Hohe Fixkosten, aber keine Einnahmen:

Finanzielle Engpässe für Tennis- und Reitervereine in Bönen

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Die Vereine aus Bönen müssen durch den zweiten Lockdown in diesem Herbst weitere finanzielle Engpässe überstehen.

Ein zweiter Lockdown, ein weiteres Mal Stopp für nahezu alle Sportarten. Die meisten werden in der dunklen Jahreszeit in der Halle betrieben, und das ist untersagt. Von einem Lockdown-Light kann auch für Bönener Vereine nicht die Rede sein.

Bönen – Schließlich müssen sie ihre Mitglieder bei Laune halten und die Fixkosten decken, ohne Einnahmen erzielen zu können. So beklagt der Tennisverein Rot-Weiß Bönen für das Winterhalbjahr hohe Fixkosten auf der einen und bisher kaum Einnahmen auf der anderen Seite. „Wir sind ja ein privater Verein, müssen zum Beispiel die Energiekosten in vollem Umfang stemmen“, erklärt Kerstin Schöneberg-Stefank. „Das sind in der Halle gut 1000 Euro im Monat. Die wird ja bis 22 Uhr gebucht“, so die Jugendwartin. 

Die Halle ist wegen des Lockdowns Light geschlossen, wird momentan auch nicht geheizt, kostet also nichts? Sie hat aber schon einen Monat Kosten verursacht, da die Hallensaison bereits Anfang Oktober gestartet ist. Hinzu komme, dass der Verein im Frühjahr und Sommer hohe Wasserkosten gehabt habe. „Als die Plätze fertig waren, kam der erste Lockdown“, sagt Vereinsvorsitzender Frank Stefank, „die Plätze mussten aber gewässert werden, damit der neue Belag sich bindet.“

Halle im November eigentlich ausgebucht

 Als es dann losging, sorgte der teils heiße Sommer für erhöhten Wässerungsbedarf. Besonders bitter für den Verein: Durch das Abbrennen der Tennishalle des TC Grün-weiß Unna am Kurpark in der benachbarten Kreisstadt war die Halle der Rot-Weißen im November ausgebucht. „Wir hatten einen Stundenboom wie noch nie, die beste Auslastung seit Jahren“, bemerkt Schöneberg-Stefank. „Das Geld hätten wir gut gebrauchen können. Energie und Wasser schlagen in diesem Jahr schon mit 7000 Euro zu Buche, dazu kommen die Kosten, die Plätze bespielbar zu machen.“ 

Hoffen auf ein Überbrückungsgeld

Der Verein machte sich schlau, welche Form von staatlicher Coronahilfe möglich sei. „Wir haben uns mit dem Steuerberater besprochen, die Hilfe des Landessportbunds für Vereine passt nicht“, erklärt Frank Stefank. Aber der Tennisverein hat zwei Angestellte, nämlich die Platzwarte – die Trainer Peter Haukamp und Yannick Stefank sind Honorarkräfte. Deswegen hofft er auf das Überbrückungsgeld für Unternehmen in Höhe von 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019. 

30, 40 Austritte schon im ersten Lockdown

„Wir haben ein niedriges Gebührenniveau, was wir auch halten wollen“, betont der zweite Vorsitzende Michael Köhler. Bei weiterem Ausfall seien dieses aber nicht zu halten, schränkt Schöneberg-Stefank ein. Sie hat auch wenig Verständnis für die „30, 40 Austritte“ von Mitgliedern schon im ersten Lockdown. „Das ist sehr enttäuschend. Für Kinder kostet der Beitrag nur 64 Euro im Jahr“, so die Jugendwartin. „Ich dachte, wir gehen gemeinsam durch die Krise.“ 

Bedauerlich sei das Hallenverbot aber nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch „weil sich unsere Trainer richtig ins Zeug legen, die Jugend begeistern können.“ Und der Ballkindergarten, der so gut angelaufen war, liege brach. Wenn etwas übrig bleibt von den Hilfsmitteln, möchte der Vorstand den Mitgliedern etwas zurückgeben. „In welcher Form auch immer“, so Schöneberg-Stefank. 

An Staatshilfen denkt auch ein Reitvereine in der Gemeinde. „Rolf Aust von der Reitgemeinschaft Hacheney hat mich angesprochen, gefragt, ob die Soforthilfe Sport des Landessportbundes, die ja bis Mitte November verlängert wurde, für sie in Frage kommt“, erklärt Dirk Presch vom Gemeindesportverband. „Ich habe ihm Hilfe zugesagt.“ RG-Vorsitzende Sabine Kroll bestätigt die Anfrage, wusste am Donnerstagabend aber nichts Konkretes. „Da kümmert sich Rolf drum.“ 

Hickhack um Reitunterricht

Fakt ist: Die Reitvereine dürfen im Moment keine Trainingsstunden durchführen, haben aber Einstell- und Unterhaltskosten für ihre Schulpferde. „In finanzieller Not sind wir nicht, obwohl es ärgerlich ist, schon wieder mit dem Unterricht aussetzen zu müssen. Und so ein Hickhack. Erst hieß es von der Reiterlichen Vereinigung ja noch, dass Einzelunterricht noch möglich sei, dann wieder nicht“, sagt dagegen Lisa Kissing, Pressesprecherin der Reitgemeinschaft Nordbögge/Lerche. Anders als beim Lockdown im Frühjahr sei, dass mehr Personen sich auf dem Gelände aufhalten dürfen – in der Halle vier statt zwei, draußen sechs. 

„Sonst ist es wie gehabt, die Leute sollen sich so kurz wie möglich auf der Anlage aufhalten. Die Bewegung der Schulpferde ist gewährleistet. Es wäre aber schön, wenn alles wieder längere Zeit normal laufen würde. Nicht, dass wir in drei Wochen wieder anfangen mit Unterricht und alles zwei Wochen später wieder herunterfahren“, so Kissing.

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