch Wettbewerbe oder Team-Aufgaben. Beispielsweise musste die Mannschaft in zwei Tagen gemeinsam 150 Kilometer laufen. 21 Spieler rafften sich auf und kamen zusammen auf fast 180 Kilometer. „Das ist schon eine coole Sache“, freut sich Müller über die gute Resonanz. „Alleine wäre es für viele schwerer, sich zu motivieren. So hilft man dem Team, die Aufgabe zu schaffen.“

Über die App „SpielerPlus“ kann eine virtuelle Trainingszusage gegeben werden, sobald eine Challenge erledigt ist. Durchschnittlich beteiligten sich 16 Spieler aus der ersten und zweiten Mannschaft an den bislang elf Aufgaben. Das ist sogar höher als die normale Trainingsbeteiligung. In der Mannschafts-Whatsapp-Gruppe motivieren sich die Fliericher mit Videos, Selfies und Bestmarken gegenseitig. Einige trainieren regelmäßig in festen Zweiergruppen, wie Sven Konrad und Dominic Wienpahl oder die WG-Kumpels Thorsten Bennemann und Holger Westergerling – natürlich mit gebotenem Mindestabstand. „Überrascht bin ich nicht, dass es so gut angenommen wird. Ich war eher gespannt, wer kontinuierlich mitmacht“, meint Daude und ergänzt: „Das ist irgendwie auch eine Chance. Ein Tobias Weiß oder ein Bastian Eickhoff werden aus der Pause fitter wiederkommen als vorher.“ Von vergleichbaren Aktionen anderer Teams aus dem Kreis habe er noch nichts gehört. „Insofern kann das vielleicht auch ein kleiner Wettbewerbsvorteil werden.“ Doch das Ziel, die Mannschaft fit zu machen, steht nicht einmal im Vordergrund, wie Daude betont: „Wir wollten die Gruppe und den Teamgeist auch auf Distanz am Leben halten.“ Das scheint zu klappen, was auch daran liegt, dass immer wieder auch mal etwas zum Lachen eingebaut wird. So sorgten Videos von der „Stutzen-Challenge“ für Unterhaltung. Dabei ging es darum, ein Sockenpaar an der Wand von der Ferse bis zur Stirn zu befördern, ohne seine Hände zu benutzen.

Wie lange die Motivation im Team noch so hoch bleibt, kann Daude nicht einschätzen. „Mit den Damen haben wir früher angefangen. Da habe ich jetzt gemerkt, dass ein bisschen die Luft rausgeht“, verrät er. Das könne daran liegen, dass durch den bevorstehenden Saisonabbruch das unmittelbare Ziel vor Augen fehlt. Müller hofft, dass die Begeisterung trotzdem anhält. „Vielleicht können wir das irgendwann auch erweitern, wenn man zumindest in Kleingruppen wieder auf den Platz kann. Wir alle wollen ja endlich den Ball am Fuß haben“, sagt der TVG-Coach. Das könnte bei einem drohenden Motivationstief helfen.

Bis dahin haben Daude und Co. aber „noch einiges in petto“, wie er ankündigt: „Langweilig werden die nächsten Wochen nicht.“ Einen besonderen Wunsch aus der Mannschaft gilt es aber bei allem Trainingseifer zu berücksichtigen – man möge in die kommenden Challenges doch mal „etwas mit Bier trinken“ einbauen…. 

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