4:3-Erfolg gegen Dorsten-Hardt zeigt Stärken, aber auch die Schwächen

IG auf Rang zwei, aber noch nicht meisterlich

Schon wieder ein neuer Verletzter: Bönens Emre Demir musste mit Oberschenkelproblemen vom Feld.
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Schon wieder ein neuer Verletzter: Bönens Emre Demir musste mit Oberschenkelproblemen vom Feld.

Ein wenig merkwürdig wirkte die Szenerie nach Abpfiff der Fußball-Landesligapartie zwischen der IG Bönen und dem SV Dorsten-Hardt: Ferhat Cerci drehte dem Spielfeld am Schulzentrum zunächst den Rücken zu und winkte ab, statt mit der Mannschaft über den 4:3-Sieg seiner Elf zu jubeln. Zu viel hatte ihm nicht gefallen.

Bönen – Adil Elmoueden deutete den Gefühlszustand seines Trainers wohl richtig, versuchte dessen Enttäuschung mit einer Umarmung wegzutrösten. Der Linksverteidiger saß 90 Minuten auf der Bank, bekam daher wohl mit, was Cerci in der zweiten Hälfte des Spiels durchmachte, als der Gast den 0:3-Pausenrückstand aufholte und den Bönenern die drei Punkte scheinbar aus den Händen glitten.

„Unerklärlich“, war der treffende Kommentar von Bönens Coach. „Wir waren klar überlegen, hatten gute Chancen, hätten in der ersten Halbzeit schon fünf Tore machen müssen“, meinte Cerci. Und so schlecht war die Quote des überragenden Zübeyir Kaya mit drei Treffern gar nicht. Allerdings zeigte dieser Hattrick auch irgendwie das Manko der IG-Offensive: Der gegen Dorsten-Hardt zwischen Rechts- und Linksaußen wechselnde Kaya hat den Zug zum Tor. Nicht von ungefähr steht er mit sieben Treffern ganz oben in der Landesliga-Torschützenliste. Er wurde vom Coach in den Spielen zuvor aber auch schon als vorderste Spitze eingesetzt, wo er dann jedoch auch gerne nach außen auswich.

Kaya wird immer wieder gesucht

Kaya wird auch dann gesucht, wenn er pumpt ohne Ende, wie ab der 80. Minute. „Er ist ja auch rauf und runter gerannt“, wiegelt Cerci Konditionsprobleme des Offensiv-Fixpunkts ab. Und wenn es nötig ist, reicht die Luft trotzdem für mehr als 90 Minuten. Kayas letzter Tempolauf führte schließlich in der Nachspielzeit zum 4:3-Siegtreffer. Dorstens Innenverteidiger Lucas Sosnowski konnte die scharfe Hereingabe des Bönener nicht sauber klären, Adem Cabuk stand goldrichtig und traf.

Kayas Sturmpartner stand aber am Sonntag ebenfalls sinnbildlich für das Offensivproblem der IG. „Solche Konter müssen sitzen“, ärgerte sich Cerci über den Haken und Querpass zuviel, den Cabuk bei einer Überzahlsituation kurz nach dem 3:1 machte. „Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren“, urteilte der Coach.

Nimm du ihn, ich hab ihn sicher

Ebensowenig wie die Patzer in der Deckung. Es fing gleich nach Wiederanpfiff mit einem zu kurzen Rückpass von Almin Spahic an, Torwart Marcel Klemmer klärte in höchster Not vor Alexander Brefort. Da hatte die IG noch Glück.

Motto bei allen drei Gegentreffern war dann allerdings: „Nimm du ihn, ich hab ihn sicher.“ SV-Abwehrmann Lukas Huesmann stand bei einer Ecke von Ben Beisenbusch völlig frei – 3:1 (60.). Ein Billardball, weil weder Damir Kurtovic noch Spahic oder Ismail Budak klärte, landete danach beim einzigen Dorstener Beisenbusch, der sich mit dem 3:2 bedankte. Ein Missverständnis zwischen Budak und Klemmer bedingte den Ausgleich durch Lukas Diericks. „Ich hatte Ismail Budak eingewechselt, damit er mit seiner Erfahrung Ruhe ins Spiel bringt, für Stabilität sorgt. Das Gegenteil ist passiert“, wunderte sich Cerci nach der Herausnahme von Samet Akyüz. „Wir üben das im Training, alles scheint klar. Im Spiel kann ich dann nichts mehr machen, bin machtlos“, sagte Cerci ein wenig resigniert.

Sieger sehen anders aus: IG-Coach Ferhat Cerci winkt nach dem Schlusspfiff im wilden Spiel gegen Dorsten-Hardt ab

Wieder zwei neue Verletzte

Konstant in der noch jungen Landesliga-Saison ist bei seinem Team derzeit lediglich das Verletzungspech. „Ersin Kusakci kehrt zwar zurück, dafür fallen mit Emre Demir und Muhammed Bulut zwei wieder aus. Ein Teufelskreis“, sagte Cerci. Beide zogen sich gegen Dorsten-Hardt mindestens eine Zerrung zu, Cerci schloss auch einen Muskelfaserriss nicht aus. Vor allem Demir wird fehlen. Er lenkte das Spiel der Bönener bis kurz vor der Pause mit klugen Pässen und Tempowechseln, bis ihn der Oberschenkel wieder zwickte.

Den erfreulichen Blick auf die Zahlen mit einem zweiten Tabellenplatz für die IG einen Zähler hinter Spitzenreiter BSV Roxel, der eine Partie mehr absolviert hat, sieht Cerci als Momentaufnahme. „Dafür können wir uns nichts kaufen“, sagte der Coach. Die Leistungen bisher wären nicht meisterwürdig und würden sicher nicht ausreichen, um das Ziel Aufstieg im Mai 2022 zu erreichen.

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